Wegweisende Entscheidungen in Frankfurt

Kommentar: Bayern läuft nicht Gefahr, den Anschluss zu verlieren

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Bernd Brudermanns.

Frankfurt/Main - In Frankfurt bei der DFL-Mitgliederversammlung werden wegweisende Entscheidungen diskutiert. Ein Kommentar von tz-Redakteur Bernd Brudermanns.

Wenn sich die Vertreter der 36 Profiklubs am Mittwoch im Frankfurter Marriott-Hotel treffen, werden keine Titel vergeben oder Pokale verteilt – trotzdem steht einer der wichtigsten Termine in der Geschichte der Ersten und Zweiten Bundesliga an. Denn es geht darum, ob die Solidargemeinschaft im deutschen Profifußball bestehen bleibt oder ganz bzw. in Teilen aufgekündigt wird. Die Bayern wollen mehr Geld aus dem TV-Vermarktungstopf, verweisen auf ihre internationale Strahlkraft und die gigantischen Summen, die in England (Sky, BT Sport) generiert werden. Was sie verschweigen, ist, dass die Premier League in Asien vermarktungstechnisch ein ganz anderes Standing hat. Oder auch in den USA: Die Einschaltquoten bei Spielen aus England sind dort zehnmal so hoch wie bei Spielen aus good old Germany.

Und wo soll der Anbieter herkommen, der den Preis für Sky in die Höhe treibt? Aus dem deutschen Fernsehmarkt? Ausgeschlossen! Aus dem Bereich Telekom, Google? Nicht ganz auszuschließen. Und was würde ein solcher Anbieter von den Klubs verlangen dürfen, um sein Produkt verkaufen zu können? Erstliga-Spiele am Samstagmittag oder Montagabend, so wie in England? Vermutlich. Ein Ende der Sportschau um 18.30 Uhr? Wahrscheinlich.

Beim Vorschlag der St. Paulianer, die Werksklubs (Wolfsburg, Leverkusen, Hoffenheim, demnächst Hannover und Leipzig) schlechterzustellen, muss man aber an die Redewendung denken: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Denn die Vorstellung, eine größere Chancengleichheit bei der Verteilung der TV-Gelder herstellen zu können, ist eine Illusion.

Und es ist ja mitnichten so, dass der deutsche Rekordmeister im internationalen Vergleich Gefahr läuft, den Anschluss zu verlieren. Viermal in Folge stand der FC Bayern im Halbfinale der Champions League – und dass, ohne Fantastillarden für Spieler wie Messi, Ronaldo oder de Bruyne ausgeben zu müssen. Bayern beherrscht schon jetzt den nationalen Markt. Wenn sie einen Spieler von einem anderen Bundesligisten haben wollen, bekommen sie ihn auch (Götze, Lewandowski). Übrigens: Die ersten fünf in England trennen vier Punkte, zwischen Bayern und der fünftplatzierten Hertha liegen 17 Zähler – spannend ist irgendwie anders…

Bernd Brudermanns

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