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„Ich hoffe, Sané beißt City nicht in den A****“: England-Legende Rösler spricht über Bayern-Kracher

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Von: Philipp Kessler

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Am Dienstag empfängt Manchester City den FC Bayern im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League. In der tz spricht City-Legende Uwe Rösler über die Duelle.

Manchester - In Manchester ist Uwe Rösler (54) noch immer eine Legende. Als erster Deutscher bei Man City seit Bert Trautmann hat er Pionierarbeit auf der Insel geleistet. Aktuell coacht Rösler Aarhus GF in Dänemark, am Dienstagabend aber schaltet er freilich den Fernseher ein. Über das Viertelfinal-Duell in der Champions League der Citizens gegen den FC Bayern spricht Rösler im tz-Interview.

Herr Rösler, zwischen 1994 und 1998 haben Sie für Manchester City in der Premier League und First Division gespielt. Nun ist der Verein einer der besten Vereine in Europa. Was ist der größte Unterschied zu damals?
Rösler: Die Besitzverhältnisse haben sich brutal geändert - erst mit dem ehemaligen Premierminister Thailands Thaksin Shinawatra, dann mit Scheich Mansour. Die Infrastruktur und die Spieler-Kaliber kann man auch nicht mit der Zeit Anfang bzw. Mitte der 90er-Jahre vergleichen. Manchester City war damals ein englischer Verein, der eigentlich kontinuierlich in der 1. Liga war. Manchester City hat sich von einem lokalen Arbeiterverein zu einem globalen Verein entwickelt.

Kümmert sich der Klub noch um Legenden wie Sie?
Rösler: Natürlich. Der Verein hat sich immer bestens um mich gekümmert - als ich dort war und als ich krank war. Der Klub hat sich auch um meinen Sohn Colin gekümmert, der neun Jahre in der Akademie gespielt hat. Selbst während der Corona-Pandemie ist der Kontakt nie abgerissen. Ich wurde jetzt auch zum Spiel gegen Bayern eingeladen. Aber ich konnte nicht zusagen, da ich mit Aarhus in der Meisterrunde in Dänemark spiele. Mein Job hat es im Moment nicht zugelassen.

Uwe Rösler
Steht bei Aarhus GF in Dänemark unter Vertrag: Trainer und ManCity-Legende Uwe Rösler. © Roland Weihrauch/dpa

Uwe Rösler: „Manchester City hat bewiesen, dass man mit viel Geld auch viel richtig machen kann“

Die Verantwortlichen des FC Bayern sticheln gerne gegen Investoren-gestützte Klubs wie Manchester City. Vor allem Uli Hoeneß teilt gerne aus. Was entgegnen Sie dem?
Rösler: Ganz ehrlich: Das interessiert mich wenig. Manchester City hat bewiesen, dass man mit viel Geld auch viel richtig machen kann. Der Verein hat die finanzielle Power durch Scheich Mansour ja nicht nur in die Mannschaft gesteckt, sondern auch in die Infrastruktur. Was viele nicht wissen: Der ganze Osten der Stadt war chemisch verseuchtes Land. Mit dem Investoren-Geld wurde alles entfernt, es wurden Wohnungs- und Arbeitsplätze geschaffen. Die neuen Besitzer haben unheimlich viel für unseren Verein und die Stadt gemacht.

Warum konnte Manchester City trotz der großen Investitionen noch nicht die Champions League gewinnen?
Rösler: Das ist ja keine Liga, wo sich über die gesamte Dauer die Klasse durchsetzt. Die Champions League ist ein Turnier mit K.o.-System. Da kommt es auf Nuancen: Wer ist im März, April, Mai in Topform? Welches Team hat all seine wichtigen Spieler fit? Wer hat ein gutes Momentum? In der Weltspitze spielen all diese Fragen eine wichtige Rolle. Manchester City bemüht sich sehr stark, dass alles passt. Sie haben grundsätzlich alles, was es braucht, einen sehr guten Kader und einen ausgezeichneten Trainer.

Uwe Rösler: „Dieses Jahr ist der Champions-League-Triumph zwar machbar, aber natürlich schwierig“

Warum klappt es diese Saison mit dem Henkelpott?
Rösler: Wir waren ja schon nahe dran. In den entscheidenden Halbfinalspielen und im Finale haben wir es aber nicht hinbekommen, unser Top-Potenzial abzurufen. Allerdings: Je öfter man in so einer Situation ist, desto mehr Erfahrung bekommt man und desto größer wird die Chance, dass es mit dem Titel klappt. Dieses Jahr ist der Champions-League-Triumph zwar machbar, aber natürlich schwierig. Der FC Bayern hat eine Klasse-Mannschaft, die auch die Champions League gewinnen kann. Es werden zwei Spiele komplett auf Augenhöhe. Wenn Manchester City es hinbekommt, Bayern auszuschalten, dann ist die Chance auf den Titel groß.

2021 scheiterte ManCity als großer Favorit im Finale an Chelsea. Der Trainer der Londoner war damals der neue Bayern-Coach Thomas Tuchel. Ein böses Omen fürs Viertelfinale?
Rösler: Thomas Tuchel ist ein hervorragender Trainer. Was er in kurzer Zeit bei Chelsea geleistet hat, war Elite-Coaching auf ganz hohem Niveau. Seine Kenntnisse vom englischen Fußball und Manchester City gepaart mit der Qualität, die er im Kader hat, tun dem FC Bayern gut. Es werden ganz enge Spiele. Hoffentlich mit dem besseren Ende für Manchester City.

„Pep Guardiola ist ein Geschenk für unseren Verein“

Pep Guardiola wird oft vorgeworfen, dass er sich in den großen Spielen verzockt. Wie bewerten Sie seine Leistung als ManCity-Trainer?
Rösler: Er ist ein Top-Coach. In fünf Jahren in England ist er mit Manchester City viermal Meister geworden. In einer Liga, in der drei bis vier Mannschaften das Zeug zum Titel haben. Das ist eine Top-Leistung. Ich bewerte seine Leistung als Trainer-Kollege: Die Champions League zu gewinnen, ist nicht so einfach. Da muss vieles stimmen. Fakt ist: Pep Guardiola ist ein Geschenk für unseren Verein.

Top-Torjäger Erling Haaland ebenso. Er ist wieder fit. Wie kann Bayern ihn stoppen?
Rösler: Im Strafraum und im Konterspiel ist er unglaublich stark. Auch seine Bewegungen und sein Kopfball werden besser. Aber City ist ja nicht nur Haaland. Man muss seinen Lieferdienst stoppen. Man muss die Vorlagen von Kevin de Bruyne, Jack Grealish, Riyad Mahrez oder Bernardo Silva unterbinden. Aber bei City bekommt man als Stürmer immer Chancen.

Man muss den Lieferdienst auf Haaland stoppen!

Uwe Rösler

„Ich hoffe, dass Leroy Sané nicht zurückkommt und uns in den Arsch beißt“

Auf welchen Bayern-Star muss City besonders aufpassen?
Rösler: Ich hoffe, dass Leroy Sané nicht zurückkommt und uns in den Arsch beißt (lacht). Spieler, die gegen ihren Ex-Verein spielen, sind meistens extra motiviert. Er hat außergewöhnliche Fähigkeiten, das hat er bei Manchester City bewiesen. Er wurde damals zum besten Newcomer der Premier League gewählt. Er hat gezeigt, was er für Qualitäten hat. Ich gehe davon aus, dass City viel Ballbesitz haben wird. Sané kann dann mit seiner Konterstärke zu einem Schlüsselspieler für die Bayern werden.

Der Vertrag von Ilkay Gündogan läuft im Sommer aus. Sollte Manchester City mit ihm verlängern?
Rösler: Klar, das würde ich auf jeden Fall machen. Aber die Frage ist, ob er verlängern will. Er ist ein Klasse-Spieler. Wenn man Kapitän einer solchen Mannschaft mit einem solchen Trainer ist, dann sagt das viel über seinen Stellenwert aus. Er ist auch bei den Fans sehr beliebt.

Leroy Sané
Leroy Sané wechselte 2020 von Manchester City zum FC Bayern © Sven Hoppe/dpa

Uwe Rösler ist inzwischen Trainer in Dänemark

Wie geht es Ihnen aktuell als Trainer von Aarhus?
Rösler: Uns geht’s gut. Letztes Jahr wäre der Verein fast abgestiegen. Ich bin im Sommer gekommen und uns ist es in dieser Saison gelungen, uns für die Meisterrunde zu qualifizieren. Das ist ein sehr guter Fortschritt. Mir macht der Job Spaß, wir entwickeln uns weiter. Wir wollen die etablierten Vereine wie den FC Kopenhagen ein bisschen ärgern. Hoffentlich können wir dieses Jahr um den dritten Platz kämpfen. Interview: Philipp Kessler

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