Gespräch über Titel und UEFA-Regeln

tz-Interview: Welchen Bayern-Star Allofs gerne hätte

+
Klaus Allofs.

München - Dortmund? War gestern! Heute ist der VfL Wolfsburg Bayern-Verfolger Nummer eins. Vor dem Spitzenspiel erklärt VfL-Sportvorstand Klaus Allofs (58), warum das auch in Zukunft so bleiben soll. Das tz-Interview

Herr Allofs, das Drama um Junior Malanda hat ganz Deutschland bewegt. Ist die Mannschaft in der Lage, sich heute auf den FC Bayern zu konzentrieren?

Allofs: Wir müssen damit leben. Wir haben uns bereits im Trainingslager und bei Juniors Beerdigung damit auseinandergesetzt, und genauso werden wir es auch gegen die Bayern tun. Ich sehe es nicht unbedingt als leistungsmindernd an. Es wird noch mal ein schwerer Moment vor Anpfiff, im Verlauf des Spiels wird sich die Mannschaft auf die Aufgabe konzentrieren und fokussiert sein. Da bin ich mir sicher.

Ihre Mannschaft liegt elf Punkte hinter Bayern. Würde ein Wolfsburg-Sieg die Meisterschaft noch mal spannend machen?

Allofs: Das glaube ich weniger. Das soll keine Kapitulation vor den Bayern sein, aber wer sie in der Hinrunde erlebt hat, weiß, dass sie nicht unbedingt schwächer sein werden in der Rückrunde. Sie sind der wahrscheinliche Meister, da müssten schon außergewöhnliche Dinge passieren. Für uns ist es dennoch ein wichtiges Spiel. Unser Ziel ist die Champions League, deswegen wären drei Punkte gut. Gleiches gilt für die nächste Partie in Frankfurt.

Felix Magath meinte ja, der Titel für Wolfsburg wäre drin.

Allofs: Das ist gut gemeint, ich sehe die Kräfteverhältnisse allerdings anders.

Ist die Meisterschaft in den kommenden Jahren auch schon entschieden?

Allofs: Im Moment sieht alles nach den Bayern aus. Sie haben aus den beiden Jahren, in denen Dortmund Meister wurde, die richtigen Schlüsse gezogen. Aber die Frage wird sein, ob sie es immer wieder hinkriegen. Die Geschichte hat gezeigt, dass es über einen langen Zeitraum kaum möglich ist, immer alles richtig zu machen. Ausschlaggebend ist aber, dass wir oder andere Mannschaften zur Stelle sind, wenn Bayern mal Fehler macht. So wie 2009, so wie Dortmund oder Bremen und Stuttgart zuvor.

Ist es möglich, den Bayern auch ohne einen finanzstarken Partner wie VW in Wolfsburg Paroli zu bieten?

Allofs: Wenn man sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der Bayern ansieht, die sie sich in den vergangenen Jahrzehnten erarbeitet haben, ist es klar, dass eine Mannschaft mit nur einem Drittel ihres Budgets keine Konkurrenz sein kann.

Dank VW ist es Wolfsburg aber schon?

Allofs: Wir haben sicherlich nicht bessere Möglichkeiten als beispielsweise Borussia Dortmund. Unser Stadion fasst 30 000 Zuschauer, das Dortmunder 80 000. Dazu sind sie noch an die Börse gegangen und und und. Es gibt einige Möglichkeiten, wie ein Klub geführt und finanziert werden kann. Das Modell Volkswagen und VfL ist eine davon. Anders wäre es wohl nicht möglich, in einer 120 000-Einwohner-Stadt dauerhaft guten Bundesligafußball zu bieten und international zu spielen.

Stört es Sie, dass Ihr Modell von den Fans in Deutschland kritisch gesehen wird?

Allofs: In Wolfsburg ist das nicht der Fall, hier sehen das die Fans ganz anders. Diese Vielfalt macht doch auch den Reiz der Bundesliga aus. Und: Unser Modell schadet dem Wohle der Liga genauso wenig wie beispielsweise das von Bayer Leverkusen und Hoffenheim. Diese Meinungen haben ihren Ursprung oft im Verkennen der wahren Gegebenheiten. Man darf ja hier nicht vergessen, dass das Engagement der genannten Klubs viel umfassender ist. Die Bedeutung für den Standort, die Menschen, für die Jugend etc. ist riesig. Dass es bei unserer Konkurrenz aber nicht immer unbedingt auf Gegenliebe stößt, ist verständlich.

Stichwort Financial Fairplay. Der VfL wird im Moment von der UEFA untersucht. Gibt es Neuigkeiten, stimmen alle Rechnungen?

Allofs: Diese Investigation ist ein ganz normaler, routinemäßiger Vorgang, der sich daraus ergibt, dass wir seit langer Zeit wieder international spielen. Wir haben plausible Begründungen geliefert und sind überzeugt, dass das Model die Zustimmung der UEFA findet.

Ist Financial Fairplay denn fair oder dient es den großen Klubs auch als Schutz?

Allofs: Ich halte es für absolut richtig, dass man einen Blick auf die Klubs wirft, ob sie ihren Aufgaben wie zum Beispiel Transfer-, Steuer- oder Gehaltszahlungen nachkommen. Aber es kann nicht das Zíel sein, dass sinnvolle, zukunftsorientierte Investitionen, die mit Kontinuität verbunden sind, verhindert werden. Ich bin aber überzeugt, dass UEFA und FIFA auch beim Financial Fair Play das richtige Maß finden.

Zumal es ja dann noch schwerer wäre, die Bayern irgendwann einzuholen.

Allofs: Wenn man das Modell VFL Wolfsburg oder anderer Klubs infrage stellt, würde das sicher die Kräfteverhältnisse weiter zementieren.

Aber wird sich ein Spieler im Zweifel nicht immer für Bayern vor Wolfsburg entscheiden?

Allofs: Nicht zwangsläufig. Ich denke, dass es bei vielen Spielern in der Entwicklungsphase großen Sinn macht, zum VfL Wolfsburg und nicht zu Bayern München zu gehen. Wenn er sich entwickelt und die Bayern dann rufen, kann das eine völlig andere Situation sein. Und da hat Bayern natürlich die besten Argumente: Sie garantieren sportlichen Erfolg, einen Interessensanstieg für den Spieler in der öffentlichen Wahrnehmung, und ordentlich verdienen kann man dort ja auch. Aber das ist gar nicht der Punkt. In der Karriere eines Spielers kann es auch sinnvoller sein, zum VfL Wolfsburg zu gehen.

Wäre das für André Schürrle jetzt sinnvoll?

Allofs (lacht): Da müssen sie ihn fragen. Er ist natürlich ein interessanter Spieler, aber ich könnte ihnen auch ein paar Bayernspieler nennen, die ich gerne hätte.

Zum Beispiel?

Allofs: Auf Anhieb würde mir jetzt ein Thomas Müller einfallen.

Ivica Olic soll auf dem Sprung nach Hamburg gewesen sein…

Allofs: Er ist am Montag damit auf uns zugekommen, richtig.

Interview: J. Carlos Menzel Lopez

Marktwert: Gewinner und Verlierer beim FC Bayern

Marktwerte der FCB-Kicker: Ein Star verliert zehn Millionen Euro

Auch interessant

Meistgelesen

Neuer Versuch: Zidane will Alaba zu Real locken
Neuer Versuch: Zidane will Alaba zu Real locken
Goretzka: Angeblich gibt es eine Tendenz
Goretzka: Angeblich gibt es eine Tendenz
Nach Ancelotti-Trennung: Inter will Vidal im Winter holen
Nach Ancelotti-Trennung: Inter will Vidal im Winter holen
Nagelsmann folgt Hummels: Hoffenheim-Coach spendet ein Prozent seines Gehalts
Nagelsmann folgt Hummels: Hoffenheim-Coach spendet ein Prozent seines Gehalts

Kommentare