Ärger wegen Saudi-Arabien-Reise

Kritische Bayern-Fans planen Wortmeldungen

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Pep Guardiola (r.) auf der Pressekonferenz nach dem Spiel der Bayern in Riad (Saudi-Arabien).

München - Katar, Saudi-Arabien und kein Ende. Erstmals äußert sich Karl-Heinz Rummenigge, doch sein Klub steht weiter in der Kritik – auch bei den eigenen Mitgliedern.

 Theo Zwanziger, der ehemalige DFB-Präsident, mit seinen Memoiren ins Wahrnehmungs-Abseits geraten, hat sich die Chance nicht entgehen lassen. Eine Bitte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung um Stellungnahme zu Trainingslager- und Freundschaftsspielaktivität des FC Bayern im arabischen (Unrechts-)Raum – da konnte Zwanziger, bekennender Uli-Hoeneß-Gegner und Katar-2022-Skeptiker, auftrumpfen. Der Altendiezer monierte also, „dass bei den Bayern Kommerz Ethik schlägt und sich im Zweifel auf die Seite des Geldbeutels gestellt wird.“ Und sein Nachklapp: „Das ist schade, aber überrascht mich nicht.“

Von mehreren Seiten sind die Bayern in die Kritik geraten, selbst Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und dem Verein freundschaftlich verbunden, ließ einen Rüffel los: Der FC Bayern „hätte vorab auf die grausamen Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien hinweisen können“, sagte sie der SZ.

Drei Tage nach Rückkehr von der Winterreise hat der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern,Karl-Heinz Rummenigge sich dann ein Statement abgerungen. „Der FC Bayern München als Verein verurteilt jede Form von grausamer Bestrafung, die nicht im Einklang mit den Menschenrechten steht, wie im aktuellen Fall mit dem islamkritischen Blogger Raif Badawi.“ Dieser war zu tausend Peitschenhieben verurteilt worden. Rummenigge in der schriftlichen Stellungnahme weiter: „Es wäre besser gewesen, das im Rahmen unseres Spieles in Saudi-Arabien deutlich anzusprechen. Gerade unser Klub hat sich immer gegen jegliche Diskriminierung, gegen Gewalt und Rassismus bekannt. Und wir machten und machen uns stets für Toleranz stark.“ Allerdings wollte Rummenigge auch darauf hingewiesen haben: „Die Politik hat grundsätzlich in diesen Fragen die Richtlinienkompetenz. Wir sind ein Fußballverein und keine politischen Entscheidungsträger.“

Blogger regen sich auf

Richtig losgegangen war die Diskussion erst nach der Rückreise – zuvor vermieden die Bayern eine Stellungnahme. Dabei ist in Fan- und auch Mitgliederkreisen die Katar-Entscheidung schon seit Monaten ein Thema, das kritisch kommentiert wird. Leute aus der aktiven Fanszene hatten den Vorstand bereits im Herbst angeschrieben und um Begründungen gebeten, warum man Doha ausgewählt habe. Und sie haben sich vorgenommen, auf der nächsten Jahreshauptversammlung (voraussichtlich aber erst im November 2015) mit Wortmeldungen darauf einzugehen.

In der Fanszene gibt es auch einige Blogger, Fans und Mitglieder seit Jahrzehnten. Einen offenen Brief findet man etwa im „Agitpopblog“. Darin heißt es: „Ich habe an meinen Verein höhere Ansprüche als den, in erster Linie Geld zu verdienen und Titel zu gewinnen. . . Der Verlust von Sponsorengeldern oder eventuell sogar eine schlechtere Saisonvorbereitung sind für mich in keiner Weise gegen die Vorgänge aufzurechnen, die der FC Bayern mit seiner Anwesenheit adelt.“ Der Blog „Breitnigge.de – Ärmel hoch. Stutzen runter“ mahnt: „In ,Unterhaltung’ ist das Wort Haltung enthalten.“ Und „Ein Schuss. Ein Tor. Der Blog“ hofft, „dass der Druck der Öffentlichkeit groß genug wird, dass sich diese Entscheider das nächste Mal noch genauer überlegen, wer der FC Bayern München eigentlich ist und was er repräsentieren soll.“

Günter Klein

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