tz-Interview über Pokal und Martinez

Matthäus: "Bei Bayern wird sicher niemand weinen"

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Daumen hoch trotz Martinez-­Ausfall: ­Lothar Matthäus ist optimistisch.

München - Lothar Matthäus weiß, wie sich ein Kreuzbandriss anfühlt. Im tz-Interview spricht der 53-Jährige über die Verletzung von Javi Martinez und das Pokalduell gegen Preußen Münster.

Lothar Matthäus weiß, wie sich ein Kreuzbandriss anfühlt. Er zog sich diese Verletzung 1992 im Spiel gegen Parma zu. Im tz-Interview spricht der 53-Jährige über die Verletzung von Javi Martinez und das Pokalduell gegen Außenseiter Preußen Münster.

Herr Matthäus, wie schwer wiegt der Ausfall von Javi Martinez?

Lothar Matthäus: Javi Martinez ist ein sehr guter Spieler, ich mag seine Spielweise. Die Verletzung ist für ihn und den FC Bayern sehr bitter. Kurz vor Saisonstart so lange auszufallen, ist alles andere als schön.

Neben Franck Ribéry und Rafinha fehlt nun der dritte fitte Spieler.

Lothar Matthäus: Nicht nur der FC Bayern hat verletzte Spieler zu beklagen, sondern andere Mannschaften auch. In München weiß man seit Monaten, dass die Nationalspieler am Anfang der Saison noch nicht so belastbar sein würden. Trotzdem ist der FC Bayern auch in dieser Saison wieder der große Favorit, da reicht ein Blick auf die Qualität des Kaders. Der ist so stark besetzt, dass er jeden einzelnen Ausfall auffangen kann.

Matthias Sammer hat schon vor Wochen vor einem Stolperstart gewarnt. Sieht er sich jetzt bestätigt?

Lothar Matthäus: Es wäre überraschend, wenn die Münchner so stark starten wie in den vergangenen beiden Jahren. Schließlich fallen viele wichtige Spieler mit Verletzungen aus oder sind gerade erst wieder zur Mannschaft gestoßen. Es gibt sicher viele kleine Baustellen, aus unterschiedlichen Gründen. Aber: Der FCB kann immer reagieren. Es ist ja kein Geheimnis, dass er wirtschaftlich bestens aufgestellt ist.

Martinez war der zentrale Mann der neuen Dreierkette. Muss Pep sein System jetzt überdenken?

Lothar Matthäus: Das würde ich so nicht sagen. Auch in einer Dreierkette ist jeder ersetzbar. Wer Martinez’ Position einnehmen kann, muss Guardiola entscheiden. Er kennt seine Mannschaft am besten. Oder er greift wieder auf das bewährte 4-2-3-1 zurück, was aufgrund der kleineren Probleme Sinn machen würde. Auch wenn in der Vorbereitung verstärkt mit Dreierkette gespielt wurde, hat die Mannschaft sicher kein Problem mit der Viererkette. Ich glaube, dass die Verantwortlichen auch auf die jetzige Situation reagieren können.

Der Kader umfasst aber – die Talente eingerechnet – nur 24 Spieler!

Lothar Matthäus: Wenn man die jungen Spieler in eine funktionierende Mannschaft steckt, dann werden sie auch ihre Leistung bringen. Nur im Moment kann die Mannschaft noch nicht zu 100 Prozent funktionieren, weil eben wichtige Spieler noch nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte sind.

Kann die Dreifachbelastung ab September zum Problem werden?

Lothar Matthäus: Das glaube ich nicht. Guardiola hat den besten Kader der Liga. Deshalb muss er sich keine Sorgen machen, wie er seine Stars wieder in Form bringt. Sicher ist die derzeitige Situation nicht optimal, aber weinen wird beim FC Bayern niemand.

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Wie lange brauchen die WM-Helden, um wieder topfit zu sein?

Lothar Matthäus: Nach unserem WM-Titel 1990 hatten wir auch keine lange Pause. Aber mit dem Pokal im Gepäck geht man psychologisch gestärkt in die neue Saison, auch wenn drei Wochen Urlaub sicher nicht lang waren. Aber als Profi steht man in der Verantwortung, auch nach einem kurzen Urlaub sofort wieder da zu sein. Toni Kroos hat es am Dienstag im UEFA-Supercup vorgemacht.

Apropos Toni Kroos: Wird sich sein Abgang auf dem Feld bemerkbar machen?

Lothar Matthäus: Toni ist ein Spieler, den ich gerne weiterhin beim FC Bayern gesehen hätte. Für den FCB bedauere ich seinen Verlust. Aber Toni hatte nur noch ein Jahr Vertrag, da ist es vom Verein nicht ungeschickt gewesen, noch eine hohe Ablöse für ihn einzustreichen.

Obwohl Pep große Stücke auf ihn gehalten hat...

Lothar Matthäus:Er hätte ja darauf bestehen können, dass Kroos noch ein Jahr bleibt. Aber anscheinend gibt es auch einen Plan ohne Toni, deshalb hat man ihn verkauft. Aus wirtschaftlicher Sicht ist der FC Bayern sicher nicht auf seinen Verkauf angewiesen gewesen.

Sonntag geht es im Pokal gegen Preußen Münster ran. Ein Drittligist, der schon vier Saisonspiele hinter sich hat und topfit ist. Wie gefährlich ist das für den FCB?

Lothar Matthäus:Wenn man es nicht ernst nimmt, kann jedes Spiel gefährlich werden. Ich glaube aber nicht, dass die Bayern Preußen Münster auf die leichte Schulter nehmen. Für Münster ist es das Spiel des Jahrzehnts. Die Preußen werden es sicher genießen, aber nicht herschenken. Trotzdem sollte ein Drittligist keine zu große Hürde für den FC Bayern sein.

Das sollte der TSV Vestenbergsgreuth vor 20 Jahren eigentlich auch nicht. Am Ende verlor der FCB sensationell mit 0:1 gegen den No-Name-Verein. Sie waren dabei.

Lothar Matthäus:Ja, aber ich kannte den Verein schon vorher, schließlich bin ich in der Nähe aufgewachsen.

Interview: Sven Westerschulze

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