Vorführung für die Anhänger

"Landauer"-Film berührt nicht nur Bayern-Fans

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Die Choreographie, mit der alles begann: Die "Schickeria" erinnerte in der Allianz Arena an Landauer.

München - Am Montagabend organisierte die Bayern-Fan-Vereinigung Club Nr. 12 eine Sondervorführung des Films "Landauer – der Präsident". Die tz war dabei.

Die Allianz Arena im Jahr 2010. Langsam erstreckt sich ein immer größer werdendes Banner über die gesamte Südkurve – der Ort, an dem die Münchner Fangruppierung „Schickeria“ ihren Platz hat. Immer deutlicher ist das Konterfei eines Mannes zu erkennen. „Der FC Bayern und ich gehören nun einmal zusammen!“, ist über ihm zu lesen. Diese Worte sind ein Zitat des Mannes, an den die Choreografie erinnern soll: Kurt Landauer. Der Präsident, der die Bayern 1932 zu ihrer ersten Meisterschaft führte. Obwohl das längst nicht der einzige Dienst für seinen Verein war, geriet der in den 50er-Jahren überraschend abgewählte Münchner mit jüdischem Hintergrund bei vielen schnell in Vergessenheit. Etwas, das sich mit der Aktion der „Schickeria“ ändern sollte.

Kurt Landauer (Josef Bierbichler) auf Trümmern im Grünwalder Stadion.

FilmproduzentMichael Souvignier wurde aufmerksam. Und schlug dem BR und der ARD wenig später ein Filmprojekt vor. Titel: Landauer – der Präsident. Die Fernsehproduktion, die am 15. Oktober um 20.15 Uhr in der ARD zu sehen ist, behandelt das Leben des jüdischen Vereinspräsidenten zu seiner wohl schwersten Zeit. Auch Landauer musste unter den Gräueltaten Adolf Hitlers leiden, überlebte einige Zeit im Konzentrationslager Dachau, floh kurz darauf in die Schweiz. Eine Episode, die der Film ausspart. Man will Lan­dauer nicht als Märtyrer darstellen, sondern als den Mann, als den er sich selbst sah: den Präsidenten des FC Bayern.

Und so kehrt Landauer 1947 nach Deutschland zurück. Nach München, zu seinem Verein. Obwohl sich der Erfolgsmann weiterhin vielen Anfeindungen stellen muss, bleibt er. Die Erzählung über seine harte Arbeit für den Wiederaufbau des Vereins beginnt. So erschreckend wie die Konfrontation mit dem Leid Landauers ist, so faszinierend ist auch sein Wirken. Filmkritiker und PR-Berater Tobias Kurzmaier über die ARD-Produktion: „Diese Darstellung über das Leben von Kurt Landauer, sein Wesen und seine Arbeit hat mich sehr berührt. Der Film regt zum Nachdenken an, ob nun FC-Bayern-Fan, oder nicht.“

tz-Reporterin Lena Meyer sah sich den Film mit Bayern-Fan Tobias Kurzmaier an.

Besonders beeindruckend ist die Authentizität des Films. So wird Kurt Landauer keineswegs als ruhmreicher Held glorifiziert, sondern menschlich dargestellt. Kurzmaier: „Den Verantwortlichen ist es gelungen, einen Charakter mit all seinen Facetten zu zeigen. Es gibt in diesem Film nicht nur ein Schwarz und ein Weiß, sondern mehrere Grauabstufungen.“ Eines sei aber wichtig, das betonen Kritiker Kurzmaier sowie die Verantwortlichen der Produktion: „Es handelt sich nicht um einen Fußballfilm. Dieses Werk ist ein Drama.“ Neben den Entwicklungen des FC Bayern München verfolgt der Zuschauer nämlich auch die persönliche Geschichte der handelnden Personen. Lan­dauers Zerrissenheit zwischen der Liebe zu seinem Verein und der Sehnsucht nach einem Ort, an dem wirklich alle Menschen gleiche Rechte haben. Genauso wie die Kraft, die Fußball in einzelnen Personen entfachen kann. Landauer – der Präsident: Ein Film, der nicht nur das FC-Bayern-Herz berührt.

Lena Meyer

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