Von Boateng bis Lewandowski

Kovac-Streichliste: Diese Spieler könnten den FC Bayern im Sommer verlassen

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Einige dieser Stars könnten im nächsten Jahr in anderen Farben auflaufen.  

Der FC Bayern München ist bereits in den Planungen für die neue Saison. Wir haben uns angeschaut, wer den Rekordmeister in diesem Sommer verlassen könnte.

München - Ruhe breitet sich aus über dem Land. Die kurze Zeit zwischen Ende Mai und Mitte Juni hat für Fußballverhältnisse etwas beinahe schon andächtiges, stilles. Die nationalen Meisterschaften sind entschieden, die internationalen Pokale vergeben. Bis zur Fußball-WM, dem vierjährlichen Höhepunkt im fußballerischen Kalender dauert es noch über eine Woche. Während des Turniers, genauer gesagt am 1. Juli, öffnet dann auch das europäische Transferfenster. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird dann aber der alljährliche Transferwahnsinn seinen Lauf nehmen. Insofern herrscht im „Fußball-Zirkus“ in diesen Tagen die berühmte Ruhe vor dem Sturm. 

Doch auch diese Beschreibung stimmt nur auf den ersten Blick. Denn während sich die Nationalspieler in Trainingslagern für die WM vorbereiten, beginnt auf Klubebene hinter den Kulissen bereits die Vorbereitung für die neue Saison. So auch beim FC Bayern, der eine erfolgreiche Basis für die neue Trainer-Ära mit Niko Kovac legen möchte. 

Video: Diese Spieler könnten den FC Bayern im Sommer verlassen

Bayern-Führung ist sich uneins

Zwar betonen die bayerischen Verantwortlichen, dass Kovac ein besonders pragmatischer Trainer sei, der es hervorragend verstehe, mit dem ihm zur Verfügung stehenden Kader zu arbeiten und seine Idee von Fußball an die vorhanden Spieler anpasse, dennoch ist es unwahrscheinlich, dass die ersten Treffen ganz ohne die Nennung einiger Spielernamen auskommen werden. Bemerkenswert dabei: Bleibt ein Topklub nach einer „brutal enttäuschenden Saison“ (Kimmich) hinter den selbst gesteckten Erwartungen zurück, kursieren in der Regel vor allem Gerüchte zu hochveranlagten wie hochpreisigen Verstärkungen. Diesen Mechanismen der Branche folgend, wollte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge zuletzt einen entsprechenden 100 Millionen-Transfer auch nicht kategorisch ausschließen. „Wir beobachten alles, ich schließe nichts aus, auch keinen großen Transfer“, sagte er gegenüber dem Münchener Merkur. 

Widerspruch gab es allerdings ausgerechnet von der zweiten Hälfte des bayerischen Führungs-Tandems. „Wir werden - Stand heute - gar keinen mehr holen, sondern sicherlich noch den einen oder anderen abgeben. Unserer Meinung nach ist der Kader zu groß“, sagte Präsident Uli Hoeneß am Rande der Meisterfeier. Leon Goretzka (23) und der von seiner Leihe zurückkehrende Serge Gnabry (21) müssten also als Neuzugänge reichen.

Doch welche Spieler könnten den Rekordmeister verlassen? Miot Niklas Dorsch (1. FC Heidenheim) und Tom Starke (Karriereende) stehen erst zwei Abgänge fest. Wer könnte ihnen folgen? Wir haben uns mit möglichen Kandidaten beschäftigt, deren Zeit beim FC Bayern ablaufen könnte.

Diese Spieler vom Rekordmeister fahren nach Russland:

Jerome Boateng: Vertrag bis 2021, Marktwert 45 Millionen Euro

Jerome Boateng.

Die Saison des Nationalspielers kann als symptomatisch für die Spielzeit des FC Bayern München gelten. Im Großen und Ganzen sehr solide, in den entscheidenden Momenten dann allerdings unglücklich. So verletzte sich Boateng im Champions-League-Halbfinal-Hinspiel gegen Real Madrid (1:2) bereits in der ersten Halbzeit ohne Gegnereinwirkung, verpasste aufgrund dessen das Rückspiel (2:2) und das DFB-Pokalfinale (1:3). Das Ende vom Lied ist bekannt, ohne Boateng wirkte der FC Bayern defensiv selten sattelfest. Besonders gegen Frankfurt wurde die mangelhafte Konterabsicherung und fehlende Geschwindigkeit der Innenverteidigung deutlich. Vor diesem Hintergrund würde der FC Bayern Boateng deutlich lieber an der Isar behalten als abgeben. 

Allerdings hat der Spieler bei solchen Entscheidungen natürlich einige gewichtige Worte mitzureden - und die klangen zuletzt durchaus nachdenklich. "Das Ausland ist immer interessant. Man hat nicht viele Chancen. Da muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er nochmal die Erfahrung sammeln möchte", sagte Boateng am Rande des DFB-Pokalfinales gegen Eintracht Frankfurt bei Sky. Er ergänzte, es sei "natürlich sehr schwer von Bayern wegzugehen. Das wäre auch keine Entscheidung gegen Bayern, ich fühle mich seit Jahren sehr wohl in München." Insbesondere das finanziell potente Manchester City mit Pep Guardiola (also sein Ex-Verein und Ex-Trainer) erscheint als potentielle Destination durchaus plausibel: Immerhin schwärmt Boateng noch immer in höchsten Tönen von seinem ehemaligen Coach.

Fazit: Ob aus obigen Äußerungen lediglich der Frust über die Saison aus Boateng sprach oder der 29-Jährige tatsächlich Wechselabsichten hegt, wird der Sommer zeigen. Angesichts des bis 2021 laufenden Vertrags dürfte für die Bayern im schlimmsten Fall zumindest eine ordentliche Ablösesumme herausspringen. Für die dann notwendig werdenden Transfers im Defensivbereich hat der FC Bayern wohl bereits einen Wunsch-Kandidaten. Transferwahrscheinlichkeit: 30%

Juan Bernat: Vertrag bis 2019, Marktwert zwölf Millionen Euro

Juan Bernat.

Der quirlige Spanier, der unter Guardiola noch regelmäßig mit starken Leistungen geglänzt und sich so in die erste Elf gespielt hatte, konnte seit dem Abgang seines Landsmann nicht mehr an die Konstanz vergangener Tage anknüpfen. Auch verletzungsbedingt absolvierte er in der diesjährigen Bundesliga-Saison nur elf Spiele, steuerte dabei zwei Vorlagen dabei. Doch gerade defensiv wirkte der 25-Jährige selten sattelfest. Inbesondere das Hinspiel gegen Sevilla, in dem die Andalusier regelmäßig über seine Seite durchbrachen, dürfte vielen Bayern-Fans noch unangenehm in Erinnerung geblieben sein.  

Damals erlöste Heynckes den völlig überforderten Spanier bereits zur Halbzeit. Zwar war Bernat nach längerer Pause zu diesem Zeitpunkt wohl nicht im Vollbesitz seiner Kräfte, dennoch dürften die Bayern-Bosse mit der Saison ihres Alaba-Backups nur bedingt zufrieden sein. Hinzu kommt, dass Bernats Vertrag 2019 endet, er würde den Bayern also nur noch in den anstehenden zwei Transferperioden eine Ablösesumme bringen.

Auch Bernat würde die Bayern wohl gerne verlassen, um mehr Spielzeit zu erhalten. Schließlich hat der Spanier schon bewiesen, dass er das Potential hat, um bei einigen Spitzenklubs eine wichtige Rolle zu spielen.

Fazit: Dieser Abgang ist durchaus wahrscheinlich. Die Kombination aus dem Abwanderungswillen des Spielers, seiner jüngsten Leistungen und der Vertragssituation lässt einen Abgang für alle Seiten sinnvoll erscheinen. Bernat ist mit 25 Jahren im besten Fußball-Alter und möchte spielen, bei einer entsprechenden Ablöse werden die Bayern dem Spanier keine Steine in den Weg legen. Transferwahrscheinlichkeit: 80%

Thiago: Vertrag bis 2021, Marktwert 60 Millionen Euro

Thiago Alcantara.

(Fußball-)Geschichte wiederholt sich bekanntermaßen zumindest manchmal und so könnte es im Jahr 2018 von Seiten Guardiolas wieder einmal „Thiago oder nichts“ heißen. Anders als vor fünf Jahren wären die Bayern dieses Mal allerdings nicht die Begünstigten der Shopping-Wünsche des Katalanen. Stattdessen reißen die Gerüchte nicht ab, dass Guardiola seinen ehemaligen Schützling nach Manchester locken wolle. Dass Thiago als der optimale Spieler für Peps Ballbesitz-Fußball gilt, ist nicht erst seit gestern bekannt. 

Das zentrale Mittelfeld der Citizens ist zwar stark besetzt, doch mit Spielern wie Fernandinho oder David Silva auch nicht mehr das jüngste. Zudem wurde Yaya Toures Vertrag nicht vorlängert, Bedarf wäre also durchaus vorhanden. Zwar würde der FC Bayern vermutlich Mondpreise für Thiago aufrufen, doch bekanntermaßen kommt ManCity finanziell ohnehin von einem anderen Planeten und ist bereit für Wunschspieler astronomische Summen zu bezahlen. Thiagos Ex-Klub Barcelona soll einer Verpflichtung des technisch versierten Mittelfeldspielers nicht abgeneigt sein. Hier wäre nach dem Abgang von Andres Iniesta im Mittelfeld ebenfalls ein Platz frei. 

Fazit: Thiago selbst vermied kürzlich ein klares Statement. Auf die Frage, ob er auch nächste Saison noch in München spielen werde, antwortete er gegenüber der spanischen ZeitungMundo Deportivo: „Wir werden sehen. Ich habe letztes Jahr mit Bayern verlängert (bis 2021, Anmerk. d. Red.), aber es ist sehr kompliziert. Fußball ist sehr schwierig...“ Zuletzt gab es Gerüchte, dass der Spanier in den Planungen von Niko Kovac nur eine untergeordnete Rolle spiele und den Verein ab einem Angebot von 80 Millionen Euro verkaufsbereit sei ...  Ein Abgang des spielerisch besten Bayers liegt zwar im Bereich des Möglichen, allerdings wäre sein Abgang nicht nur aus sportlicher Perspektive töricht, sondern auch ein fatales Zeichen für zukünftige Ambitionen des Vereins. Bayern wird sich hüten, Thiago abzugeben. Transferwahrscheinlichkeit: 40%

Arturo Vidal: Vertrag bis 2019, Marktwert 35 Millionen Euro

Arturo Vidal.

Der nächste potentielle Abschiedskandidat aus dem zentralen Mittelfeld. Vidal ginge in der nächsten Saison in sein letztes Vertragsjahr bei den Bayern - auch hier wäre der Sommer also die letzte Möglichkeit noch einmal eine ordentliche Ablösesumme zu bekommen. Zwar spielte Arturo Vidal eine gute Saison, allerdings machte ihm seine Verletzungsanfälligkeit immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Insbesondere sein lädiertes Knie macht mit zunehmendem Alter Probleme. Ein Transfer wird hier von der Höhe der Angebote für Vidal und seinen persönlichen Präferenzen abhängen. Eine besonders enge emotionale Bindung zu den Bayern scheint der „Krieger“ jedenfalls nicht zu haben, kürzlich wies er seinen Berater an alle Angebote nüchtern zu prüfen. Mit Juventus Turin, dem SSC Neapel, Manchester United sowie dem FC Chelsea zählt die finanzielle und sportliche Elite des Kontinents zu den Interessenten: Gut möglich, dass Vidal da schwach wird. 

Fazit: Ein Wechsel von Arturo Vidal wäre für die Bayern zwar ein kurzfristiger sportlicher Verlust, mittelfristig aber sicher verkraftbar und möglicherweise sogar sinnvoll. Schließlich steht mit Goretzka ein passender Ersatz bereit, der nach Einsatzzeit dürstet und diese für seine Entwicklung braucht. Sollten die schwerreichen Klubs aus England tatsächlich knapp 50 Millionen Euro für einen verletzungsanfälligen 31-Jährigen bieten und dieser zu einem Abgang bereits sein, wäre es fahrlässig auf dessen Vertrag zu beharren. Hier könnte auch noch spät im Transferfenster plötzlich Bewegung in den Fall kommen, letztlich hängt alles von der Höhe des Angebots ab. Transferwahrscheinlichkeit: 70%

Robert Lewandowski: Vertrag bis 2021, Marktwert: 90 Millionen Euro

Robert Lewandowski.

Sollte es so kommen, wäre es der Hammer-Transfer des Sommers: Robert Lewandowski würde den FC Bayern nach Aussagen seines Beraters gerne verlassen. Es ist anzunehmen, dass sich die Ablösesumme dann im dreistelligen Millionenbereich bewegen dürfte. Die genaue Schmerzensgrenze, ab der es sich die Bayern schlicht nicht mehr leisten könnten, ihren Superstar nicht zu verkaufen, hängt auch von der Verfügbarkeit der Alternativen ab. 

So müssen die Bayern hoffen, dass das Stürmer-Transfer-Karussell im Sommer noch ins Drehen kommt und ein Topstürmer verfügbar wird. Mit Mauro Icardi, Antoine Griezmann, Edinson Cavani oder Timo Werner gibt es schließlich genügend Spieler, die die Qualität haben den Bayern zu helfen. Sandro Wagner würde sich den Job als Stammstürmer zwar sicher ohne weiteres zutrauen, dürfte mit dieser Meinung allerdings alleine auf weiter Flur stehen. Die Alternative, Lewandowski womöglich gegen seinen Willen zu halten, ist riskant. Zu groß ist die Gefahr eines Wertverlustes, zu undankbar die Aufgabe für Kovac sich gleich zu Beginn seiner Arbeit mit einem beleidigten Superstar abgeben zu müssen. 

Fazit: Auch hier ist ein Prognose schwer. Lewandowski distanzierte sich jüngst vorsichtig von den Aussagen seines Beraters, dennoch würde er den Verein wohl lieber verlassen. Real Madrid, sein absolutes Traumziel, hatte sich zwar von einem Transfer distanziert, mit dem Abgang Zidanes und einem wohl wechselwilligen Ronaldo werden die Karten aber neu gemischt. Sollte Real Madrid ernst machen, werden die Bayern Lewandwoski verlieren. Sollte es nur beim Interesse von Manchester United, Paris St. Germain und Juventus Turin bleiben, ist ein Verbleib hingegen möglich. Transferwahrscheinlichkeit: 50%

Alle Marktwerte laut transfermarkt.de.

mm/tz

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