tz-Interview vor Gipfel in Dortmund

Matthäus: "Niederlage würde Bayern weh tun"

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Lothar Matthäus hält das Duell Dortmund gegen Bayern für ein Spitzenspiel.

München - Am Samstagabend richten sich alle Augen nach Dortmund: Die Borussia empfängt den FC Bayern zum Liga-Gipfel. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus analysiert die Situation vor dem Anpfiff.

Herr Matthäus, sprechen wir über das Topspiel BVB gegen FCB. Ist es denn überhaupt noch eines?

Matthäus: Es ist eines, aber sicher! Trotz der gut 30 Punkte Rückstand der Dortmunder auf den FC Bayern ist der BVB für mich nach wie vor eine absolute Spitzenmannschaft. Eine Mannschaft, die sich jetzt wieder gefangen hat nach der verunglückten Vorrunde. Warum und wie diese zustande gekommen ist, das wird man in Dortmund noch analysieren müssen.

Trauen Sie dem BVB nach der katastrophalen Hinrunde und dem bitteren Aus gegen Juventus Turin drei Punkte gegen Bayern zu?

Matthäus: Absolut. Das haben sie ja auch gegen Schalke zuletzt gezeigt, dass sie über sich hinauswachsen können. Sie spielen noch nicht stabil, aber gegen Bayern ist es immer sehr eng, schon im Hinspiel ist das entscheidende Tor erst kurz vor Schluss gefallen. Die Dortmunder können in einem Spiel mithalten und damit auch vergessen machen, was im vergangenen halben Jahr passiert ist. Sie können die Fans wieder zurückgewinnen! Es ist nach dem Spiel gegen Schalke das zweitwichtigste der Saison.

Was wird das Mittel dazu sein? So wie die andere Borussia beim 2:0 in München spielt Dortmund nicht.

Matthäus: Das ist richtig, Dortmund wird nicht tief hinten drinstehen und eine Mauer aufbauen. Dortmund attackiert, wenn auch nicht über die gesamten 90 Minuten. Im letzten Jahr beim 3:0 der Bayern beim BVB war es auch so, da hat Bayern dann viel mit langen Bällen agiert, um dem guten Gegenpressing aus dem Weg zu gehen. Wahrscheinlich waren es so viel lange Bälle wie noch nie unter Pep Guardiola. Da hatte er einfach gut auf die Dortmunder Taktik reagiert.

Nun fehlen Alaba, Robben, Ribéry. Wie schwer wiegt das?

Matthäus: David Alaba ist für mich, trotz all seiner Qualitäten, durch Juan Bernat einigermaßen zu ersetzen. Robben und Ribéry sind kaum ersetzbar. Die Geschwindigkeit, die beide ins Offensivspiel bringen, die Aufmerksamkeit, die sie dem Gegner entlocken, die wird fehlen. Müller und Götze können dieses Eins-gegen-Eins-Spiel so nicht aufziehen, da ist dem FC Bayern eine Waffe genommen.

Erleben wir somit vielleicht Alonso, Schweinsteiger und Lahm in der Startelf?

Matthäus: Zuzutrauen ist Guardiola immer alles. Ich sage: Schweinsteiger und Alonso geht nicht. Einer von den beiden mit Lahm, das geht. Allerdings ist denkbar, dass Alonso als alleiniger Sechser auftritt und mit den beiden deutschen Spielern davor. Dazu Müller rechts, Götze links. Das wäre ein kompaktes Mittelfeld mit sehr vielen Weltmeistern!

Kommt noch einmal Unruhe auf, wenn der FC Bayern in Dortmund verliert?

Matthäus: In Dortmund kann man verlieren, da kommt es dann auf das Wie an. Zudem weiß man, dass die Ausfälle dieser drei Weltklasse-Spieler wehtun. Verliert Bayern, wird man trotzdem Meister. Der BVB braucht die Punkte, um noch in die Europa League einzuziehen. Insgesamt ist es eine gute Gelegenheit, sich Selbstvertrauen zu holen. Für Bayern gilt: Eine Niederlage, die zweite in Folge, würde wehtun!

Bayern - Dortmund: So endeten die vergangenen Duelle

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Kommt es nach diesem Spiel noch mehr auf Franck Ribéry an? 

Matthäus: Er ist einer der Spieler, die auf Topniveau den Unterschied ausmachen. So einen Spieler braucht man beim Spiel in Leverkusen und bei den Spielen gegen Porto. Deswegen, so glaube ich, geht man auch jetzt kein Risiko ein. Denn das Spiel gegen Dortmund ist das unwichtigste in den kommenden Wochen.

Waren Sie von den Aussagen von Mats Hummels überrascht? Gerade jetzt spricht er von einem möglichen Wechsel.

Matthäus: Das gehört zum Geschäft dazu. Die Spieler und Vereine sind mittlerweile mit solchen Äußerungen vertraut, das stört die Konzentration auf so ein Spiel sicher nicht. Wie er sich letztlich entscheidet, muss er wissen. Er hat auf jeden Fall ein gewisses Alter, in dem man den Schritt nachvollziehen kann.

Interview: Michael Knippenkötter

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