Nach Heynckes-Kritik

Länderspielreise? Experte: Belastungs-Limit noch nicht erreicht 

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Bayern-Neuzugang James Rodriguez reist für die kolumbianische Nationalmannschaft nach China und Südkorea. 

Mit der Kritik an den strapaziösen Länderspielreisen hat Bayern-Coach Jupp Heynckes erneut eine Diskussion losgestoßen - nun verrät ein Experte: Die Fußball-Stars sind noch nicht mal an der äußersten Grenze angelangt. 

München - Jupp Heynckes ist in der Regel ein in sich ruhender Mensch. Das Yin und das Yang stimmen beim 72-jährigen Fußballlehrer, weswegen es auch umso schwerwiegender einzuordnen ist, wenn dem Trainer des FC Bayern doch mal der Kragen platzt. Vergangenen Samstag war das der Fall. Der Grund für Jupps Ausraster: James, der vom kolumbianischen Verband für zwei Testspiele in China und Südkorea um den halben Globus gejagt wird. „Das ist ein mittlerer Wahnsinn“, polterte Heynckes nach dem Sieg in Dortmund. „Das ist nicht nachvollziehbar. Man verlangt den Spielern Dinge ab, die vom Physiologischen gar nicht möglich sind.“ Tatsächlich?

Die tz hat bei jemanden nachgefragt, der sich damit nur zu gut auskennt. Oliver Schmidtlein, bis 2008 Physiotherapeut und Fitnesstrainer beim Rekordmeister und der Nationalelf, musste bereits des öfteren müde Kicker nach Horrortrips wieder fit pflegen. Der Experte ist dennoch der Meinung: „Die Belastbarkeit der Spieler ist noch nicht an ihrem Limit angelangt, noch befinden wir uns nicht an den äußersten Grenzen der Unmenschlichkeit.“ Eine These, die der 52-Jährige mit Blick auf den US-Sport untermauert. Schmidtlein zur tz: „Ein Dennis Schröder oder ein Dirk Nowitzki würden die Bayernspieler belächeln. NBA-Spieler sitzen ja quasi durchgehend im Flieger, wohnen in Hotels und müssen während der Playoffs zusätzlich noch mit der Zeitverschiebung zurechtkommen. Das Leben eines Profis ist nicht immer schön.“ 

Heynckes gönnt sich Auszeit: So verbringt er die Länderspielpause

James reist über 20 000 Kilometer in kürzester Zeit

Was nicht heißen soll, dass die knapp 20 000 Kilometer von James diese Woche Zuckerschlecken sind. Derartige Trips sind in Schmidtleins Augen ebenfalls „Wahnsinn“, eine Pause für den 26 Jahre alten Bayernstar wäre nach drei Partien in acht Tagen „ideal“. Aber: James hat keine Wahl. Er muss. Die FIFA-Statuten zwingen die Vereine zur Abstellung gesunder Spieler, zumal der kolumbianische Verband kein allzu geringes Interesse daran haben dürfte, dass ihr Werbe- und Social-Media-Star bei Freundschaftsspielen in Fernost mit von der Partie ist. Die Vereine würden zwar gelegentlich in die Trickkiste greifen und Wehwehchen vortäuschen, damit ihr Spieler kein Verletzungsrisiko eingeht, das liege aber im Ermessensspielraum des Klubs.

Worauf es wirklich ankommt, fasst folgender Fachbegriff zusammen: Adaptation. „James’ biologisches System passt sich den Reizen an, denen es regelmäßig ausgesetzt wird“, erklärt Schmidtlein. Die Trainingszustände bieten laut dem Experten noch Verbesserungsspielraum, gefährlich bei derartigen Reisen seien andere Faktoren. Schmidtlein: „Es gibt noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen dazu, aber man weiß, dass das Immunsystem gerade im Flugzeug stets auf eine harte Probe gestellt wird. Man steht in direktem Kontakt mit vielen Menschen, die Erreger werden über die Klimaanlage im gesamten Flugzeug verteilt. Eine Möglichkeit zur Vorbeugung von Infektionen im Flugzeug ist beispielsweise Nasenspray mit Kochsalzlösung.“ Bleibt nur zu hoffen, dass James noch kurz in der Apotheke vorbeigeschaut hat.

Oliver Schmidtlein.

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