Interview

Maier: "Khedira hat einen Schub gegeben"

+
Trotz Rückschlag weiter optimistisch: Leonie Maier erlitt einen Muskelfaserriss.

München - Bayerns Nationalspielerin Leonie Maier spricht im Merkur-Interview über den DFB-Test gegen Brasilien, die WM, prominente Verletzte – und den tollsten Job der Welt.

Bei der EM 2013 gehörte sie zu den Stützen der jungen DFB-Auswahl. 2014 fiel sie mit einem Kreuzbandriss aus. Leonie Maier (22) war auf bestem Weg zurück. Vor dem Test gegen Brasilien in Fürth am 8. April bremst die Bayern-Spielerin nun aber ein Faserriss aus. Dennoch hat sie die WM ab 6. Juni in Kanada weiterhin fest im Visier.

Frau Maier, wenn Sie an den Algarve Cup denken, was prägt Ihre Erinnerungen? 2013 gelang Ihnen bei dem Turnier der Durchbruch beim DFB, ein Jahr später rissen Sie sich dort das Kreuzband, nun feierten Sie dort Comeback...

Ich bin ein Typ, der immer die positiven Dinge in den Vordergrund rückt. Aber es war der gleiche Trainingsplatz, auf dem ich mich verletzt habe, wir waren im gleichen Hotel, das war alles schon komisch. Es hilft jedoch keinem, an schlechte Zeiten zu denken. Das Knie macht keine Probleme mehr, da bin ich froh: Ohne Schmerzen haben wir den tollsten Job der Welt. Ich werde hart arbeiten, um meine alte Form zu bekommen. Man muss Geduld lernen.

In der Reha haben Sie Sami Khedira getroffen. Wie war das für Sie?

Das war riesig, zumal er immer mein Vorbild war. Er hat parallel Reha gemacht, mit seinem privaten Physio, da habe ich mit ein Foto gemacht und wir haben etwas geredet. Er hat mir Kraft und Durchhaltevermögen gewünscht, das hat mich extra motiviert. Und als ich dann gesehen habe, wie er nach fünf Monaten Schinderei wieder eine WM spielen konnte, hat das noch mal einen Schub gegeben. Wenn es man will, kann man alles schaffen, mit Durchhaltevermögen und Disziplin, dafür steht Khedira.

Was hat denn Bundestrainerin Silvia Neid gesagt, als Sie nach elf Monaten Auszeit wieder da waren?

Sie hat mir den Wimpel nach dem Brasilienspiel geschenkt, den bekommt meistens diejenige, die die beste Leistung gebracht hat. Bei mir war es ein Willkommensgeschenk. Sie sagte: „Welcome back“, und dass ich wieder die alte Leo werde. Das hat mich gefreut.

Silvia Neid nannte Sie vor der EM 2013 die „Zukunft des Frauenfußballs“.

Das ist eine Riesenehre, wenn so etwas von der Bundestrainerin persönlich kommt. Aber ich weiß, wie Fußball funktioniert. Das war eine Momentaufnahme, ich muss sie jedes Mal bestätigen. Ich darf mich auf so etwas nicht ausruhen.

Bei Ihrer Klubkollegin Lena Lotzen wird es nach einem Kreuzbandriss eng mit der WM-Teilnahme. Was sagt Ihr Gefühl?

Wir reden oft, das hilft einem ja auch, wenn man weiß, dass die andere das Gleiche durchgestanden hat. Ich habe sie auch gleich im Krankenhaus und später in der Reha besucht und ihr Mut zugesprochen. Sie ist jetzt bei Bayern wieder voll im Training, hat sogar schon 30 Minuten gespielt. Ich denke, sie schafft es.

Wer werden die größten Widersacher beim Kampf um den WM-Sieg?

Ich schätze Frankreich stark ein: Athletisch, taktisch, spielerisch – sie sind mit die Besten und gehören klar zum Favoritenkreis. Auch die USA und Schweden habe ich ganz oben auf meinem Zettel. Diesmal gibt es einige Teams, die Weltmeister werden können. Vielleicht so viele wie nie. Frankreich fand ich bei der EM bereits stark, aber sie haben es bis jetzt nie geschafft, wenn es darauf ankommt, bis zum Ende Leistung abzurufen. Das ist vielleicht so wie lange bei Spanien bei den Männern.

Das DFB-Lazarett ist prominent bestückt. Die Bundestrainerin sagt, wenn sich eine weitere Schlüsselspielerin verletzt, wird es schwer mit dem WM-Titel.

Für uns ist es nicht optimal, wenn eine Nadine Keßler zum Beispiel nicht dabei sein kann. Das ist die Weltfußballerin, sie fehlt sportlich wie als Persönlichkeit. Auch Saskia Bartusiak, wenn sie es nicht schafft, wäre ein immenser Verlust. Aber ich habe auch noch den EM-Sieg im Kopf, als es ähnlich war. Wir mussten einen großen Umbruch vornehmen, viele ältere Spielerinnen hatten aufgehört, viele Leistungsträgerinnen fielen kurzfristig aus, dennoch haben wir es als Mannschaft, als Kollektiv sehr gut hinbekommen. Jetzt beim Algarve Cup wurde auch viel ausprobiert, viel gewechselt, und große Leistungseinbrüche gab es eigentlich nicht. Ich denke, das zeichnet uns aus, dass wir sehr gut als Kollektiv auftreten. Klar darf aber nicht mehr allzu viel passieren, irgendwann sind die Reserven natürlich verbraucht. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass es Lena und Saskia schaffen.

US-Star Abby Wambach sagt ohnehin, sie ließe sich von den deutschen Personalsorgen nicht irritieren. „Deutschland wird auf den Punkt bereit sein“, sagte sie, sie hat Heidenrespekt.

Ich hoffe, sie hat Recht. Den Respekt haben wir uns erarbeitet. Es ist gut, dass wir so wahrgenommen werden. Brasilien wird jetzt ein wichtiger Test: Ein sehr starker Gegner, technisch unheimlich gut, ihre Spielgeschwindigkeit ist sehr hoch, und für ihre Konter sind sie auch bekannt. Gegen solche Namen willst du unbedingt spielen, für sowas trainierst du. Die Fans können sich freuen. Wir haben nicht mehr so viel Zeit, jetzt zählt jede Spielminute, und jede Spielerin will sich der Bundestrainerin zeigen. Brasilien hat nach dem Algarve Cup eine Rechnung mit uns offen. Sie werden voll motiviert sein.

Sie sind zwar erst 22, aber bereits Europameisterin und gehören schon eine Weile zum DFB-Stamm. Wie sehen Sie sich: Bereits als eine, die mit das Kommando führt – oder noch immer eher als Heranwachsende?

Ich sehe mich schon eher als Nachwuchs, bin noch keine, die jetzt das Heft in die Hand nimmt. Ich versuche, mit meiner Leistung zu überzeugen und die anderen mitzureißen. Große Reden auf dem Platz wären in meinem Fall nicht so angebracht. Aber wenn ich so nach und nach zurückkomme, möchte ich schon auch einmal Verantwortung übernehmen. Das ist mein Ziel.

Auch interessant

Meistgelesen

So kommen Sie noch an Tickets für den FC Bayern
So kommen Sie noch an Tickets für den FC Bayern
Transfergerücht: Bayern an Napoli-Superstar dran
Transfergerücht: Bayern an Napoli-Superstar dran
Klare Ansage im Kampf um Goretzka: Bayern bekommt Konkurrenz aus Italien
Klare Ansage im Kampf um Goretzka: Bayern bekommt Konkurrenz aus Italien
Transfergerüchte und aktuelle News: Welche Spieler sind beim FC Bayern München im Gespräch?
Transfergerüchte und aktuelle News: Welche Spieler sind beim FC Bayern München im Gespräch?

Kommentare