Er ist BVB-Fan

Kult-Autor Micky Beisenherz: „Wenn Hoeneß so redet, hat er Schiss“

Micky Beisenherz (40) ist Kolumnist (Stern), Gag-Schreiber (Dschungelcamp) und Autor (Heute Show).
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Micky Beisenherz (40) ist Kolumnist (Stern), Gag-Schreiber (Dschungelcamp) und Autor (Heute Show).

Micky Beisenherz (40) ist Kolumnist (Stern), Gag-Schreiber (Dschungelcamp), Autor (Heute Show) – und sehr lustig. Obwohl er BVB-Fan ist. Das Interview.

Herr Beisenherz, Ihre Dortmunder treffen vier Tage vor Heiligabend auf Bayern – das Ende der Besinnlichkeit? 

Micky Beisenherz: Dieses Jahr haben wir ja diverse Wunder der Weihnacht bereits weit vor dem vierten Advent erlebt. Hätte jemand darauf gewettet, dass bei diesem Spiel Heynckes und Stöger an der Seitenlinie stehen, hätte er wohl mehr verdient, als wenn er in Bitcoins investiert hätte. 

Dank Stöger ist der BVB-Ruhepuls aber wieder im gesunden Bereich angelangt. 

Beisenherz: Absolut. Allein seine Schönheit hat etwas enorm Beruhigendes. 

Sein Outfit erinnert ein wenig an Kloppo, finden Sie nicht? 

Beisenherz: Ich kann ja verstehen, dass das Kölner Herz blutet, wenn Sie ihren Peter da stehen sehen, der so aussieht, als hätte er gerade den Merchandising-Stand vom BVB überfallen. Eine Woche davor habe ich bei Twitter gescherzt, dass Aki Watzke das B für Bosz von der Trainerjacke knibbelt und einfach ein S draufbügelt. Doch wie es in der Bundesliga gerade so ist, hat auch hier die Realität die Comedy auf dem Standstreifen überholt. Wer also von mir die Lottozahlen haben will, darf mir gerne schreiben. 

Klappt doch aber bisher ganz gut mit Stöger. 

Beisenherz: Es war schon mal eine gute Idee, nicht die gesamte Mannschaft in des Gegners Hälfte zu stellen. Unter Bosz ging nicht mehr viel. Er ist ein feiner Kerl und nett, das ist meine Oma aber auch und deswegen würde ich sie jetzt nicht unbedingt den BVB trainieren lassen. 

Bei einem anderen Opa klappt das aktuell aber ganz gut.

Beisenherz: In der Tat, als ob Mehmet Scholl das Drehbuch für diese Bundesligasaison geschrieben hätte. So modern der Fußball sein mag, letzten Endes sind es immer noch Menschen auf dem Platz. Und am Ende liegt offensichtlich der vorne, der einen Kader von 30 Individuen gut managt. Jetzt klinge ich tatsächlich ein bisschen wie Mehmet Scholl, aber da hat er nicht ganz unrecht. 

Vielleicht sollte sich der BVB ein Beispiel daran nehmen und Kloppo zurückholen. 

Beisenherz: Viele werden beim Blick in die lokale Presse wahrscheinlich gar nicht mitbekommen haben, dass er weg ist. Stöger ist als Adoptivkölner ja karnevalistisch versiert und geht daher seit seinem Engagement in Dortmund einfach als Klopp. So zeigt er den Kölnern: Seht her, ich bin zwar nicht mehr in Köln, aber der Karneval lebt in mir weiter. 

Klingt nach einer Menge Freude für Watzke & Co. 

Beisenherz: Nach seinen Aussagen über Bosz kann man bei ihm ja fast schon von Morbus Hoeneß sprechen. Und das ist jetzt nicht als Kompliment gemeint. Ein Trainer sitzt immer nur so fest im Sattel, wie der sportliche Geschäftsführer ihn lässt. Bekommen die Spieler mit, dass der sportliche Leiter dem Coach auch nur bedingt vertraut, dann ist auch er dafür verantwortlich, dass die Spieler dem Trainer nur bedingt folgen. Dafür muss man sich als Aki Watzke nicht in die Kabine stellen und sagen: Der Trainer ist ein Trottel. Das geht auch anders. 

Gegenteiliges ist in München der Fall, wo Uli Hoeneß Jupp Heynckes quasi anfleht zu bleiben. 

Beisenherz: Ich habe ja gehört, dass er bei einem Fantreffen darüber abstimmen lassen hat, ob Heynckes bleiben soll. Morgen muss ich mal in die Zeitung schauen, ob er jetzt auch über die Abspaltung Bayerns oder den Euro-Austritt abstimmen lässt. Man weiß ja gar nicht, wie mächtig Hoeneß gerade so ist. So etwas hasst der Kalle Rummenigge ja wie den Zoll. Man muss sich das mal vorstellen: Er sitzt wahrscheinlich gerade mit dem neuen Trainer zusammen und Hoeneß fragt die Fans, ob sie den totalen Heynckes wollen. 

Neuer Bayern-Trainer? Sie meinen Thomas Tuchel? 

Beisenherz: Dass Tuchel Bayern-Trainer wird, halte ich für ein Gerücht. Für den BVB war es damals völlig richtig, jemanden zu holen, der völlig anders ist als Kloppo. Das Problem: Tuchel ist nicht nur anders als Klopp, sondern auch als jeder andere normale Mensch auf diesem Planeten. Und nach dem Ancelotti-Experiment dürften die Bayern bei ihrem nächsten Trainer bestimmt auf Nummer sicher gehen. Nur: Alles andere als Heynckes ist ja im Grunde ein Experiment.

(Lesen Sie hier: Live-Ticker: FCB oder BVB - wer zieht ins Pokal-Viertelfinale ein?)

Also kommt es doch zur Überraschungsverlängerung mit Jupp? 

Beisenherz: Ich sag mal so: Cando sollte sich an Heiligabend noch mal eng an sein Herrchen schmiegen, danach wird er ihn vermutlich nicht mehr sehen. Vielleicht schenkt Hoeneß Heynckes ja einen Chihuahua, den er statt Cando in seiner Sporttasche zum Training nehmen kann. 

Erst mal will Hoeneß aber den BVB „aus dem Pokal hauen“. 

Beisenherz: Oh. Wenn er so spricht, weiß man aus Erfahrung, dass er Schiss hat. 

In der Bundesliga bei elf Punkten Vorsprung zur Winterpause eher weniger. 

Beisenherz: Das ist wahnsinnig bitter. Wenn die Bayern straucheln, fallen die anderen so richtig auf die Schnauze. Das ist insofern blöd, als dass man jetzt noch mal die Chance auf den Titel gehabt hätte. Denn machen wir uns nichts vor: Nächste Saison werden die Bayern so richtig aufrüsten, der Zug wird abgefahren sein und Bayern wird irgendwann zum achten Mal in Folge Meister. Aber es hat auch kein Bayer Vereinen wie Schalke, Hamburg & Co. verboten, mit ihrem Geld vernünftig zu wirtschaften. Sie sehen: Wenn ich als Dortmunder schon hoffe, dass Schalke noch mal angreift, dann muss die Langeweile in der Bundesliga schon verdammt groß sein.

In diesem Zusammenhang noch ein Weihnachtswunsch?

Beisenherz: Dass Heynckes auf der Weihnachtsfeier überraschend eine Brasilianerin kennenlernt, mit ihr durchbrennt und für die nächsten acht Jahre abtaucht.

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