Auch die Kapitänsbinde musste weg

Neuer: Kuriose Pinkelpause vor dem Showdown

München - Es war eine kuriose Szene nach den 120 Minuten. Manuel Neuer sprintet vom Rasen direkt in die Kabine. Nach einer kurzen Pinkelpause kommt er zurück und avanciert zum Elfmeter-Helden.

Manuel Neuer hielt den ersten Strafstoß von Josip Drmic.

Am Ende wussten die Bayern, bei wem sie sich zu bedanken hatten. Wieder einmal. „Wir wussten, dass wir den besten Torwart der Welt hinten drin haben. So war es dann ja auch“, dankte Sebastian Rode seinem Keeper artig. Denn ohne Manuel Neuer wäre der Halbfinaleinzug für den FC Bayern ungleich schwerer geworden – nicht erst im Elfmeterschießen. „Ich bin da mit einem sehr, sehr guten Gefühl reingegangen“, verriet Philipp Lahm seine Gemütslage vor dem Schlussakt des nervenaufreibenden Pokalfights und erklärte auch warum: „Weil wir natürlich einen überragenden Torhüter haben. Aber auch weil ich wusste, dass unsere fünf Schützen sehr gut schießen können.“ Die verwandelten ihre Strafstöße auch allesamt, während Neuer direkt den ersten Leverkusener Versuch von Josip Drmic entschärfte. Als Held wollte sich der Gefeierte deshalb aber nicht betiteln lassen. „Unsere Schützen waren auch gut – genauso wie die von Leverkusen. Es ist natürlich bitter, dass aus so einem Spiel auch ein Verlierer hervorgeht“, meinte der 29-Jährige.

Dass die Münchner den Platz am Ende als Sieger verließen, war auch ein Verdienst des Welttorhüters. In der ersten Halbzeit war er noch kaum gefordert, in der zweiten musste er plötzlich voll da sein. Er war es. Gleich zweimal parierte er überragend gegen Karim Bellarabi (65., 78.) und verhinderte damit den Rückstand der Roten. „Wir wissen, was wir an Manu haben“, war Matthias Sammer froh. Doch weil seine Kollegen in der Offensive auch beste Chancen ausließen, musste nach 120 torlosen Minuten das Elfmeterschießen die Entscheidung bringen. Während sein sechs Jahre jüngerer Kontrahent Bernd Leno zwar an den Elfern von Müller und Götze dran war, den Einschlag aber nicht verhindern konnte, fischte Neuer den Versuch von Drmic aus dem Eck. Auch Bayer-Coach Roger Schmidt gab zu: „Heute haben wir die beiden besten Torhüter gesehen. Der beste steht bei den Bayern im Tor.“

Presse über Elfer-Held Neuer: "Vom Klo zwischen die Pfosten

Presse über Elfer-Held Neuer: "Vom Klo zwischen die Pfosten"

Und der hatte sich auf das Elferschießen auch bestens vorbereitet. Nach dem Ende der Verlängerung verschwand Neuer kurz in den Katakomben der BayArena, um sich vor dem finalen Akt noch einmal zu erleichtern. Als er zurückkam, holte er sich von Schiri Felix Zwayer noch die Erlaubnis, die Kapitänsbinde ablegen zu dürfen. „Das ist ein angenehmeres Gefühl, da ist ja auch immer ein bisschen Spannung drauf und man tut halt alles, um entspannt ins Elfmeterschießen zu gehen“, verriet der Weltmeister. Dank ihm steuern die Roten zum dritten Mal in Folge das Pokalfinale in Berlin (30. Mai) an. Drei Pokalsiege in Serie sind noch keinem Verein geglückt. Schaffen die Bayern das historische Pokal-Triple? Nach seiner Pinkelpause hat Neuer den Grundstein dafür am Mittwoch schon gelegt.

Die Gründe für Neuers Elfmeterkiller-Qualitäten

Reine Armsache:Mit freiem Arm fängt sich’s leichter. „Die Kapitänsbinde macht ein wenig Druck auf den Arm“, sagt Neuer. Deshalb legte er sie vor den Duellen ab.

Reine Bauchsache:Kaum war die Verlängerung abgepfiffen, sprintete Neuer in die Katakomben, um sich zu erleichtern. Im entscheidenden Moment zählt das Bauchgefühl.

Reine Kopfsache:In neun Jahren als Bundesliga-Torwart standen ihm viele Spieler gegenüber. Sechs der letzten 19 Elfer hat er gehalten, eine Quote von 31,5 Prozent.

Reine Beinsache:Neuer feilt ständig an seiner Sprungkraft. Auch seine 1,93 Meter Körpergröße helfen dem Keeper, auf noch weit entfernte Bälle zu hechten.

sw

Rubriklistenbild: © dpa

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