tz-Interview

Lisa Müller: "Die letzte Entscheidung hat Thomas"

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Lisa und Thomas Müller (Archivbild).

München - Lisa Müller ist Dressurreiterin, startet diese Woche bei der Pferd International (14. bis 17. Mai) in Riem. Dort wird ihr das Goldene Reitabzeichen verliehen, die höchste Auszeichnung im Reitsport. Die tz hat die Frau von Bayern-Profi Thomas Müller zum Interview getroffen.

Pferdestall statt Designerboutique: Das Klischee einer Spielerfrau hat Lisa Müller noch nie bedient. Die Frau von FCB-Star Thomas Müller scheut die Öffentlichkeit. Im Stadion sieht man die 25-Jährige selten. Dafür umso öfter auf dem Reiterhof des Paares im Oberland. Lisa ist Dressurreiterin, startet diese Woche bei der Pferd International (14. bis 17. Mai) in Riem. Dort wird ihr das Goldene Reitabzeichen verliehen, die höchste Auszeichnung im Reitsport.

Frau Müller, Sie sind schon bei großen Turnieren gestartet. Sind Sie vor der Pferd International noch aufgeregt?

Müller: Ja, es ist mein erstes internationales Turnier. Ich habe die Starterliste durchgeschaut: ein starkes Feld.

Haben Sie die Reiter schon kennengelernt?

Müller: Jessi von Bredow-Werndl ist eine liebe Freundin von mir. Isabell Werth habe ich auf Turnieren kennengelernt. Sie war schon mein Vorbild, als ich klein war, und ist es heute noch. Es ist cool, mit den beiden in einer Prüfung zu reiten. Sie geben einem auch Tipps.

Ihnen wird das Goldene Reitabzeichen verliehen. Wie lange haben Sie daran gearbeitet?

Müller: Mitte 2012 habe ich mit Laurie meine erste S-Dressur gewonnen. Dann hatte ich das goldene Reitabzeichen als Ziel. 2013 ist Birkhofs Dave zu mir gekommen und wir waren von Anfang an ein tolles Team und konnten dann das goldene Reitabzeichen erreiten.

Ist Ihr Mann bei der Verleihung des Abzeichens dabei?

Müller: Ich hoffe es. Die Veranstalter versuchen es möglich zu machen, dass der Termin in seinen Spielplan passt.

Sie mögen den Rummel um Fußballer und Spielerfrauen nicht so gern. Ist es schwieriger, wenn Ihr Mann dabei ist?

Müller: Ich bin froh, dass er bei dieser schönen Auszeichnung wahrscheinlich dabei ist. Er ist ein ganz entscheidender Teil meines Lebens und unterstützt mich, wo er kann.

Reden Sie privat viel über Pferde?

Müller: Das ist immer ein Gesprächsthema, weil wir viele Pferde haben und Thomas auch züchtet. Da gibt es viel zu diskutieren.

Wollen Sie Ihrem Mann nach dessen Karriere das Reiten beibringen?

Müller: Auf jeden Fall. Zumindest so, dass man nachmittags gemeinsam ausreiten kann. Das wäre unser Ziel. Aber jetzt spielt er erst noch ein paar Jahre Fußball. Hoffentlich erfolgreich.

Welche sportlichen Ziele haben Sie selbst?

Müller: Im Reitsport lernt man nie aus. Ich will jeden Tag dazulernen. Mal sehen, wohin die Reise geht.

Und im Reitsport ist man mit 25 noch nicht zu alt für eine große Karriere…

Müller: Träumen kann man viel, aber die Frage ist, ob man das auch erreichen kann. Ich mache mir noch gar keine Gedanken darüber.

War es immer Ihr Traum, mit Pferden zu arbeiten?

Müller: Ich wollte immer etwas mit Tieren machen. Dass es jetzt so optimal läuft, ist ein Traum. Das hätte schlechter laufen können.

Wie viele Pferde haben Sie im Stall?

Müller: Sieben eigene.

Und wonach wählen Sie die aus?

Müller: Thomas versucht, das optimale Fohlen zu züchten. Wenn die drei Jahre alt sind, fange ich an, sie zu reiten und auszubilden. Wir versuchen natürlich, das beste zu bekommen. Aber man kann in ein Pferd nicht reinschauen. Ich sage, was ich fühle. Die letzte Entscheidung hat aber Thomas.

Woher kennt er sich mit Pferdezucht aus?

Müller: Als Sportler hat er ein super Auge für Bewegungen, und er hat sich in das Thema eingelesen. Wenn mein Trainer am Abreiteplatz dabei ist, spricht er auch mit ihm.

Thomas hat kürzlich sein Lieblingspferd vorgestellt: Zwergpony Freddy. Ist das auch Ihr Liebling, oder ist das eher Ihr Turnierpferd Dave?

Müller: Eigentlich alle. Jedes hat seine Eigenart, über die man schimpft, und seine Eigenart, die man am liebsten bei allen hätte. Dadurch habe ich keinen richtigen Liebling. Dave ist der Erfolgreichste. Aber ich habe auch eine Stute, Anne Beth, an der ich liebe, dass sie immer arbeiten will.

Wie sieht Ihr Tag auf dem Reiterhof aus?

Müller: Morgens um acht Uhr sitze ich auf dem ersten Pferd. Dann wird geritten bis 14 oder 15 Uhr. Dann gehen die Pferde auf die Koppel oder den Paddock. Denen geht’s sehr gut.

Misten Sie selbst aus?

Müller: Auf dem Turnier ab und zu noch. Aber hier habe ich Helfer, die das für mich übernehmen. Meine ersten Reitstunden habe ich mir auch mit 16 durch Boxen ausmisten verdient. Das ist echt ein Knochenjob.

Als Spielerfrau könnten Sie es sich auch leichter machen.

Müller: Manche sagen auch, ich würde nur reiten, weil ich ein tolles Pferd habe. Ich glaube, man kann es nie allen recht machen. Ich reite, weil es immer mein Hobby und mein Traum war.

Überlegen Sie manchmal, was mit dem Hof passieren würde, wenn Ihr Mann den Verein wechseln würde?

Müller: Thomas’ Herz hängt am FC Bayern, weil er dort in der Jugend gespielt hat und schon immer Fan des Vereins war. Über einen Vereinswechsel haben wir uns gar keine Gedanken gemacht. Er hat ja schließlich auch noch bis 2019 Vertrag, und wir sind glücklich in München.

Lisa und Thomas Müller: Ein Besuch im Reitstall

Interview: B. Winterer

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