Ex-Bayer über seinen Ex-Trainer

Augenthaler: "Zu Udo Lattek konnte man immer gehen"

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1985: Klaus Augenthaler (l) und Trainer Udo Lattek präsentieren die Meisterschale.

München - Udo Lattek bleibt, nicht nur in der Fußballwelt, unvergessen. Die tz sprach mit ehemaligen Weggefährten des Erfolgstrainers, die er im FCB-Trikot zu zahlreichen Titeln führte.

Am 16. Januar feierte Udo Lattek noch seinen 80. Geburtstag. Heimlich, still und leise. Der mit acht Titeln erfolgreichste Bundesliga-Trainer aller Zeiten lebte zuletzt in einem Kölner Pflegeheim, in dem er am 1. Februar auch verstarb. Der Kult-Experte der TV-Sendung Doppelpass war in den vergangenen Jahren schwer gezeichnet, litt an Parkinson und Altersdemenz. Er selbst bleibt, nicht nur in der Fußballwelt, unvergessen. Die tz sprach mit ehemaligen Weggefährten des Erfolgstrainers, die er im FCB-Trikot zu zahlreichen Titeln führte. Oder, wie im Fall von Paul Breitner mit jenen, denen Lattek erst eine große Karriere ermöglichte.

Klaus Augenthaler schreibt für tz

Wenn jemand von uns geht, ist das nie schön. In erster Linie natürlich für die Angehörigen. Ich kannte Udo Latteks Frau sehr gut, auch seine Tochter. Ihnen wünsche ich jetzt, dass sie mit dieser Situation umgehen können. Mir persönlich bleiben die vielen Momente, die ich während unserer langen Zusammenarbeit beim FC Bayern erleben durfte. Aber ich habe nicht nur den Trainer, ich habe vor allem den Menschen Udo Lattek kennengelernt. Es hieß ja immer, der Udo sei so ein harter Hund. Aber vielmehr war er ein guter Mensch, der nicht nur mich, sondern jeden Spieler in der Mannschaft unterstützt hat, wo er nur konnte. Mir hat Udo ja quasi das Kapitänsamt beim FC Bayern auferzwungen. Als Kalle Rummenigge nach Italien ging, brauchte es natürlich einen Nachfolger. Udo hatte anscheinend schon das Vertrauen in mich und sagte mir: „Klaus, ich möchte, dass du den Kapitän machst.“ „Nein, mach’ ich nicht“, entgegnete ich. „Ich bin nicht der Typ dazu.“ Natürlich hatte ich die Spieler hinter mir, und auch Präsident Willi O. Hoffmann, aber Udo war derjenige, der meine Fähigkeiten gekannt hatte. Was den Job anging, war Udo schon hart. Er hat uns Spielern alles abverlangt, kannte keine Kompromisse. Anders geht es gar nicht. Auf der anderen Seite war er aber auch immer für jeden Spieler da, auch wenn dieser private Probleme hatte. Zu Udo konnte man immer gehen.

Familienmensch: Lattek mit Ehefrau Hildegard und den Töchtern Nadja und Sabine (v.r.).

Ich selbst bin nie zu ihm gegangen, dafür kam er zu mir. Wir haben mal ein Spiel verloren, bei dem mein Gegenspieler drei Tore gemacht hat. Als die Presse mich darauf durch den Kakao gezogen hat, war es Udo, der mich getröstet hat. Er hat uns zudem immer viel Freiheiten gegeben und an der langen Leine gelassen. Ich kann mich noch eine Situation erinnern: Wir hatten da unsere Kartenrunde. Um elf Uhr war Bettruhe, um zehn vor zehn Uhr haben wir uns aber noch eine Runde Bier bestellt. Und dann kam der Ober um kurz vor elf, auf dem Tablett sechs Bier, und Udo stand dahinter. Ohne auch nur einen Ton zu sagen. Und ist danach gegangen. Wir hatten natürlich ein schlechtes Gewissen, weil wir uns dachten, dass wir tags drauf in der Früh oder spätestens bei der Besprechung unser Fett wegbekämen, aber er hat keinen Ton gesagt. Dementsprechend sind wir dann auch marschiert. Es war ein wichtiges Spiel, gegen den HSV, glaube ich. Und am Ende haben wir auch gewonnen.

Auch wenn er kein Bayer war – Udo Lattek hat zu Bayern gepasst. Hart im Kern, aber innen drin eben doch ein herzensguter Mensch, der immer ein offenes Ohr für uns hatte. Natürlich habe ich zuletzt von seinen gesundheitlichen Problemen gehört. Das letzte Mal, dass ich Udo bewusst gesehen habe, war bei einem Bayern-Ausstand vor ungefähr drei Jahren. Er sah zwar alt aus, war aber insgesamt doch gut drauf. Jetzt ist er gegangen, ich werde ihn aber im Herzen behalten. Als Trainer, vor allem aber als Mensch.

Klaus Augenthaler

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