Überraschende Trotz-Reaktion auf WM-Aus

Kommentar: Wagner-Rücktritt aus DFB-Team bestätigt Löws Entscheidung gegen ihn

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Band zerschnitten: Sandro Wagner (r.) wird nicht mehr für von Joachim Löw betreute DFB-Team spielen.

Der Rücktritt von Sandro Wagner aus der Nationalmannschaft nach seiner Nichtnominierung für die Fußball-WM 2018 sorgt für Wirbel. Er bestätigt allerdings die Entscheidung von Bundestrainer Löw - ein Kommentar.

München - 345 Tage lang währte sie, die Karriere von Sandro Wagner in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Acht Einsätze, fünf Tore - so lautet die Bilanz des Stürmers vom FC Bayern, die sich nun nicht mehr verändern wird. Nach seiner Nichtberücksichtigung für den WM-Kader verkündete der 30-Jährige nur einen Tag später seinen Rücktritt aus der DFB-Elf - inklusive Nachtreten gegen den Bundestrainer. Diese Reaktion bestätigt allerdings die Entscheidung von Joachim Löw, den Angreifer zu Hause zu lassen.

Wagner polarisierte und machte durch seine extrovertierte Art auf sich aufmerksam. Er gilt als einer der letzten echten Typen im Fußball, der mittlerweile glatt gebügelt erscheint. „Für mich ist klar, dass ich mit meiner Art, immer offen, ehrlich und direkt Dinge anzusprechen, anscheinend nicht mit dem Trainerteam zusammenpasse“, begründet Wagner, der am Tag danach im FCB-Training bittere Tränen weinte, seinen Rücktritt. 

Der Stürmer des FC Bayern macht es sich damit aber ein wenig leicht. Dass sein WM-Traum geplatzt ist, ist ohne Frage bitter. Doch seine Nichtberücksichtigung nur auf seine Art zu schieben, wäre falsch. Sportliche Gründe lassen sich hier zweifelsfrei zusätzlich nennen, denn Sandro Wagner, der sich öffentlich gerne als „bester deutscher Stürmer“ betitelte, war nicht der erfolgreichste deutsche Torschütze der abgelaufenen Spielzeit (zwölf Treffer). Das war der statt Wagner nominierte Nils Petersen vom SC Freiburg (15). Bei der Fußball-WM dabei sein werden statt Wagner also der gesetzte Timo Werner (13 Tore) sowie die beiden Joker Mario Gomez (neun Tore) und eben Petersen (WM-Kader von Deutschland 2018: Wer fährt mit? Wer muss zu Hause bleiben?). Im Gegensatz zu Wagner aber tönten sie nicht mit ihren Leistungen. Dass Bundestrainer Löw auch mit dem Blick auf das Teamgefüge auf diese Akteure setzte, ist nachvollziehbar.

Sandro Wagner beim Bayern-Training am Tag nach seinem WM-Aus.

Dass Sandro Wagner aus Trotz seine Karriere in der Nationalmannschaft für beendet erklärt, wirkt nicht wie die Entscheidung eines souveränen, erfahrenen Spielers. Vielmehr wirkt sie wie die eines persönlich Beledigten. Um es einmal in eigene Worte zufassen: „Ich habe nicht bekommen, was ich verdiene, also verdienen die mich überhaupt nicht.“ Beim FC Bayern zu spielen und gute Leistungen abzuliefern, sind nicht alleine ein Grund, in der Nationalmannschaft gesetzt zu sein wie ein Thomas Müller oder ein Mats Hummels, die seit vielen Jahren national und international Top-Leistungen abrufen.

Traum verwirklicht - für 345 Tage: Sandro Wagner wird das DFB-Trikot nie mehr anziehen.

Und dafür, dass es sein großer Traum war, das DFB-Trikot zu tragen und ihm dieser erst spät (wenngleich auch verdient) erfüllt wurde, gibt er diesen nun bemerkenswert schnell und leichtfertig vorzeitig auf. Größe hätte er gezeigt, wenn er die Entscheidung akzeptiert und versucht hätte, sich erneut zu empfehlen und bei der EM 2020 noch einmal ein großes Turnier zu spielen.

Diese Chance hat er sich nun selbst verbaut - weil ihm offenbar der Mumm dafür fehlt, über seinen eigenen Schatten zu springen.

Florian Weiß

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