Mit Wolfsburg ist künftig zu rechnen

Kommentar: "Bayern gedemütigt"

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Bayern-Trainer Pep Guardiola konnte nur tatenlos zusehen.

Köln - Wolfsburg demütigt den FC Bayern: Ein Bundesliga-Kommentar von Ralph Durry.

DFL-Chef Christian Seifert war am Freitag höchstpersönlich Augenzeuge jener Demütigung, die fast sensationell die Ausnahmemannschaft von Bayern München zum Start in die Rückrunde der Fußball-Bundesliga in Wolfsburg über sich ergehen lassen musste. Mit 1:4 gingen Neuer, Robben, Schweinsteiger, Alonso und Co. beim Tabellenzweiten VfL Wolfsburg unter - und das Ergebnis ging auch in dieser Höhe in Ordnung.

Eigentlich hätte nur noch ein Hackentor a la Grafite wie 2009 gefehlt, als die Bayern an gleicher Stätte gar mit 1:5 auseinandergenommen wurden. Die Pleite anno 2015 in der VW-Stadt hat allerdings keine grundlegenden Auswirkungen auf das Titelrennen, acht Punkte Rückstand auf die Bayern scheinen in dieser Saison nicht mehr aufholbar.

Aber: Wolfsburg hat angedeutet, dass die Niedersachsen das Zeug haben, die Vizemeisterschaft zu erringen und nächstes Jahr in der Champions League vielleicht die Rolle von Borussia Dortmund zu übernehmen. Vielleicht! Die Bemühungen der Wolfsburger um Weltmeister Andre Schürrle zeigen, dass selbst 30 Millionen Euro Ablöse den VW-Konzern nicht abschrecken. Der Titelgewinn 2009 war leider nur eine Eintagsfliege, die Wölfe konnten die hochgesteckten Erwartungen in den darauffolgenden Jahren trotz immenser Investitionen in teure Spieler nicht erfüllen.

Seit Klaus Allofs allerdings als Manager das Sagen beim VfL hat, gibt es eine Philosophie bei den Transfers - und eine Vision. Wolfsburg will gerne zur zweiten Kraft im Bundesliga-Fußball aufsteigen. Die Vorgehensweise in Wolfsburg lässt sich sehen, wenngleich die Europäische Fußball-Union (UEFA) die Millionenspritzen von VW in die Wolfsburger Fußball-Abteilung mit Argusaugen beobachten wird. Das Financial Fair Play lässt grüßen...

Und wie reagiert die Deutsche Fußball Liga (DFL) auf die Ambitionen aus Wolfsburg? Der DFL spielen die Aktivitäten des VfL in die Karten. Seifert verkündete erst beim Neujahrsempfang vergangenen Dienstag in Frankfurt/Main, dass die Bundesliga im internationalen Verdrängungsprozess zu den zwei oder drei Topligen weltweit zählen muss, die alle anderen um Längen hinter sich lassen.

Das funktioniert aber auch nur, wenn die Meisterschaft in Deutschland auch in Zukunft spannend bleibt. Ein Meisterabonnement der Bayern ist der Spannung und der Attraktivität abträglich. Natürlich braucht die Liga einen starken Rekordmeister, der auch in den nächsten Jahren das Aushängeschild in der Champions League ist. Aber die Bundesliga benötigt erst recht auch eine zweite und dritten Kraft, die international mitmischen können.

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Der BVB fällt nächste Saison voraussichtlich schon mal aus. Wolfsburg könnte in die Bresche springen. Damit hätte die DFL eine Sorge weniger, denn die Auslandsvermarktung spielt auch in Zukunft ein große Rolle. Hier sind größere Margen möglich.

Seifert hat Dienstag sehr forsch und plakativ die Wachstums-Philosophie der DFL formuliert. Er hat erkannt, dass es nicht hilft, sich im jetzigen Erfolg zu sonnen. Jetzt werden die Weichen für die Zukunft gestellt - und das Ende der wirtschaftlichen Expansion des Profi-Fußballs ist noch längst nicht erreicht.

SID

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