1970 bis 1975 und 1983 bis 1987

Lattek bei Bayern: Er war nicht nur der harte Hund

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Udo Lattek feiert am 06.06.1987 im Münchner Olympiastadion mit einem 2:2-Unentschieden gegen Bayer Uerdingen die dritte Meisterschaft mit den Bayern in Folge.

München - Fast 45 Jahre ist es her, dass Udo Lattek zum ersten Mal beim FC Bayern anheuerte. Am 14. März 1970 übernahm der damals 35-Jährige den Trainerposten bei den Münchnern.

Er beerbte Branko Zebec, der den Verein im Jahr zuvor zur ersten Meisterschaft seit 1932 geführt hatte. Doch die große Zeit des FCB sollte noch folgen – unter Lattek. „Wir hatten eine wunderschöne Zeit mit ihm“, erinnert sich Franz „Bulle“ Roth in der tz.

In seiner ersten Station als Vereins­trainer traf Lattek auf Stars wie Franz Beckenbauer, Sepp Maier und Gerd Müller, die er vom DFB her kannte. Als Trainer der Jugendnationalmannschaft kannte er zudem die jungen Uli Hoeneß und Paul Breitner, die er mit zum FCB brachte. „Durch ihn bin ich ja überhaupt erst beim FC Bayern gelandet“, erinnert sich Breitner in der tz an die Anfänge der Erfolgsstory: „Uli und ich kannten Udo ja aus der Jugendnationalmannschaft. Dann ging er zum FCB und nahm uns mit. Dabei war der Uli ja eigentlich schon in Stuttgart und ich wäre fast bei 1860 München gelandet.“

In den folgenden Jahren ging es für die Roten steil bergauf. Lattek führte den FCB von 1972-1974 zum Titelhattrick – drei Meisterschaften in Folge waren zuvor noch keinem Verein gelungen. „Udo war ein toller Trainer. Korrekt, hart und immer ehrlich. Das hat ihn, glaube ich, auch so beliebt gemacht“, erzählt Roth. Die Spieler hätten ihren Coach Lattek immer sehr geschätzt, was auch Breitner bestätigte: „Er war ein ganz toller Mensch, weil er sich selbst nie in den Vordergrund gestellt hat. Er war mehr der Kumpel, Partner, Teil der Mannschaft, anstatt sich als Trainer groß aufzuspielen. Und vor allem hat er es damals schon verstanden, uns jeden Tag die Freude am Spiel zu erhalten. Vor allem die Art, wie er Anfang der 70er mit den großen Spielern wie Franz, Sepp oder Gerd umgegangen ist, hat uns jungen Spielern imponiert.“

1974 setzte Lattek dem FC Bayern sogar die europäische Krone auf. Zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte gewannen die Roten die Champions League, die damals noch Europapokal der Landesmeister hieß. Im einem dramatischen Finale gegen Atlético Madrid glich Georg Schwarzenbeck erst in der 120. Minute zum 1:1 aus, was gleichbedeutend mit einem Entscheidungsspiel war. Das gewannen die Bayern klar mit 4:0. „Udo hat nicht nur eine, sondern zwei Perioden des FC Bayern ganz entscheidend mitgeprägt“, betont Breitner in Anlehnung an Latteks zweite Amtszeit (1983 – 1987), in der der FCB erneut drei Mal in Serie Deutscher Meister wurde. Breitner hatte eine besondere Bindung zum verstorbenen Kulttrainer. „Udo war neben meinem Vater mein wichtigster Trainer. Er hat mein Leben und das meiner Familie federführend mitbestimmt. Ich habe einen sehr, sehr guten Freund verloren“, trauert Breitner um seinen ehemaligen Weggefährten, dessen Tod für große Bestürzung im deutschen Fußball gesorgt hat. „Das ist eine traurige Nachricht für alle“, sagt Roth: „Udo war ein toller Mensch. Doch wie es im Leben leider nun mal so ist – irgendwann muss jeder einmal gehen.“ Lattek ist jetzt gegangen, doch wird bei seinen Kollegen immer in bester Erinnerung bleiben. Breitner bringt es auf den Punkt: „Es war einfach eine wunderbare Zeit mit Udo.“

Sven Westerschulze

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