Gustavos Rückkehr

Luiz: "Freue mich auf meine Freunde in München"

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Luiz Gustavo

Wolfsburg - Das erste Mal nach seinem Wechsel kehrt der Brasilianer Luiz Gustavo zu seinem ehemaligen Verein Bayern München zurück. Doch mit Sentimentalität will sich der Neu-Wolfsburger nicht lange aufhalten.

Vor der Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte wurde Luiz Gustavo nur kurz wehmütig. „Klar habe ich noch viele Freunde und freue mich, sie wiederzusehen“, sagte der Neu-Wolfsburger vor dem Spiel bei Bayern München am Samstag (15.30 Uhr/Sky): „Aber ich habe noch mit keinem telefoniert. Ich will Fußball spielen. Das ist das Wichtigste.“

In München wurde Luiz Gustavo während seiner zweieinhalb Jahre wegen „seiner ruhigen, freundlichen und sehr professionellen Art von allen als feiner Kerl und zuverlässiger Profi geschätzt“, wie Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge zum Abschied betonte.

Für die Wolfsburger Rekordsumme von 20 Millionen Euro war der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler Mitte August vom „besten Verein der Welt“, wie er selbst sagte, zu den international in dieser Saison nicht vertretenen Niedersachsen gewechselt. „Abschiede sind immer ein bisschen kompliziert, das war bei mir nicht anders“, gestand Luiz Gustavo im „Bayern Magazin“. Mit der Entscheidung sei er jedoch „sehr glücklich“, versicherte der Südamerikaner.

In Wolfsburg dagegen ist der „feine Kerl“ ganz schnell zu einem vermeintlich „bösen Buben“ geworden, weil er in nur drei Ligaspielen gleich zweimal mit Gelb-Rot vom Platz flog, erst in Mainz und dann in Leverkusen. Das sei ihm „das erste Mal in meinem Leben passiert“, betonte der Brasilianer, der zuvor in 64 Ligapartien für den FC Bayern gerade einmal zwölfmal Gelb gesehen hatte. „Wenn das so weitergeht, bekomme ich diese Saison fünf- bis zehnmal Rot. Ich habe in zwei Spielen nur vier Fouls gemacht“, haderte Luiz Gustavo nach der zweiten Ampelkarte in Leverkusen.

„Ich versuche, aus solchen Dingen zu lernen, damit sie nicht wieder passieren. Mehr kann ich nicht tun“, sagte der kampfstarke Mittelfeldspieler. Ansonsten könnte er schon bald zum Rekordhalter in der Bundesliga werden: Seine insgesamt sechs Platzverweise wurden in 50 Jahren nur von vier Profis übertroffen: Jens Nowotny (acht), Torsten Kracht, Stefan Effenberg und Sergej Barbarez (je sieben) lieben noch vor ihm. „Luiz hat eine Position, wo man ein bisschen härter spielen muss“, erklärte Bayern-Stürmer Mario Mandzukic nachsichtig: „Er wird kommen, um sein Bestes zu geben. Wir freuen uns auf das Wiedersehen.“

Etliche Zweikämpfe wird Luiz Gustavo auch in München bestreiten und gewinnen müssen, wenn er seine ehemaligen Mitspieler am Erfolg hindern möchte. Überall drohe Gefahr, warnte er: „Jeder Spieler von Bayern hat eine hohe Qualität.“ Ein Patentrezept, wie der Triple-Sieger aufzuhalten und zu knacken ist, hat auch der Insider Luiz Gustavo nicht parat: „Diese Mannschaft überlegt sich immer etwas Neues, man weiß nie, was sie machen, was sie vorhaben.“

Dass seine Rückkehr mit dem Oktoberfest zusammenfällt, ist für ihn kein zusätzlicher Anreiz: „Ich war nicht oft auf der Wiesn“, bemerkte er zu seiner früheren Bayern-Zeit: „Ich trinke keinen Alkohol.“ Auf einen Wolfsburger Sieg würde er freilich schon gerne anstoßen.

Schon in seinen ersten Begegnungen deutete der Brasilianer an, wie wichtig er für seinen neuen Klub werden könnte. Umsichtig, meist unspektakulär, aber mit ungebrochener Siegermentalität agierte er bisher auch im VfL-Trikot. Bei Trainer Dieter Hecking ist Gustavo als unangefochtener Leitwolf gesetzt.

Ganz anders als beim neuen Bayern-Trainer Pep Guardiola. Dort drohte er aufs Abstellgleis geschoben zu werden. Obwohl Guardiola öffentlich nie ein schlechtes Wort über den Neu-Wolfsburger verloren hat. Auch Gustavo spricht nur respektvoll über den Spanier. Es habe „keine Probleme“ mit ihm gegeben, er hätte auch in München, „eine gute Chance gehabt zu spielen“.

So viel gibt Bayern seit 1999 jedes Jahr für neue Spieler aus!

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Der FC Bayern investierte in der Bundesliga-Geschichte bislang so viel wie kein anderer Bundesligaverein in neue Spieler. Uli Hoeneß, jahrelang Manager des FC Bayern, zeichnete bis zu seinem Wechsel in den Vorstand des Rekordmeisters für die meisten dieser Einkäufe verantwortlich. Wir zeigen Ihnen, wieviel die Bayern seit 1999 in jedem Jahr für Neuzugänge ausgegeben haben. © dpa
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Saison 1999/2000: 17,63 Mio € (im Bild: Paulo Sergio. Außerdem Roque Santa Cruz, Patrik Andersson, Slawomir Wojciechowski). © dpa
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Saison 2000/01: 13,9 Mio € (im Bild: Willy Sagnol. Außerdem Ciriaco Sforza, Alou Diarra). © dpa
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Saison 2001/02: 21,85 Mio € (im Bild: Claudio Pizarro. Außerdem Robert Kovac, Niko Kovac, Pablo Thiam). © dpa
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Saison 2002/03: 24,7 Mio € (im Bild: Ze Roberto. Außerdem Sebastian Deisler, Michael Ballack). © dpa
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Saison 2003/04: 25,75 Mio € (Roy Makaay, im Bild: Martin Demichelis, Tobias Rau). © dpa
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Saison 2004/05: 25,5 Mio € (im Bild:Vahid Torsten Frings . Außerdem Lucio, Bixente Lizarazu, Vahid Hashemian, Andreas Görlitz). © dpa
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Saison 2005/06: 10 Mio € (im Bild: Valerien Ismael. Außerdem Julio dos Santos, Ali Karimi, Bernd Dreher). © dpa
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Saison 2006/07: 26 Mio € (im Bild: Lukas Podolski. Außerdem Mark van Bommel, Daniel van Buyten). © dpa
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Saison 2007/08: 82 Mio € - (im Bild: Franck Ribery. Außerdem Breno, Miroslav Klose, Marcell Jansen, Luca Toni, Jose Sosa, Jan Schlaudraff, Hamit Altintop) -die bis dato teuerste Einkaufstour der Münchner. © dpa
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Saison 2008/09: 0 € (im Bild: Tim Borowski. Außerdem Hans Jörg Butt, Massimo Oddo, Landon Donavan) - die bisher einzige "Nullnummer" der Bayern. © dpa
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Saison 2009/10: 79,7 Mio € (im Bild: Arjen Robben. Außerdem Mario Gomez, Anatoliy Tymoschchuck, Danijel Pranjic, Diego Contento, Edson Braafheid, Alexander Baumjohann). © dpa
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Saison 2010/11: 17 Mio € (im Bild: Luiz Gustavo). © dpa
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Saison 2011/12: 44,1 Mio € (im Bild: Manuel Neuer. Außerdem Jerome Boateng, Rafinha, Nils Petersen, Takashi Usami) © dpa
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Saison 2012/13: 66,5 Mio € (im Bild: Javi Martinez. Außerdem Mario Mandzukic, Xherdan Shaqiri, Dante, Mitchell Weiser, Claudio Pizarro, Lukas Raeder, Tom Starke). © dpa
Saison 2013/14: 62 Mio € (im Bild: Mario Götze. Außerdem Thiago Alcantara, Jan Kirchhoff). © dpa

Das aber darf man zumindest bezweifeln, im Mittelfeld des Champions-League-Siegers herrscht ein Überangebot an Top-Spielern. Und so sah es auch ein wenig nach Flucht aus, als Gustavo Mitte August beim Werksklub in Wolfsburg unterschrieb, um seine WM-Chancen in der brasilianischen Nationalmannschaft nicht zu verspielen.

Und obwohl auch namhaftere europäische Spitzenklubs in München angefragt haben sollen, entschied sich der Brasilianer, 2007 für 300.000 Euro Leihgebühr vom Provinzklub Alagoano (2. Liga) nach Hoffenheim gekommen, für Wolfsburg.

Anpassungsprobleme hat Gustavo nicht, mit Spielmacher Diego und Innenverteidiger Naldo bildet er beim VfL eine namhafte brasilianische Achse - auf und neben dem Platz. Ähnlich wie in München mit Dante und Rafinha. Und auch in der VW-Stadt fühlt er sich mittlerweile wohl. „Es ist eine kleine und ganz ruhige Stadt und erinnert mich ein bisschen an meine Zeit in Hoffenheim. Für meine Familie und mich passt das alles ganz gut hier“, sagte er. Seine Verlobte Milene ist derzeit schwanger.

Fußballerisch ist der defensive Mittelfeldspieler ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Das sieht man auch beim kommenden Gegner so: „Wir haben so lange mit ihm gespielt, das ist natürlich komisch. Es ist nicht einfach gegen ihn zu spielen“, sagte Mittelfeldstar Franck Ribery.

Von den fußballerischen Qualitäten her ist der defensive Mittelfeldspieler ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Ob es gegen seinen Ex-Klub allerdings zu Punkten reicht, hängt nicht nur von ihm ab. „Wir müssen 90 Minuten voll konzentriert sein und uns so wenig Fehler wie möglich erlauben“, betonte er: „Und Glück haben.“

Denn die Vorzüge des Gegners, für den er exakt 100 Pflichtspiele absolvierte, kennt er nur zu genau. „Jeder Spieler dort hat Qualität, jeder Spieler kann jederzeit überraschen“, sagt Gustavo: „Wir spielen gegen die derzeit beste Mannschaft Europas. Das wird sehr schwer.“

sid/dpa

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