"Solidarität gilt für 36 Vereine"

Kein Mitgefühl für die Bayern

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Karl-Heinz Rummenigge.

München - Die Liga weist Rummenigges Vorwürfe, die Liga würde nicht zusammenhalten, zurück. Diese hatte zuvor abgelehnt, die Saison später beginnen zu lassen. "Solidarität gilt für 36 Vereine", heißt es.

Es wirkt vergleichsweise ruhig, wenn man in diesen Tagen an der Säbener Straße ist. Ein paar Profis sind da, ansonsten trainiert Pep Guardiola mit Spielern der U 23. Hochbetrieb herrscht jedoch trotzdem. Nicht auf dem Platz, sondern ein paar Etagen weiter oben.

Die Terrasse der Geschäftsstelle ist ein gemütlicher Ort, der, von dem man das Training wohl am besten beobachten kann. Am Wochenende war Mehmet Scholl zu Besuch; Matthias Sammer hat auf den gemütlichen Polstermöbeln eine Art Stammplatz gefunden. Der Sportvorstand beobachtet nahezu jede Einheit, stets nachdenklich, manchmal wild gestikulierend. Einzelne Dinge, die er derzeit auf dem Platz sieht, erfreuen ihn (Franck Ribery auf dem Wege der Besserung, Holger Badstuber voll dabei, Robert Lewandowski am Ball); das große Ganze macht den Verantwortlichen des FC Bayern aber doch etwas zu schaffen. „Der kurze Urlaub der WM-Spieler, die kurze Vorbereitung“, sagt Sammer. Er schnauft. Denn die Liga hat kein Verständnis für das Klagen der Bayern.

„Solidarität gilt für 36 Vereine, nicht nur für einen“, sagte etwa Gladbachs Sportvorstand Max Eberl als Reaktion auf den Vorwurf, den Karl-Heinz Rummenigge gleich nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub an die Liga gerichtet hat. Er vermisse den Zusammenhalt der 36 Profi-Klubs, hatte der Vorstandschef der Bayern verlauten lassen. Die Begründung: Ein Antrag des Rekordmeisters, die Liga nicht am 22. August, sondern erst eine Woche später starten zu lassen, wurde auf einem Manager-Treffen der Liga abgelehnt. Angeblich, weil die Konkurrenz sich einig war, dass man nur einem FC Bayern mit müden WM-Spielern Probleme auf dem Weg zum 25. (Jubiläums-)Titel bereiten könne.

Als „guten Kompromiss“ bezeichnete Leverkusens Sportchef Rudi Völler den Termin am vorletzten August-Wochenende in der „Bild“, Hannover-Manager Dirk Dufner sagte: „Die großen Klubs müssen mit so etwas umgehen können.“ Nervös ist man bei den Bayern vor allem wegen der Erfahrungswerte aus der Vergangenheit: „Es darf nicht das passieren, was dem FC Bayern nach großen Turnieren immer passiert ist, nämlich, dass man nicht deutscher Meister wird.“ Heißt: Der FC Bayern ist derzeit auf der Suche nach Balance.

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Einerseits muss der Kader auch ohne die voll erholten WM-Fahrer gut genug sein, um nicht gleich zu Beginn den Anschluss zu verpassen (Sammer: „Dann hast du in der zweiten Saisonhälfte keine Highlight-Spiele“), andererseits darf der Konkurrenzkampf dann, wenn alle spielbereit sind, nicht noch größer werden. Schon in der letzten Saison habe es – vor allem von Thomas Müller und Mario Götze – Murren gegeben.

Einen Torwart will der Rekordmeister unbedingt verpflichten, ein Innenverteidiger steht auch auf dem Wunschzettel. Im Mittelfeld allerdings, dort, wo Toni Kroos eine Lücke hinterlassen hat, ist derzeit keine Neuverpflichtung geplant. Auch an den Gerüchten um eine Verpflichtung von Kolumbiens Star Juan Cuadrado ist wohl nichts dran. Bayern wartet ab. Und das, obwohl den rund 50 Millionen Euro, die die Transfers von Kroos und Mario Mandzukic eingebracht haben, erst zehn Millionen Euro Ausgaben für Juan Bernat gegenüberstehen.

Der Plan: Sollte man nach der Rückkehr der Nationalspieler merken, dass Bedarf besteht, wird man handeln. Auch Arjen Robben (2009) und Javi Martinez (2012) wurden erst kurz vor Transferschluss Ende August verpflichtet. Sammer hat von seiner Terrasse aus den Überblick. Und sagt: „Vielleicht greifen wir dann auch zu komischen Maßnahmen.“

Von Hanna Schmalenbach

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