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„Man darf nicht verkrampfen ...“

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Christian Nerlinger tritt ein schweres Erbe an. © Getty

München - Bayern Münchens künftiger Manager Christian Nerlinger spricht im Interview über das schwere Erbe eines Uli Hoeneß, die Zukunft des FC Bayern und Luca Toni.

Am Freitag beginnt beim FC Bayern eine neue Zeitrechnung. Uli Hoeneß übergibt den Managerposten an Sie, Herr Nerlinger. Der 27. November – auch für Sie ein historischer Tag?

Christian Nerlinger: Ich glaube schon, dass es ein besonderer Tag für uns alle ist. Die Strukturen im Verein ändern sich. Es wird einem richtig bewusst, was in den vergangenen Jahrzehnten unter Uli Hoeneß aufgebaut wurde. Uli ist eine besondere Persönlichkeit. Ab Freitag wird das Ganze nun in erster Linie nach außen hin neu strukturiert.

Was wird sich in Ihrem Arbeitsalltag ändern?

Nerlinger: Es ist ja eher ein formeller Schritt. Im Verein wird sich nicht vom einen auf den anderen Tag alles ändern, es wird nach Freitag erst einmal nichts anders sein als zuvor. Es ist ohne Frage ein Einschnitt, eine Veränderung, für die wir uns alle Zeit geben müssen. Man kann nicht nach einem Abend sagen: Jetzt ist alles anders, jetzt bin ich der Manager und mache alle Aufgaben eines Uli Hoeneß.

Uli Hoeneß: Sein Leben in Bildern

Ohne Frage kommt viel Arbeit auf Sie zu.

Nerlinger: Das muss sich mit Natürlichkeit einspielen, man darf nicht verkrampfen. Ohne Frage wird es schwer. Aber ich denke, Uli Hoeneß hätte mich nicht für diese Aufgabe ausgewählt, wenn er nicht volles Vertrauen in mich hätte.

Nerven Sie die Vergleiche mit Hoeneß schon jetzt?

Nerlinger: Die Vergleiche Hoeneß-Nerlinger sind aberwitzig, das hinkt total. Mich jetzt mit Uli zuvergleichen, ergibt keinen Sinn und ist nicht seriös. Er ist weiter hier in seinem Büro, wir arbeiten Hand in Hand. Ich werde in die Verantwortung hineinwachsen.

Spüren Sie Zeitdruck?

Nerlinger: Ich hoffe auf eine faire Chance, dass man mir wirklich zwei, drei Jahre Zeit gibt. Alles andere ist unseriös. An dieser Zeitspanne lasse ich mich messen.

In der Winterpause sind Sie erstmals für Transfers zuständig.

Nerlinger: Nach aktuellem Stand werden wir im Winter keinen Spieler verpflichten. Aber natürlich sind Transfers ein Aspekt, an dem ich mich messen lasse. Ich werde – immer in Zusammenarbeit mit dem Vorstand, mit dem Trainer und weiterhin auch mit Uli Hoeneß – wichtige Entscheidungen treffen.

Rudi Völler glaubt, dass Hoeneß weiter bei den Verhandlungen mitmischt.

Nerlinger: Das wird man sehen. Irgendwann wird Uli nicht mehr dabei sein. Aber eben nicht von einem Tag auf den anderen. Im Gegenteil! Der Verein hat sich entschieden, mich zu installieren – aber ich bin froh, Uli noch an meiner Seite zu haben.

In fachlichen Dingen kann Ihnen Hoeneß helfen. Können Sie aber auch, wie er selbst es sagt, „die Herzen der Menschen“ gewinnen?

Nerlinger: Ich glaube das ist auch ein Grund, warum die Wahl auf mich gefallen ist. Ich bin als 14-Jähriger zum FC Bayern gekommen, ich weiß, was dieser Verein bedeutet. Das ist kein steriles Unternehmen, sondern viel mehr – speziell auf der menschlichen Ebene.

Die aktuelle Transferbörse des FC Bayern

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Spannend wird, wie viel Verständnis die Mitglieder am Freitag für die aktuelle sportliche Lage haben…

Nerlinger: Wir wollen nichts schönreden: wir haben momentan eine Situation, die uns allen nicht gefällt. Das muss man so kritisch sagen. Wir alle brauchen jetzt einfach Siege in den restlichen Spielen bis zu Winterpause. Aber wir stellen uns der Kritik und gehen damit um. Deswegen werden auch der Trainer und die Manschaftskapitäne bei der Jahreshauptversammlung erscheinen. Wir machen eine für uns ungewohnte Phase durch – aber wir sollten schon mal feststellen: der FC Bayern München ist ein in den Grundfesten überaus gesunder Verein. Hier wird gute Arbeit abgeliefert, der Verein ist top. Dass wir momentan bei den sportlichen Ergebnissen nicht zufrieden sind, dazu darf man z. B. auch unser Verletzungspech nicht vergessen. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich beispielsweise Arjen Robben wieder laufen – das stimmt mich hoffnungsfroh.

Wann kehrt Robben zurück?

Nerlinger: Er hat im Aufbautraining klasse gearbeitet. Wir sind sehr zuversichtlich, dass er am Sonntag spielen kann – im Kader wird er gegen Hannover auf jeden Fall stehen.

Besteht die Gefahr, dass seine Knieprobleme chronisch werden?

Nerlinger: Nein. Der Eingriff am Knie war eine harmlose OP, es gab kleine Nachwehen. Aber er ist auf einem guten Weg.

Geht Toni in der Winterpause?

Nerlinger: Darüber haben wir noch nicht gesprochen. Aber wenn er seine Haltung nicht grundsätzlich ändert, wird das nach dem Ende der Hinrunde ein Thema sein.

Interview: Tobias Altschäffl

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