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"Keine Angst, der Stern des Südens bleibt…"

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Produzent Leslie Mandoki. © M.I.S.

München - Produzent Leslie Mandoki spricht im tz-Interview über den neuen musikalischen Auftritt des FC Bayern. Er verspricht: Einen Bayern-Spieler wird man dabei nicht singen hören.

Das Mischpult ist schon mal Bayern-like. „Eines der besten auf dem ganzen Kontinent“, erklärt Leslie Mandoki stolz. Der 58-Jährige lebt für die Musik: Als Mitglied der Band Dschinghis Khan stand er selbst in erster Reihe, Weltstars wie Lionel Richie oder Phil Collins bescherte er als Produzent Erfolge. Im Auftrag von Firmen entwickelt Mandoki in seinem Studio in Tutzing, Blick auf den Starnberger See inklusive, Formate, Songs. Für Audi und VW arbeitete er bereits als Musical Director. Nun soll der FC Bayern dank Mandoki eine neue Audi-CI, eine Corporate Identity, erhalten. Wie das funktionieren soll? Die tz sprach mit dem Musikproduzenten.

Herr Mandoki, müssen die Fans Angst haben, dass ihr geliebter Stern des Südens nicht mehr gespielt wird?

Mandoki: Mein Gott, nein! Keine Angst. Es ist nicht ansatzweise daran gedacht worden, den „Stern des Südens“ zu ersetzen. Es geht darum, zu hören, was die Fans empfinden, wenn sie im Stadion sind. Deswegen haben wir so viele hierher eingeladen und mit so vielen gesprochen. Wir wollen herausfinden, wie der FC Bayern heute klingt. Wir hören zu, wir reflektieren.

In diesen Songs ging es um Stars des FC Bayern

Aber es wird auch neue Songs geben?

Mandoki: Ja, zusätzliche Sachen. Wir wollen nichts zerstören, was funktioniert. Aber allein die Akustik in diesem neuen Stadion, in der Arena: Das sind wunderbare Klangeigenschaften, die Anlage ist die beste der Welt. Daran muss man die Musik anpassen. Aber der Stern des Südens und die anderen beliebten und etablierten Fanlieder bleiben natürlich.

Wofür dann die neuen Lieder?

Mandoki: Es geht darum: Was passiert eine Stunde vor dem Spiel? Welche Musik läuft, wenn die Fahnenschwenker auf dem Platz sind? Was wird beim Einlauf der Mannschaften gespielt, oder wenn ein Tor fällt?

Also kein „Tulpen aus Amsterdam“ mehr nach Treffer von Arjen Robben?

Mandoki: Da diskutieren wir noch. Aber das Problem bei neuen Torjingles ist: Wie kommen diese Lieder ins Gedächtnis der Anhänger? Man kann ja nicht bei jedem Spieler davon ausgehen, dass er 40 Mal trifft…

Wie weit sind Sie mit Ihrer Arbeit?

Mandoki: Wir haben einige Demos aufgenommen. Es geht um Heimatverbundenheit, aber auch Internationalität, Fan-Verbundenheit. Einen Moment… (Mandoki spielt eine Demo-CD ab, „Mia san mia, gemeinsam hol’n wir die Sterne hierher“ ist zu hören, eine Rockballade. Dann erklingt ein langsamerer Song: „Wir sind stark und mia san mia, weil wir fest zusammenstehen: FC Baaayern, so heißt unser Verein“ Oder: „FC Bayern, FC Bayern, Nummer eins der Welt – du bist das, was zählt“ – Tausende Fans meldeten sich nach einem Aufruf auf der Bayern-Homepage, die drei besten treten bei der Saisoneröffnung am 2. Juli an und werden die neuen Hits einsingen) Es geht darum, vor dem Spiel nicht nur die Charts rauf und runter zu spielen, sondern einen Bayern-Bezug zu haben. „Mia san mia“ eben, gerne auch mit bayerischen Texten.

Geht das neue Programm mit dem ersten Spieltag auf Sendung?

Mandoki: Das geht sukzessive, wir können auch während der Saison verändern, je nach Stimmung. Bis Weihnachten soll die CD dann fertig sein, das Programm stehen.

Bei den Bayern gab’s zuletzt Stimmungsdiskussionen. Sollen die Fans zum Mitsingen animiert werden?

Mandoki: Wir wollen niemand animieren. Wir haben ein Jahr lang den Anhängern zugehört. Jetzt haben wir Ideen entwickelt. Wir wollen nichts vorsetzen oder vorgeben. Ich wollte die Atmosphäre des FC Bayern, der Allianz Arena, in Lieder fassen. Zuhören und das Ganze aufschreiben. Aber natürlich hat das Ganze als Ziel, die Stimmung vor, während und nach dem Spiel zu verbessern.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Wie waren die Bosse in den Entwicklungsprozess einbezogen?

Mandoki: Natürlich haben große Führungspersönlichkeiten eine tiefe emotionale Identifikation mit ihrer Arbeit. Und so konnte ich dem Vorstand meine Vorschläge präsentieren. Meine Mitarbeiter haben an der Säbener Straße eine große Anlage aufgebaut. Ich habe meine Arbeiten vorgestellt und sie bewerten lassen. Wir sind da laufend in enger Abstimmung.

War es auch ein Thema, die Spieler singen zu lassen?

Mandoki: Nein, nein, das werden Sie nicht mehr erleben. Der FC Bayern hat eine großartige Mannschaft, herausragende Persönlichkeiten. Aber sie sind professionelle Fußballer, keine Sänger. Die Erfahrung zeigt: Dabei soll es bleiben.

Zum Schluss: Müssten Sie den Bayern-Vorstand mit einer Band vergleichen – welche wäre das?

Mandoki (überlegt): U2! Große Persönlichkeiten mit völliger Identifikation, mit völligem Feuer, eisernem Willen, leidenschaftlich, heimatverbunden, bekennend zum eigenen Werk – und gleichzeitig weltweit erfolgreich.

Interview: Tobias Altschäffl

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