Der Zwölf-Minuten-König

Lienhart ist von Real an Freiburg ausgeliehen - und übertrifft Erwartungen

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Immer auf der Höhe: Philipp Lienhart (l.), hier im Duell mit Hoffenheims Sandro Wagner, hat sich rasch etabliert. 

Bis zum Sommer spielte Philipp Lienhart in der zweiten Mannschaft von Real Madrid, ehe er zum SC Freiburg wechselte. Dort wurde der Österreicher sofort zum Stammspieler. Am Samstag trifft er auf den FC Bayern.

Freiburg – Das Trikot, das ihn an damals erinnert, ist sicher verstaut. Es liegt daheim in Österreich, vielleicht hängt es auch, und je länger Philipp Lienhart darüber nachdenkt, desto weniger weiß er, wo genau er es eigentlich deponiert hat. „Puh“, sagt er schließlich, „irgendwo zuhause“ werde es halt sein. Wenn er das nächste Mal heimfährt, wird er garantiert nachschauen. (Lesen Sie hier den Live-Ticker des Spiels, das am Samstag um 15.30 Uhr angepfiffen wird.)

Das Hemd, um das es geht, ist eines der begehrtesten im Weltfußball. Es weist seinen Träger als Spieler von Real Madrid aus. Am 2. Dezember hat es Lienhart beim 3:1 in Cadiz getragen, einem Pokalkick, der aus skurrilen Gründen in die Geschichte einging. Die Königlichen setzten damals den Russen Denis Tscheryschew ein, obwohl er aus der Vorsaison eine Gelbsperre abzusitzen hatte, und wurden nachträglich vom Wettbewerb ausgeschlossen. Das Debüt des jungen Lienhart ging in diesen Turbulenzen weitgehend unter.

Zwölf Minuten vor Schluss wurde der Abwehrspieler seinerzeit eingewechselt, für ihn verließ ein gewisser James Rodriguez das Feld. Am Samstag werden sich die beiden in der Allianz Arena wieder begegnen, wenn auch vermutlich nur beim Aufwärmen. Seit jenem Dezemberabend vor knapp zwei Jahren haben sie noch gelegentlich miteinander trainiert, doch dass sie sich auf dem Feld ein zweites Mal nahe kamen, scheiterte schon daran, dass Lienhart nie mehr von der zweiten Mannschaft (Real Madrid Castilla) in die erste befördert wurde. Der Kolumbianer James verließ Madrid im vergangenen Sommer schließlich Richtung München, weil bei Real kein prominenter Platz mehr für ihn frei war. Und auch Philipp Lienhart (21) suchte sein Glück in der Bundesliga.

Der Kapitän der österreichischen U21-Nationalmannschaft hat in dieser Saison noch keine Bundesligasekunde verpasst. Das hat selbst er so nicht erwartet, als er bei den Real-Bossen vorstellig wurde und um ein Leihgeschäft mit dem SC Freiburg bat. Mit dem Sportclub verband er die Hoffnung, ein neues Niveau zu erreichen, eine größere Bühne zu betreten, doch dass es für ihn so gut laufen würde, hätte er sich in seinen kühnsten Träumen nicht gedacht. „Ich wollte mich gut präsentieren, in jedem Training und in den Minuten, die ich auf dem Platz bekomme.“ Nun sind es 630 nach sieben Spieltagen.

Lienhart ist niemand, der mit kecken Aussagen aufzufallen versuchen würde. Im Interview agiert er noch defensiver als auf dem Rasen, wo er sich als rechtes Glied einer Dreierkette etabliert hat und mit Kopfballstärke, Schnelligkeit und guter Übersicht gefällt. Er will sich „Tag für Tag beweisen“ sowie „einfach hart arbeiten“ und ansonsten so viel aufschnappen wie möglich. Mit den Breisgauern hat er sich für einen Verein entschieden, in dem junge Spieler konsequent gefördert und früh mit Verantwortung ausgestattet werden. Er war dann auch „von Anfang an überzeugt, dass Freiburg der richtige Ort für mich ist, wo ich meine nächsten Schritte machen kann“.

In seiner Heimat, die er mit 18 Jahren verlassen hat, um von Rapid Wien zu Real zu wechseln, wird jeder dieser Schritte aufmerksam verfolgt. Mit einigem Stolz wiesen die Medien vor zwei Jahren darauf hin, dass er nun der erste Österreicher in Diensten der Königlichen sei. Heute gilt er als eines der größten Talente des Landes. Der überzeugende Einstand in Freiburg bescherte Lienhart im September die erste Nominierung für die Nationalmannschaft und vor einer Woche gegen Moldawien sein erstes Länderspiel. Das Trikot hat er anschließend selbstverständlich nicht getauscht, es bekommt daheim in Österreich einen Ehrenplatz. Aktuell ist es in Freiburg sicher verstaut. Philipp Lienhart weiß auch noch, wo.

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