Auf der anderen Seite des Hügels

Kuriosum Kirchhoff: Training neben Bayern

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Jan Kirchhoff kann verstehen, warum Schalke für ihn keine sechs Millionen Euro zahlen will. 

Doha – Jan Kirchhoff ist in Doha ein Kuriosum: Er trainiert mit Schalke, gehört aber Bayern – seine Zukunft mehr denn je ungewiss.

Einige Zuschauer finden den langgezogenen Hügel, der die Trainingsplätze auf der Aspire Anlage in Doha in zwei Abschnitte teilt, ganz praktisch. Steht man auf der Anhöhe, kann man auf der einen Seite das Training der Bayern beobachten, auf der anderen Seite das von Schalke 04. Jan Kirchhoff allerdings ist noch nicht hinauf oder gar hinüber gestiegen. Er ist ganz froh, momentan auf der einen Seite zu sein – und von der anderen wenig mitzubekommen.

„Ich gehöre zwar immer noch dem Verein, aber die Verbindungen sind nicht so groß. Momentan bin ich Schalker und kein Bayer“, sagte der 24-Jährige unserer Zeitung. Seit nunmehr einem Jahr ist der Defensivspieler, den die Bayern im Sommer 2013 ablösefrei von Mainz 05 geholt hatten, an den Tabellenfünften ausgeliehen. Die sechs Millionen Euro Ablöse, die für den Sommer vom Rekordmeister aufgerufen wurden, will Schalke nicht zahlen. Selbst Kirchhoff versteht das: „Das ist schon viel Geld für jemanden, der ein halbes Jahr lang verletzt war und erst zehn Spiele für den Klub gemacht hat.“ Seine Zukunft ist deshalb ungewiss.

Kirchhoff hatte sich nach einem langen Gespräch mit Pep Guardiola und Matthias Sammer bei der Klub-WM im Dezember 2013 entschieden, dass er schon nach einem halben Jahr in München und trotz eines Vertrags bis 2016 einen anderen Weg gehen will und muss. Schalke schien perfekt: Ein guter Bundesliga-Klub, aber einer, bei dem er auf mehr Einsätze hoffen konnte. Ein guter Plan – hätte er in diesem Jahr 2014 nicht das Pech derart angezogen.

Pep mit Dampf! Bilder von Tag sechs in Doha

„Ich hoffe, ich habe ich meine Schuldigkeit dem Fußballgott nun auch getan“, sagt er, lachen kann er dabei kaum. Schon sein Einstand bei Schalke – im letzten Jahr in Doha – stand unter keinem guten Stern. Kirchhoff zog sich gleich zu Beginn einen Syndesmosebandriss zu, nach knapp vier Monaten Verletzungspause folgten eine Innenbanddehnung im Knie, eine Sehnenreizung und zuletzt Probleme an der Achillessehne. „Er hat das Pech, dass er immer, wenn er sich wieder herankämpft, einen Rückschlag erhält“, sagt Sammer.

Auch zum Gespräch in Schalkes topmodernen Teamhotel „The Torch“ erscheint Kirchhoff nur in einer Behandlungspause und sagt gleich: „Ich habe 30 Minuten Zeit, dann muss ich wieder beim Physio sein.“ Die Frage „Wie geht es Dir?“ hört der gebürtige Frankfurter so gut wie täglich. „Leider“, sagt er, und gibt zu: „Es ist eher selten, dass ich ganz schmerzfrei aus dem Bett komme.“

Auch, weil das Team von Roberto di Matteo in der Hinrunde zahlreiche Verletzte zählte, musste Kirchhoff oft ran, obwohl er nicht fit war. Häufig habe er „über meinem Level“ gespielt, sagt er. Es gab ein paar gute, aber auch ein paar eher durchschnittliche Spiele auf seinen beiden Positionen in der Innenverteidigung und vor der Abwehr. So richtig in den Fokus konnte er sich in Gelsenkirchen noch nicht bringen. Das soll jetzt in der Rückrunde passieren: „Im Bestfall ist es so, dass Schalke will, dass ich bleibe, und Bayern will, dass ich zurückkomme. Es ist mein Ziel, mir diese Ausgangslage zu schaffen.“

Auch ein dritter Verein ist nicht ausgeschlossen. Kirchhoffs Berater steht in regelmäßigem Kontakt zu den Verantwortlichen des FC Bayern. Zeitdruck habe man nicht, erklärte Sammer in Doha. Zumindest Kirchhoff aber wünscht sich, „eine gewisse Sicherheit zu haben. Ich habe zwar einen Vertrag für das nächste Jahr. Aber natürlich würde ich am liebsten bald wissen, wie es weitergeht.“

Guardiola hatte Kirchhoff zu Beginn der vergangenen Saison überraschend viel Spielpraxis verschafft, dann aber immer weniger. Kirchhoff allerdings meint, dass er daran zum Teil auch selbst Schuld war. „Es ging mir dann nicht schnell genug. Ich habe mich selber blockiert“, sagt er. Würde der Weg nun zurück nach München gehen – übrigens Kirchhoffs absoluter Lieblingsstadt –, würde er versuchen, die Dinge anders anzugehen. Um wieder auf der anderen Seite zu stehen, muss er aber zunächst diesen Hügel überwinden. Und der ist doch recht groß.

Hanna Schmalenbach

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