Kommentar

Promi-Bonus für Hoeneß? Bei anderen gäbe es keinen Aufschrei

München - Promi-Bonus im Fall Hoeneß? Es mag – um den Fall Uli Hoeneß zu beleuchten – besonders komisch sein, einen Thomas Müller als Beispiel heranzuziehen. Ein Kommentar von Hanna Schmalenbach.

Es mag – um den Fall Uli Hoeneß zu beleuchten – besondern komisch sein, einen Thomas Müller als Beispiel heranzuziehen. Aber betrachtet man Thomas Müller mal nicht als herausragenden Fußballer, sondern als deutschen Durchschnittsmann, taugt der Vergleich doch. Man stelle sich also vor, irgendeiner der 50.000 Thomas Müllers in Deutschland hätte mindestens 28,5 Millionen Euro Steuern hinterzogen, wäre zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt und nach Verbüßung der Hälfte seiner Strafe auf freien Fuß gesetzt worden. Würde es dann einen öffentlichen Aufschrei geben? Die Antwort ist: Nein!

Uli Hoeneß, ehemaliger (und womöglich zukünftiger) Präsident des FC Bayern, hat keinerlei Promi-Bonus genossen, als er das Gefängnis am Montag nach 21 statt 42 Monaten verlassen durfte. Halbstrafe ist Ermessenssache, es gibt sie nicht häufig, aber sie ist rechtens, wenn besondere Umstände vorliegen. Hoeneß war Ersttäter, hat all seine Schulden beglichen und sich während seiner Haftzeit nichts zuschulden kommen lassen. Seine Sozialprognose ist glänzend, die Rückfallwahrscheinlichkeit gering. Mal ehrlich: Auch ein Thomas Müller wäre nun frei. Er müsste nur nicht so viel Häme einstecken wie Hoeneß.

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