Merkur-Sportredakteur

Kommentar: Die Bayern waren nie Pep Guardiolas Bayern

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Szene aus dem Spiel in Hannover: Thomas Müller bekommt den Ball von Trainer Pep Guardiola nicht.

München - "Die Bayern waren nie Pep Guardiolas Bayern", meint FCB-Experte Andreas Werner vom "Münchner Merkur" zum Weggang des spanischen Trainers vom FC Bayern München.

Zum Abschluss des letzten Spieltags der Hinrunde darf man mal gehässig sein. Und behaupten, der aktivste Bayer beim 1:0 in Hannover hieß: Pep Guardiola. Der Coach turnte herum, als dirigiere er sein Team im Finale der Champions League. Der Mann weiß, wie sehr die Branche von Bildern lebt, er wollte symbolisieren, dass er weiter für den FC Bayern brennt. Selbst wenn es im tristen Hannover nur darum geht, sich mit dem letzten Aufgebot anständig in die Winterpause zu retten. Und selbst wenn er mit dem Klub abgeschlossen hat. Bezeichnend auch dieses Motiv aus den 90 Minuten in Niedersachsen: Als er einmal Thomas Müller an die Seitenlinie zum Gespräch rief, hielt er seine Hand vor den Mund. Angst vor Lippenlesern. In diesem Moment war das paranoid – generell hing die Branche Guardiola am Samstag aber freilich selten wie nie an den Lippen.

Doch erst tags darauf wurde die Flüsterpost der letzten Wochen zum Ausruf: Es war das letzte Mal, dass Pep Guardiola die Bayern in eine Winterpause dirigiert hat. Im Sommer übernimmt Carlo Ancelotti.

Eine logische, wohl auch eine gute Wahl. Der Italiener weiß, wie man die Champions League gewinnt, er hat das zwei Mal mit Milan und ein Mal mit Real Madrid geschafft. Er kann mit Stars, und wie man hört, ist sein Führungsstil ein charmanter Mix aus Professionalität und Jovialität. Der 56-Jährige griff als Kind eines Kleinbauern in der italienischen Poebene auch selbst zur Mistgabel, bis heute überlässt er die Allüren anderen. Doch Genuss ist ihm nicht fremd, seitdem er die große weite Welt eroberte. Mit diesen Attributen passt er auf den ersten Blick sogar weitaus besser in die Münchner Führungsetage als der asketische Guardiola, der sich allein am Fußball berauschen kann – und selbst das immer nur für einen kurzen Zeitraum, ehe er wieder weiterdenkt.

Eine Aussage reist dem Italiener schon sechs Monate vor seinem Dienstantritt voraus. „Bayern gewinnt die Bundesliga mit den Händen in den Hosentaschen“, hatte er etwas verächtlich gesagt. Das reize ihn nicht. Nun reizt es ihn doch. Man darf gespannt sein auf Guardiolas Nachfolger, wenn er an der Seitenlinie steht, mit den Händen in den Taschen. Symbolträchtige Bilder können sowieso täuschen.

Denn die Bayern waren nie Pep Guardiolas Bayern.

Andreas Werner ist Sportredakteur beim Münchner Merkur

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