„Absolut inakzeptabel“: Goretzka watscht Katars WM-Botschafter ab
Im Vorfeld der umstrittenen Fußball-Weltmeisterschaft in Katar gerät der WM-Botschafter wegen harscher Aussagen zu Homosexualität in die Kritik. Bayern-Star Leon Goretzka zeigt sich erschüttert.
München – Wenn am 20. November die WM 2022 in Katar startet, beginnt wohl das am meisten diskutierte und kritisierte Turnier in der Geschichte des Fußballs. Bereits im Vorfeld wurde zum Beispiel viel über mutmaßlich unzumutbare Arbeitsbedingungen beim Bau der Stadien und der Infrastruktur im Emirat gesprochen.
Fußball-WM 2022 in Katar: Kritik am Emirat wegen angeblicher Menschenrechtsverletzungen
Mancher Kritiker forderte gar eine Absage der Fußball-Weltmeisterschaft im Winter (bis 18. Dezember) wegen angeblich gravierender Missachtung von Menschenrechten auf den gigantischen WM-Baustellen. Selbst Ex-FIFA-Boss Sepp Blatter spricht inzwischen von einem „Irrtum“, die WM nach Katar vergeben zu haben.
| Name: Leon Goretzka |
| Geburtsdatum: 06.02.1995 (27 Jahre ) |
| Position: Zentrales Mittelfeld |
| Verein: FC Bayern München |
| Marktwert: 65 Millionen (Quelle: transfermarkt.de) |
Nun hätte Khalid Salman am Dienstag (8. November) in einem Interview mit dem öffentlich-rechtlichen ZDF so einiges geraderücken können. Was am Ende daraus wurde, beunruhigt so kurz vor dem Turnierstart.
Khalid Salman: WM-Botschafter fällt mit gravierenden Aussagen auf - ZDF-Interview abgebrochen
Er habe Probleme damit, wenn Kinder Schwule sehen, meinte der offizielle WM-Botschafter unverblümt. Sie würden dann etwas lernen, was nicht gut sei, erklärte er seine Ansicht. In seinen Augen sei Schwulsein schließlich „haram“, also „verboten“ oder gar „ein geistiger Schaden“, so der ehemalige katarische Nationalspieler in der ZDF-Dokumentation mit dem Titel „Geheimsache Katar“.
Nach diesem Satz grätschte der Pressesprecher des WM-Organisationskomitees dazwischen und brach das TV-Interview ab. Noch mehr sollten sich die Macher der umstrittenen Weltmeisterschaft offenbar nicht selbst entlarven. Oder was steckte dahinter?
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Wie das bei den Fußballern ankommt? Nachdem der FC Bayern am Dienstagabend den SV Werder Bremen 6:1 (4:1) aus der Allianz Arena geschossen hatte, marschierte ein gut gelaunter Leon Goretzka durch die Mixed Zone des Fröttmaninger Stadions und stellte sich bereitwillig den Fragen der Presse. Immerhin gilt der Bayern-Star als jemand, der seine Meinung unumwunden kundtut - und das auch öffentlich.
Schon während des Bundesliga-Spiels gegen hoffnungslos unterlegene Hanseaten hatten die FCB-Ultras in der „Südkurve“ mittels Salman per Transparent wissen lassen, was sie von seiner Meinung halten. „Damaged mind? F... you Khalid!“, stand auf einem großen Banner vor den Stehplätzen.

WM 2022: Bayern-Star Leon Goretzka kritisiert WM-Botschafter scharf
Und Goretzka? Zunächst wurde in der „Mixed“ über den Fabel-Auftritt der Bayern geplaudert. Plötzlich aber verfinsterte sich Goretzkas Miene. Ein Journalist fragte den 27-Jährigen, welches Gefühl solche Aussagen, wie die des WM-Botschafters, so kurz vor der WM in ihm auslösen würden.
„Das ist schon sehr beklemmend, muss man sagen“, antwortete Goretzka - und wurde deutlich: „Das ist ein Menschenbild aus einem anderen Jahrtausend. Das ist nicht das, wofür wir stehen wollen und was wir auch vorleben.“ Solche Aussagen seien „absolut inakzeptabel“, meinte der deutsche Nationalspieler in den Katakomben der Arena weiter.

FC Bayern München: Leon Goretzka positioniert sich auch vor WM 2022
Zur Erinnerung: Goretzka war auch jener Fußballer, der nach seinem Ausgleichstreffer gegen Ungarn (2:2) bei der Vorrunde der Fußball-EM 2021 in München vor den organisierten Fans der Magyaren mit einem Herz-Gruß jubelte, nachdem einzelne ungarische Anhänger ebenfalls homophob aufgefallen waren.
Am Donnerstag wird Bundestrainer Hansi Flick nun den DFB-Kader für die WM 2022 bekannt geben. Goretzka wird aller Voraussicht nach ein Teil davon sein und im Aufgebot stehen. Ob er wieder die Gelegenheit bekommt, mit einem Herz-Gruß zu jubeln? (smk)
Aus der Allianz Arena berichtet Florian Schimak