Rummenigge im Interview

"Guardiola sagte: Bayern, das ist mein Klub"

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Karl-Heinz Rummenigge sieht den FC Bayern für die Zukunft bestens gerüstet.

München - Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge spricht im großen tz-Interview über die Pläne von und mit Pep Guardiola, das Pokal-Spiel gegen den BVB und den Weg, den der Rekordmeister in naher Zukunft einschlagen will.

Herr Rummenigge, Franz Beckenbauer sagt, nur ein Meteoriteneinschlag an der Säbener Straße könnte eine Meisterschaft des FC Bayern noch verhindern. Wissen Sie, wie wahrscheinlich so ein Einschlag in Ihrem Hauptquartier ist?

Karl-Heinz Rummenigge: (lacht) Ich weiß es nicht, aber ich denke, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage: Rein statistisch ist die Wahrscheinlichkeit wohl zu vernachlässigen. Ich muss aber auch sagen, dass es sich beim FC Bayern mitunter schon so anfühlt, als wäre ein Meteorit eingeschlagen – immer, wenn es mal sportlich nicht so läuft. Bei 17 Punkten Vorsprung geht es jetzt darum, genauso konzentriert wie bisher zu bleiben, weiterhin unsere Qualitäten ausspielen und jeden Gegner zu respektieren. Wir müssen weiter seriös Fußball spielen.

Uli Hoeneß lehnt Gratulanten ab – er sei noch immer nervös. Sie auch?

Rummenigge: Ich bin vor jedem Spiel nervös. Aber unser Vorsprung macht uns ein schönes Stück entspannter. Wir können die Meisterschaft mit einem Stück Souveränität angehen.

Die 16 Richtlinien des FC Bayern

Sehen Sie hier die 16 "Mia san mia"-Leitsätze zum Durchklicken. © 
01. Mia san ein Verein: Unsere Herkunft, Entstehung und Geschichte liegt in einer gemeinnützigen Idee eines Vereins, die wir bis heute leben. © Quelle: Bayern-Magazin
02. Mia san Botschafter: Durch unser Auftreten im In- und Ausland haben wir ein großes Maß an Verantwortung. Jeder Spieler, Trainer, Manager, Betreuer und Angestellte trägt mit seiner Persönlichkeit nicht nur zum Image des FC Bayern, sondern zu einem Bild des Clubs in der Öffentlichkeit bei. © Quelle: Bayern-Magazin
03. Mia san Vorbilder: Auf und neben dem Platz sind wir Vorbilder für die Jugend. An unseren Werten und wie wir diese leben orientieren sich die Sportler von morgen. © Quelle: Bayern-Magazin
04. Mia san Tradition: Wir haben eine lange und erfolgreiche Geschichte und die Entwicklung des Fußballs maßgeblich mitgeprägt. Darauf können wir stolz sein. © Quelle: Bayern-Magazin
05. Mia san Innovation: Die Verbesserung auf allen Ebenen unserer Arbeit ist unser Ansporn. Ob sportlich, administrativ, technologisch oder zwischenmenschlich, lernen wir täglich dazu und wollen Maßstäbe setzen und Vorreiter als einer der Topclubs der Welt sein. © Quelle: Bayern-Magazin
06. Mia san Selbstvertrauen: Wir gehen in jedes Spiel, um zu gewinnen. Neunzig Minuten spielen wir mutig nach vorne und setzen unser Spiel durch. Wir haben stets das Heft in der Hand. © Quelle: Bayern-Magazin
07. Mia san grenzenlos: Unsere Wurzeln und Werte resultieren aus der Entwicklung unseres Landes. Durch unsere kulturelle Vielfältigkeit und die Erfahrungen, die wir in der täglichen Arbeit mit unseren Spielern machen, verbinden wir unsere Tugenden mit globaler Denkweise und verbessern unser Spiel. © Quelle: Bayern-Magazin
08. Mia san Fußball: Ob alt oder jung, männlich oder weiblich, schwarz oder weiß, ob Champions League oder Kreisklasse, wir sind Fußball zum Anfassen und Mitspielen. Für uns ist die „schönste Nebensache der Welt“ einfach unsere Berufung. © Quelle: Bayern-Magazin
09. Mia san Respekt: Ob Spieler, Geschäftsstellenmitarbeiter, Betreuer, Vorstand, Trainer, Aushilfen oder Präsidium – ohne unseren respektvollen Umgang im Team wären wir nicht auf diesem Weltklasseniveau. © Quelle: Bayern-Magazin
10. Mia san Freude: Wir freuen uns am Spiel, an der Arbeit, am Gewinnen, am Wettbewerb, am Tore schießen, am Zweikampf, an der Gemeinschaft und am Teamgeist. Dies alles treibt uns täglich an. Aber wir akzeptieren auch Niederlagen. © Quelle: Bayern-Magazin
11. Mia san Treue: Über zwölf Millionen Fans bekennen sich allein in Deutschland zum FC Bayern, zehntausende reisen von weit her zu unseren Spielen an. Alles für 90 Minuten Leidenschaft. © Quelle: Bayern-Magazin
12. Mia san Partner: Zu unseren Fans, Fanclubs, Mitgliedern und Sponsoren pflegen wir ein partnerschaftliches Verhältnis. Doch wir wollen darüber hinaus zuverlässige, verlässliche Freunde sein. Wir leben und entwickeln den Sport mit all seinen Facetten zusammen weiter. © Quelle: Bayern-Magazin
13. Mia san Heimat Der FC Bayern München ist überall auf der Welt zu Hause. Doch wir wissen, wo wir daheim sind. © Quelle: Bayern-Magazin
14. Mia san Motor: Die vergangenen Jahrzehnte haben gezeigt, wie viel Energie im FC Bayern steckt. Dies gibt uns allen Selbstvertrauen und ist Motivation für die Zukunft. © Quelle: Bayern-Magazin
15. Mia san Verantwortung: Unserem gemeinnützigen Auftrag werden wir gerecht durch verantwortungsvolles Handeln. Vorbildlich kümmern wir uns um den Menschen. Toleranz, Hilfsbereitschaft und Fairness sind uns Verpflichtung. © Quelle: Bayern-Magazin
16. Mia san Familie: Auch nach einer aktiven Karriere ist unsere Tür für alle offen. Wir stehen ein Leben lang zusammen. © Quelle: Bayern-Magazin
Mia san mia. © Quelle: Bayern-Magazin

Wie sehr würde es reizen, die Schale am drittletzten Spieltag ausgerechnet in Dortmund annehmen zu können?

Rummenigge: Wichtig ist, dass wir die Schale bekommen. Wann, ist am Ende des Tages jedem bei uns egal. Bei aller Konkurrenz zu Dortmund muss ich ja trotzdem auch klar sagen, dass wir ein entspanntes Verhältnis haben. Wir hatten die letzten zwei Jahre keine Minderwertigkeitskomplexe wegen ihnen. Rückblickend haben die zwei Jahre uns vielleicht sogar auch gut getan.

Wie sehr schmerzt im Pokal-Duell der Ausfall von Franck Ribery?

Rummenigge: Ribery ist nicht nur der beste Spieler des FC Bayern, sondern der beste Spieler der Bundesliga. Dass er fehlt, ist nicht gut, aber wenn ich mir anschaue, wie Arjen Robben in den letzten Wochen immer besser in Form gekommen ist, habe ich keine große Sorge. Als Franck im Dezember in Augsburg diese Rote Karte gesehen hat, war mir wegen des Ausfalls etwas mulmiger als heute. Wir haben noch einmal zugelegt, sind noch stabiler als in der Hinrunde.

Sie essen oft mit der Mannschaft in der Kantine – wie erleben Sie Robben da, vor allem vor dem Duell mit dem BVB, an dem er letzte Saison zu knabbern hatte – hat er Appetit?

Karl-Heinz Rummenigge im Gespräch mit tz-Reporter Michael Knippenkötter.

Rummenigge: Alle haben guten Appetit und sich das Essen redlich verdient (schmunzelt). Arjen hat der Elfmeter gegen Dortmund sehr weh getan, da muss man kein Psychologe sein. Aber er hat gezeigt, er hat die Kraft, wieder neu durchzustarten. Das hat die ganze Mannschaft gezeigt, speziell nach dem verlorenen Champions League-Finale. Dieser Stachel sitzt nach wie vor im Fleisch, aber da tut er kurioserweise Gutes – er treibt an. Er ist der Grund, warum die Mannschaft so gut, stabil, konzentriert auftritt und keinerlei Arroganz an den Tag legt. Ich gehe manchmal ins Stadion und denke: Hoffentlich halten sie die Konzentration – und ich werde jedes Mal angenehm überrascht, dass ich mir da momentan keine Sorgen machen muss.

Bayern - Dortmund: So endeten die vergangenen Duelle

FC Bayern, Borussia Dortmund
Borussia Dortmund und der Rekordmeister Bayern München lieferten sich in der jüngsten Vergangenheit hart umkämpfte Duelle. Die jüngsten Begegnungen im Überblick: © dpa
FC Bayern, Borussia Dortmund
Bundesliga, 3. Oktober 2010, Borussia Dortmund - Bayern München 2:0 (0:0): In einem einseitigen Spiel gegen schwache Bayern erzielen Lucas Barrios und Nuri Sahin die Tore für den BVB. Mit nur zwei Siegen nach dem 7. Spieltag belegt der Rekordmeister Tabellenplatz zwölf und der BVB Rang zwei. © MIS
FC Bayern, Borussia Dortmund
Bundesliga, 26. Februar 2011, Bayern München - Borussia Dortmund 1:3 (1:2): Ein beeindruckender Auftritt des BVB beendet die Titelhoffnungen der Bayern. Lucas Barrios, Nuri Sahin und Mats Hummels treffen für den BVB, der den Vorsprung auf die Münchner zehn Runden vor dem Saisonende auf 16 Punkte ausbaut. © dpa
FC Bayern, Borussia Dortmund
Bundesliga, 19. November 2011, Bayern München - Borussia Dortmund 0:1 (0:0): Mario Götze entscheidet die Begegnung der Erzrivalen. Nach dem 13. Spieltag trennen den BVB vom Spitzenreiter Bayern nur noch zwei Punkte. © dpa
FC Bayern, Borussia Dortmund
Bundesliga, 11. April 2012,  Borussia Dortmund - Bayern München 1:0 (0:0): Im Giganten-Gipfel des 30. Spieltages baut Tabellenführer Dortmund seinen Vorsprung auf die Bayern vorentscheidend auf sechs Punkte aus. Robert Lewandowski erzielt das goldene Tor. © dpa
FC Bayern, Borussia Dortmund
DFB-Pokal: Endspiel am 12. Mai 2012, Borussia Dortmund - Bayern München 5:2 (3:1): Im Finale der besten deutschen Mannschaften zwingt der BVB die Bayern eine Woche vor deren Champions-League-Endspiel „dahoam“ in der zweiten Halbzeit in die Knie. Richtungweisend war der Treffer von Robert Lewandowski zum 3:1 Sekunden vor der Pause. Insgesamt drei Treffer steuert der Pole zum ersten Double-Gewinn in der Geschichte des BVB bei.27.02.2013 © dpa
FC Bayern, Borussia Dortmund
Bundesliga, 1. Dezember 2012, Bayern München - Borussia Dortmund 1:1 (0:0): Der BVB kann den Abstand auf Tabellenführer München nicht verkürzen (elf Punkte). Toni Kroos schießt die Bayern in Führung, bevor Mario Götze zum Ausgleich trifft. © MIS
FC Bayern, Borussia Dortmund
Im DFB-Pokal-Viertelfinale am Mittwoch, 27. Februar 2013, trafen sich der FC Bayern und Borussia Dortmund wieder. Arjen Robben erzielte per Traumtor den 1:0-Siegtreffer. © MIS
FC Bayern, Borussia Dortmund
Bundesliga, 4. Mai 2013 - Borussia Dortmund - Bayern München 1:1 (1:1): Die für die Liga wertlose Generalprobe für das Champions-League-Finale wird zum umkämpften Gift-Gipfel. Die BVB-Führung durch Kevin Großkreutz (11.) gleicht Mario Gomez für die Bayern aus (29.). © dpa
FC Bayern, Borussia Dortmund
Champions-League-Finale in London, 25. Mai 2013: In einem der besten Endspiele der Köngisklasse behält der FC Bayern im ersten deutschen Finale der Geschichte gegen den BVB knapp die Oberhand. Mario Mandzukic bringt den Rekordmeister nach einer Stunde in Führung. Acht Minuten später gleicht Ilkay Gündogan per Strafstoß aus. Als alle bereits mit der Verlängerung rechnen, setzt sich Arjen Robben und dem FC Bayern in der 89. Minute mit einem Geniestreich zum 2:1-Endstand Europas Krone auf. © dpa
FC Bayern, Borussia Dortmund
Deutscher Supercup, 27. Juli 2013 - Borussia Dortmund - Bayern München 4:2 (1:0): Das erste Duell der neuen Saison konnte die Borussia dank der Tore von Reus (2), Gündogan und einem Eigentor von van Buyten für sich entscheiden. Da half den Bayern auch der Doppelpack von Arjen Robben nichts mehr.      © AFP
FC Bayern, Borussia Dortmund
Bundesliga, 23. November 2013 - Borussia Dortmund - Bayern München 0:3 (0:0): Die Partie stand im Zeichen der Rückkehr von Neu-Bayer Mario Götze nach Dortmund. Bei seiner Einwechslung wurde er gnadenlos ausgepfiffen und beschimpft. Elf Minuten später traf er zur Bayern-Führung, die dem BVB das Genick brach. Am Ende siegten die Münchner klar mit 3:0 durch weitere Treffer von Arjen Robben und Thomas Müller. © MIS
FC Bayern, Borussia Dortmund
Autsch! Am 12. April 2014 mussten die Bayern am 30. Spieltag der Bundesliga ein 0:3 gegen den BVB einstecken - die bislang höchste Niederlage seit Beginn der Amtszeit von FC-Bayern-Trainer Pep Guardiola. © MIS
FC Bayern, Borussia Dortmund
17. Mai 2014: Der FC Bayern schlägt Borussia Dortmund in Berlin mit 2:0 nach Verlängerung und sichert sich den DFB-Pokal. © dpa
FC Bayern, Borussia Dortmund
Deutscher Supercup 2014, 13. August 2014: Borussia Dortmund verteidigt seinen Titel durch ein 2:0 im heimischen Signal Iduna Park. Die Tore erzielten Mkhitaryan und Aubameyang. © dpa
FC Bayern, Borussia Dortmund
Bundesliga, 1. November 2014: Die Bayern drehen einen 0:1-Halbzeit-Rückstand noch in einen Sieg. Nach dem Dortmunder Führungstreffer durch Reus sorgen Lewandowski und Robben per Elfmeter für den Münchner Erfolg. © MIS
FC Bayern, Borussia Dortmund
Bundesliga, 4. April 2015: Die Bayern überraschen in Dortmund mit einer ungewohnt defensiven Spielweise. Das zahlt sich aus. Der FCB gewinnt 1:0 - ausgerechnet durch einen Treffer von Ex-Dortmunder Robert Lewandowski. © MIS
FC Bayern, Borussia Dortmund
DFB-Pokal, 28. April 2015: Der FC Bayern lässt im eigenen Stadion zu viele Chancen liegen, die Borussia kann den Führungstreffer von Lewandowski durch Aubameyang ausgleichen und rettet sich in die Verlängerung. Dort passiert nichts mehr, es geht ins Elfmeterschießen. Dabei versemmeln alle Schützen des FCB und Dortmund feiert den Einzug ins Pokal-Finale. © picture alliance / dpa
FC Bayern, Borussia Dortmund
Das erste Aufeinandertreffen von Pep Guardiola mit Thomas Tuchel als Dortmund-Coach endet mit einem äußerst klaren Ergebnis: Am 4. Oktober 2015 schießen die Bayern den BVB mit 5:1 aus dem Stadion. Lewandowski und Müller treffen am 8. Bundesliga-Spieltag jeweils doppelt, Mario Götze besorgt das fünfte FCB-Tor. Die Borussia ist lediglich durch Pierre-Emerick Aubameyang erfolgreich. © MIS
FC Bayern, Borussia Dortmund
Bundesliga, 05. März 2016: Der FC Bayern und Borussia Dortmund liefern sich ein intensives Topspiel, das diesen Titel auch verdient. Nur Torte fallen keine. Mit dem Unentschieden bleibt der Vorsprung der Münchner unverändert bei fünf Punkten. © MIS
DFB Pokalfinale, 21. Mai 2016: Das letzte Aufeinandertreffen von Tuchel beim BVB und Guardiola beim FCB ist - wie könnte es anders sein - das Pokalfinale. In packenden 120 Minuten fällt kein Tor, beim Elfmeterschießen entscheidet schließlich Douglas Costa das Spiel für die Münchner.
DFB Pokalfinale, 21. Mai 2016: Das letzte Aufeinandertreffen von Tuchel beim BVB und Guardiola beim FCB ist - wie könnte es anders sein - das Pokalfinale. In packenden 120 Minuten fällt kein Tor, beim Elfmeterschießen entscheidet schließlich Douglas Costa das Spiel für die Münchner. © dpa
Supercup, 14. August 2016: Im ersten Pflichtspiel für Carlo Ancelotti geht es direkt gegen den wohl ärgsten Verfolger der kommenden Buli-Saison. Die Dortmunder spielen dominante erste 45 Minuten, doch der FCB ist eiskalt und siegt durch Tore von Arturo Vidal und Thomas Müller mit 2:0.
Supercup, 14. August 2016: Im ersten Pflichtspiel für Carlo Ancelotti geht es direkt gegen den wohl ärgsten Verfolger der kommenden Buli-Saison. Die Dortmunder spielen dominante erste 45 Minuten, doch der FCB ist eiskalt und siegt durch Tore von Arturo Vidal und Thomas Müller mit 2:0. © dpa

Sind Sie auch angenehm überrascht, wie Robben mit seiner Reservistenrolle umgeht?

Rummenigge: Der Ausdruck „Reservistenrolle“ gefällt mir nicht. Der FC Bayern hat 16, 18, 20 nahezu gleichwertige Spieler. Jeder ist für den Erfolg wichtig. Der eine am Samstag, der andere dann am Dienstag oder Mittwoch. Jupp Heynckes rotiert viel, das ist auch gut, aber natürlich gibt es je nach Form aber auch auf Grund von taktischen Überlegungen eine Top-Elf, eine erste Elf, mit der du dann gegen Barcelona und Real Madrid spielst. Jetzt beginnt die heiße Saisonphase mit vielen Spielen, da denke ich, es wird auch mal der eine oder andere sogar zufrieden sein, wenn er sich ausruhen darf, um dann drei Tage später wieder Vollgas geben zu können. Ich hätte mir das früher gewünscht, ich musste oft angeschlagen spielen, weil kein Ersatz da war.

Ist das auch international der große Bonus – Sie selbst sagten letzte Woche, Sie hätten gemerkt, Barcelona sei müde. Ist der Bayern-Kader in der Breite besser als der von Barca?

Rummenigge: Das weiß ich nicht. Ich habe vor Barca Riesenrespekt, die haben auch eine erstklassige Bank. Es ist in erster Linie eine Frage der Philosophie des Trainers. Mancher lässt seine erste Elf, seine Top-Elf, spielen, bis einer umfällt oder sich verletzt. Jupp Heynckes ist wie Ottmar Hitzfeld früher ein Freund des Rotierens, und wir haben damit gute Erfahrungen gemacht. Rotation hält die Zufriedenheit auf einem höheren Niveau. Trotzdem gibt es Spieler, die immer zehn, zwölf Spiele am Stück machen: Einen Ribery, Schweinsteiger, Neuer, Lahm oder Dante nimmst du zum Beispiel nicht raus, weil sie für Stabilität sorgen.

Thiago kommt! Und noch einer? Alle FC-Bayern-Transfergerüchte

Pep Guardiola will beim FC Bayern vor allem mit den vorhandenen Spielern arbeiten. Schließlich waren diese mit ein Grund für seine Unterschrift in München. © dpa
Doch dass bei einem solchen Welttrainer plötzlich auch Weltstars gehandelt werden, liegt in der Natur der Sache. Wen könnte Sportvorstand Matthias Sammer dem neuen Trainer Pep Guardiola "spendieren"? Wir haben die Gerüchte für Sie zusammengefasst - von Weltstars bis hin zu Talenten. © M.I.S.
Thiago Alcantara (FC Barcelona): Pep Guardiola wollte ihn unbedingt - das hat er bei einer Pressekonferenz klargestellt. Und am Ende hat er ihn auch bekommen. © dpa
Mario Götze (Borussia Dortmund): Der Jungstar von Borussia Dortmund wechselt für die festgeschriebene Ablösesumme von 37 Millionen Euro zum FC Bayern. Ein spektakulärer Coup! Laut BVB-Trainer Jürgen Klopp ist Götze der "absolute Wunschspieler" von Bayerns künftigem Trainer Pep Guardiola. © dpa
Sebastian Rode (Eintracht Frankfurt): Der Frankfurter Vorstandschef Heribert Bruchhagen hat den Wechsel von U21-Nationalspieler Sebastian Rode (22) von der Eintracht zum FC Bayern indirekt bestätigt. „Warum geht Jan Kirchhoff zu den Bayern? Warum Sebastian Rode? Mein Gott, das sind junge Leute. Die können dort eben ein Vielfaches verdienen. Punkt. Aus. Das ist eben so“, sagte Bruchhagen der Bild-Zeitung. Allerdings hat der Spieler selbst nicht ausgeschlossen, seinen Vertrag bei der Eintracht möglicherweise zu verlängern. © Getty
Botia
Alberto Botia (FC Sevilla): Offenbar soll der FC Bayern an dem Zentralverteidiger interessiert sein. Das meldet die Sport Bild. Der 24-Jährige wurde beim FC Barcelona ausgebildet.  © picture alliance / dpa
Wayne Rooney (Manchester United): Angeblich ist der Stürmer ziemlich versessen darauf, nach München zu Pep Guardiola zu wechseln. Offiziell hat er bereits bei ManU angefragt, ob er den Verein verlassen dürfe. Sein Ansinnen wurde abgelehnt. Zu den Bayern wird Rooneys Reise aber ohnehin nicht führen: Sportvorstand Matthias Sammer sagte klipp und klar: "Es gab keinen Kontakt zu ihm. Es gibt keinen Kontakt, und er ist nicht auf unserer Agenda. Nein, nein, absolut nicht", so Sammer. © dpa
Yaroslav Rakitsky (l., Donezk): Laut "Sport Bild Plus" ist der FC Bayern am Ukrainer interessiert, der innen wie außen verteidigen kann © dpa
Thomas Vermaelen (l., FC Arsenal): Laut "Sport Bild Plus" ist auch der Belgier ein Kandidat bei Bayern. © dpa
Andreu Fontas (FC Barcelona, l.): Laut "Kicker" sind die Bayern an dem Talent des FC Barcelona interessiert. Der Innenverteidiger ist derzeit an RCD Mallorca ausgeliehen, um Spielpraxis zu sammeln und hat bei Barca noch einen Vertrag bis 2015. © dpa
David Villa (FC Barcelona): Laut "Daily Mail" erwarten Bayern-Insider, dass Guardiola wegen dem Barca-Stürmer nachfragt. Die Antwort wird wohl - wenngleich Villa bei Barcelona etwas aufs Abstellgleis geraten ist - "Nein" lauten. © Getty
Laurent Koscielny
Laurent Koscielny (Arsenal London): Laut "Daily Mail" hat der FC Bayern den französischen Innenverteiger von Arsenal London im Auge. Sein Vertrag läuft noch bis 2017. Pep Guardiola soll ihn schon zu seinen Barcelona-Zeiten im Auge gehabt haben © Getty
Robert Lewandowski (Borussia Dortmund): Der Poker um einen Sommer-Wechsel von Robert Lewandowski zum FC Bayern ist offiziell beendet. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke hat ein Machtwort gesprochen: Dortmund lässt den polnischen Stürmer nicht vorzeitig ziehen. "Robert Lewandowski wird 2013 definitiv nicht zum FC Bayern wechseln", erklärte der Dortmund-Geschäftsführer gegenüber Bild.de. "Das ist endgültig! Das haben wir Robert und seinen Beratern jetzt mitgeteilt." © Getty
Iker Muniain (Atletic Bilbao): Mit dem jungen Basken haben sich die Bayern in der Vergangenheit schon öfters beschäftigt. Was für eine Verpflichtung im Sommer spricht: Muniain kommt mit Bilbao-Trainer Marcelo Bielsa nicht mehr klar, Pep Guardiola hält große Stücke auf ihn und außerdem ist er eng mit Javi Martinez befreundet. © getty
Benat Etxebarria: Der Baske war im vergangenen Sommer schon beim VfL Wolfsburg im Gespräch, jetzt wird der Mittelfeldspieler von Betis Sevilla auch mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht. Das berichtet der "Kicker" unter Bezug auf spanische Medien. Etxebarria dürfte aber für unter 20 Millionen Euro nicht zu haben sein. © getty
Vincent Kompany (Manchester City): Laut "Daily Telegraph" verfolgt der FC Bayern seine Situation und einen möglichen Knatsch mit City-Coach Roberto Mancini. Allerdings: Kompanys Vertrag läuft bis 2018, er wäre wohl richtig teuer © dpa
Inigo Martinez: Der Verteidiger genießt bei Pep Guardiola seit langer Zeit einen guten Ruf. Die "Sport Bild" berichtet, dass Guardiola bereits mehrfach versucht hat, ihn zum FC Barcelona zu locken. © getty
Kevin-Prince Boateng (AC Mailand): So ein Boateng-Bruderpaar beim FC Bayern wäre doch was! Der Halbbruder von Jerome hat aber die Gerüchte schon dementiert. "Die Spekulationen kommen nicht von mir. Natürlich habe ich das auch mitbekommen. Deswegen kann ich jetzt klar sagen: Ich bin beim AC glücklich und sitze zurzeit nicht auf gepackten Koffern. Zudem habe ich Milan viel zu verdanken und beschäftige mich nicht mit Bayern oder anderen Klubs", sagte er der "Sport Bild". © Getty
Pablo Osvaldo (AS Rom): Ein echter Typ! Der 27-Jährige fällt nicht nur wegen seiner Tattoos, sondern auch wegen seiner Tore. Laut "Tuttosport" ist nicht nur Bayern an ihm dran, sondern auch Milan und Florenz. © Getty
Mangala (FC Porto): Das Gerücht, dass der FC Bayern Interesse an dem 22-jährigen Franzosen habe, setzte dessen Berater Fabrizio Ferrari via portugiesischer Sportzeitung "Abola" in die Welt. Der Verteidiger stehe bei Bayern, Manchester United und dem AC Mailand auf dem Zettel", sagte Ferrari, "und noch bei weiteren Mannschaften dieses Niveaus." Da scheint jemand den Preis seines Agenten in die Höhe treiben zu wollen. International jedenfalls ist Mangala noch ein recht unbeschriebenes Blatt. Er spielt seit 2011 beim FC Porto, zuvor war er in Belgien bei Standard Lüttich aktiv. © dpa
Luis Suarez (FC Liverpool): Laut "Sunday People" steht eine 40-Millionen-Pfund-Offerte für den Liverpool-Star aus Uruguay im Raum. Seine Trefferquote in England ist beeindruckend, aber ob Bayern so viel Geld auf einmal in einen Stürmer investiert, ist zumindest fraglich. © Getty
Arturo Vidal (Juventus Turin): Der Chilene gab Bayern einst einen Korb und wechselte von Bayer Leverkusen zu Juve. Laut "Gazzetta dello Sport" ist er dort nicht mehr unverkäuflich, weil sich Juve gerne anderre Stars leisten würde. Deswegen könnte ein Wechsel zu Bayern wieder ein Thema werden. © Getty
Stefan Savic (AC Florenz, l.): Ein schickes Foto - und ein reizvoller Spieler? Italienische Medien bringen den Innenverteidiger aus Montenegro mit dem FC Bayern in Verbindung © dpa
Etienne Capoué (FC Toulouse): Schreien kann er schon mal, der Franzose, wie dieses Foto beweist. Und Fußball spielen auch. Deswegen ist laut "Daily Star" neben West Ham auch der FC Bayern an dem Nationalspieler interessiert. Allerdings: Das defensive Mittelfeld zählt nun wirklich nicht zu den Problemzonen der Münchner. © Getty
Als möglicher Abgang wurde Xherdan Shaqiri ins Gespräch gebracht. Laut "Sport Bild" ist Borussia Dortmund bereit, Robert Lewandowski in diesem Sommer nach München ziehen zu lassen. Voraussetzung: Ein kleiner Transferbetrag sowie im Tausch Xherdan Shaqiri und/oder ... © MIS
Mario Mandzukic. Auch der Kroate hat es BVB-Trainer Jürgen Klopp angeblich angetan. Sportvorstand Matthias Sammer hat allerdings bekräftigt, dass man beide Spieler nicht abgeben wolle. © dpa

Mario Gomez ist in dieser Hinsicht ein Härtefall – wie sehen Sie seine Situation?

Rummenigge: Wir brauchen alle. Vor Wochen stand Arjen vor mir mit einem traurigen Gesicht, sagte, er sei unzufrieden – aber ich sagte ihm, ich verstehe dich, du musst aber ruhig bleiben, dein Tag kommt noch. Wir brauchen dich, wir brauchen jeden.

Wie haben Sie Gomez’ Aussage empfunden, er würde sich angesichts der Spekulationen um Robert Lewandowski eine klare Aussage des Vereins wünschen?

Rummenigge: Ich wünsche mir in solchen Fällen mehr Gelassenheit von unseren Spielern. Es werden noch viele Gerüchte aufkommen, das hängt ja auch mit unserem neuen Trainer zusammen. Da wird sogar die Stelle des Co-Trainers zum europaweiten Spekulationsthema. Dabei stochern da gerade alle nur im Nebel.

Uli Hoeneß hat neulich recht anschaulich von seinem Treffen mit Pep Guardiola berichtet – wie war es denn bei Ihnen?

Rummenigge: Ich habe ihn in Barcelona getroffen, weil ich den Menschen mal kennenlernen wollte. Der Trainer Guardiola und seine Philosophie sind ja weltbekannt, aber ich wollte sehen, ob er als Typ kompatibel ist zum FC Bayern. Ich wollte wissen, ob er wie beispielsweise Louis van Gaal einen ganzen Stab Landsleute mit zu seinem neuen Klub bringen will, was er so vor hat. Ich habe ihm dann den FC Bayern beschrieben und dann haben wir uns zusammen Gedanken gemacht, wie das zusammenpassen kann. Das lief auf eine bemerkenswert unkomplizierte Weise. Er ist kein bisschen arrogant, sondern im Auftreten sehr angenehm und sympathisch.

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Bei Hoeneß hatten die Treffen etwas von einem Agentenroman – war es bei Ihnen auch so: Abgedunkelte Limousinen etc.?

Rummenigge: (schmunzelt) Naja, für einen James-Bond-Film würde es nicht reichen. Aber es ist schon immer ein Ziel, nicht gesehen zu werden. Das ist Uli und mir ganz gut gelungen. Es ist uns ja auch bis heute wichtig, dass wir die Arbeit von Heynckes nicht unnötig erschweren. Peps Berater hatte mich am Flughafen abgeholt, und dann hatten Pep und ich ein sehr langes Gespräch, stundenlang, über Gott und die Welt, auch über Einzelheiten: Wie tickt der FC Bayern? Wie tickt Pep Guardiola? Es war sehr interessant, sich da auszutauschen.

Was haben Sie denn so über Ihre Bayern erörtert?

Rummenigge: Ich habe ihm zum Beispiel gesagt, dass bei uns öffentliche Trainingseinheiten zur Kultur gehören. Sowas gab es in Barcelona ja nicht, aber er hat gesagt, das sei überhaupt kein Problem. Er will nichts an der Philosophie des FC Bayern ändern, denn er sagt, die Philosophie eines Vereins sei das A und O. Er wird natürlich mal einen Tag die Türen schließen, um gewisse Dinge mit der Mannschaft alleine einzuüben, aber er wird an unserer offenen Fankultur nicht rütteln. Auch bei Fragen nach seinem Trainerstab sagte er: Wenn der FC Bayern über den oder den Mann sagt, der ist absolut top, dann vertraut er uns. Er sagte das immer wieder: Ich habe volles Vertrauen in diesen Klub, ich will unbedingt für diesen Klub arbeiten. Die Kultur eines Klubs muss vom Trainer akzeptiert werden. Dazu ist er bereit. Er will und wird den FC Bayern nicht umkrempeln.

Waren Sie überrascht, wie gut er sich schon mit dem FC Bayern ausgekannt hat? Es heißt, er verfolgt den Klub seit August ...

Rummenigge: Er hat etwas sehr Interessantes gemacht: Er hat alle Vereine analysiert, die bei ihm angefragt hatten. Darunter waren ja ein paar sehr hoch dotierte Angebote. Mir hat an ihm gefallen, dass er vom ersten Tag an gesagt hat: Der FC Bayern, das ist mein Klub, das ist meine Philosophie, das ist eine Mannschaft, mit der ich großen Erfolg haben kann. Er hat uns immer den Eindruck vermittelt, dass er, wenn wir ihn möchten, gerne kommen würde. Es war gar nicht so irrsinnig schwierig, ihn zu überreden, im Gegenteil: Wir mussten ihm nicht zeigen, dass die Hechte im Bayern-Teich auch ganz schön mächtig sind – das wusste er bereits. Er hat gesagt: „Ich wäre glücklich, wenn ihr mir das Vertrauen schenken würdet.“ Das war eine wunderbare Bekundung von Pep Guardiola.

So tickt Neu-Bayer Pep Guardiola

Josep Guardiola ging im Fußball bei Johan Cruyff und Louis van Gaal in die Lehre. Beim FC Barcelona trieb er das Kurzpassspiel zur Perfektion. Nun will der 41-Jährige auch die Bundesliga erobern. © dpa
Josep Guardiola wird zuweilen als der Vater des Kurzpassspiels des FC Barcelona bezeichnet. Aber dies stimmt nur zum Teil. Die Spielweise Barças, die die Fußballwelt zuweilen in Verzückung versetzt und Spanien zum Gewinn der Welt- und Europameisterschaft verhalf, hat ihre Ursprünge in der Zeit, als Johan Cruyff der Trainer der Katalanen war. © dpa
Guardiola gehörte damals Anfang der 90er Jahre als Regisseur dem „Dream Team“ des Niederländers an. © dpa
„Pep“, wie er in Spanien genannt wird, war ein Fußballer mit einer auffallend eleganten Ballbehandlung und einem Auge für frei stehende Mitspieler. Als Trainer trieb der Schüler von Cruyff und Louis van Gaal das Kurzpassspiel zur Perfektion. Dabei kam sein Erfolg eigentlich ziemlich überraschend. © dpa
Als er 2008 bei Barça die Nachfolge von Frank Rijkaard antrat, war er als Trainer fast ohne Erfahrung; denn er hatte bis dahin nur die B-Elf betreut und dieser zum Aufstieg in die 3. Liga verholfen. © dpa
Dafür kannte er seinen Heimatclub wie kein Zweiter. Der Maurersohn hatte dereinst bei Barça als Balljunge angefangen und wusste um die Qualitäten des Nachwuchses. Binnen vier Jahren sammelte er mit dem FC Barcelona als Trainer 14 Titel, darunter zwei Champions-League-Siege und drei spanische Meisterschaften. © dpa
Ende der vorigen Saison verzichtete er auf eine Verlängerung seines Vertrags und ließ sich mit seiner Familie zu einem „Sabbat-Jahr“ in New York nieder. © dpa
Als Trainer war Guardiola in Spanien zwei Jahre lang nicht nur der Rivale von José Mourinho gewesen, sondern auch in menschlicher Hinsicht ein Gegenspieler des Portugiesen. Während der Coach von Real Madrid sich in der Rolle des Provokateurs und Rüpels zu gefallen scheint, tritt Guardiola eher zurückhaltend und bescheiden auf. © dpa
Er beherrscht die Kunst der feinen Ironie und gilt als ein Feingeist, der abseits des Fußballplatzes den Kontakt zu Kulturschaffenden sucht. © dpa
Er gibt grundsätzlich keine Interviews. © dpa
Der Grund: Guardiola will Journalisten kleinerer Medien nicht benachteiligen. © dpa

War er denn auch bescheiden in Sachen Neuverpflichtungen?

Rummenigge: Darüber haben wir noch nicht gesprochen. Er sagte, Bayern hat eine phantastische Mannschaft. Er hat auch großen Respekt vor der Arbeit von Heynckes. Wie ich ihn verstanden habe, sieht er es nicht für notwendig, dramatisch einzukaufen. Sicherlich werden wir uns punktuell verstärken, das ist ja klar. Wir werden unsere Personalentscheidungen dieses Jahr aber sicher auch erst spät fällen.

Wie haben Sie sich eigentlich mit ihm unterhalten?

Rummenigge: Auf Italienisch und Englisch. Aber ich kann Ihnen sagen, dass sein Deutsch von Tag zu Tag besser wird.

Skeptiker sagen: Guardiola kann nur FC Barcelona – was sagen Sie?

Rummenigge: Ich muss offen und ehrlich sagen, dass wir bei jeder Verpflichtung Mails, Faxe, sogar noch handgeschriebene Briefe bekommen – und diesmal war das erste Mal kein einziger kritischer Kommentar darunter. Kürzlich war ich in Katar, da haben selbst die Scheichs gratuliert. Wir sind überzeugt, dass wir die bestmögliche Option gezogen haben.

Kann der FC Bayern überhaupt noch besser werden?

Rummenigge: Man muss immer daran arbeiten, den nächsten Schritt zu machen. Uli sagte neulich, er ist sicher, dass wir die nächsten fünf Jahre die Champions League gewinnen können. Das denke ich auch.

Wie wichtig sind bei dieser Entwicklung 40-Millionen-Transfers wie der von Javi Martinez?

Rummenigge: Das war ein wunderbarer Transfer, aber solche Ausgaben müssen bei uns nicht die Norm werden. Ich stelle allerdings auch fest, dass ein Top-Transfer unseren Klub oft weiterbringt als drei mittlere Verpflichtungen. Schauen Sie sich Neuer an, Ribery, Robben, Martinez – das sind alles teure Transfers, aber Transfers, die uns nicht nur einen Schritt, sondern gleich mehrere Schritte vorangebracht haben.

Insgesamt ist der FC Bayern in dieser Saison einen riesigen Schritt nach vorn gekommen. Herrscht dennoch oder gerade deswegen Explosionsgefahr, sollte es nun eine Pleite gegen Dortmund geben?

Rummenigge: Nein. Wir haben gute Chancen, den wichtigsten, den ehrlichsten Titel, nämlich die Meisterschaft, zu gewinnen. Und bei so einem Spiel wie jetzt kann dir alles passieren. Da kannst du Glück haben, da kannst du Pech haben. Irgendeiner wird am Ende des Tages in den sauren Apfel beißen.

Aber noch mal: Wenn es Ihnen passiert und Sie verlieren, kann es doch knallen.

Rummenigge: Nein, es knallt nicht. Dazu sind wir einfach zu stabil als Klub. Und ich habe auch den Eindruck, wir sind super drauf. Ich würde unsere Situation heute mit der von Dortmund vor einem Jahr vergleichen. Da waren wir nicht entspannt und nicht souverän, da standen wir unter totalem Druck. Jetzt haben sich die Dinge gewandelt. Durch die 17 Punkte Vorsprung, die wir haben, ist der Druck auf Seiten der Dortmunder. Letztes Jahr im DFB-Pokalfinale wollten wir auch zeigen, dass wir die bessere Mannschaft haben.

Will Dortmund das denn jetzt überhaupt zeigen? Von Herrn Watzke ist zu hören, dass Bayern die beste Mannschaft in Europa hat.

Rummenigge: Ja, ja, da schiebt jeder dem anderen die Favoritenbürde zu. Die will keiner haben, denn sonst bist du der Depp. Aber damit gehe ich schmunzelnd um. Und Druck habe ich immer, seit 40 Jahren.

Dazu existiert aber noch diese Negativserie.

Rummenigge: Es ist ein besonderes Spiel, da müssen wir nicht dumherum reden. Ich bin auch überzeugt, dass es ein klasse Spiel wird. Bei solchen Spielen würde ich ja am liebsten selbst mitspielen! Diese Spiele habe ich geliebt, da wälzt du dich beim Mittagsschlaf schon hin und her.

Haben Sie den Eindruck, dass auch Ihre Spieler diese Spiele lieben?

Rummenigge: Auf jeden Fall mehr als vor einem Jahr. Die Dinge haben sich zu unseren Gunsten gedreht. Aber es war auch eine Zeit, die uns zwar weh getan hat, auf der anderen Seite war sie aber auch sehr lehrreich.

Viele Spieler haben einen Schritt nach vorn gemacht. Thomas Müller oder Toni Kroos zum Beispiel.

Rummenigge: Toni, und das sage ich nach wie vor, hat vom lieben Gott überragende Talente geschenkt bekommen. Er gehört technisch eigentlich nicht in die Fußballgattung Deutscher, er hat einen wunderbaren Schuss, auch sein Passspiel ist überragend. Aber das ist auch Verpflichtung. Er darf nicht den Fehler machen und in Stillstand verfallen. Generell sage ich: Es ist für den FC Bayern wie für die deutsche Nationalmannschaft wichtig, mit dem Schuss Demut und Gier in die Spiele und Turniere zu gehen. Da müssen diese Müllers und Kroos den nächsten Schritt machen.

Spielt ein Thomas Müller denn gerade seine beste Saison?

Rummenigge: Thomas spielt spielt extrem gut! Er ist für mich der Weltmeister in Effizienz. Er hat eine Effizienz wie kein zweiter Spieler auf dieser Welt, macht manchmal aus Nichts zwei Tore! Ich kann mich erinnern, wie er in der Hinrunde auf Schalke aufgetreten ist. Da hat er in der ersten Halbzeit gespielt wie eine Bratwurst. Das habe ich ihm nach dem Spiel auch gesagt und gefragt: Hast du in der Halbzeit irgendwas getrunken, was dein Spiel verändert? Da hat er mich so angelächelt und gemeint: Sie haben vollkommen Recht! In der zweiten Halbzeit hat er dann weltklasse gespielt, zwei Tore gemacht! Er hat einfach ein Spiel, das ist schwierig zu berechnen für die Verteidiger - und manchmal auch für die eigene Mannschaft (lacht).

Das Gespräch führte Michael Knippenkötter

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