Kritik am FCB

Marcel Reif: „Die Bayern sind in ihre eigene Falle getappt“

Marcel Reif: „Es hat an Kader-Management gefehlt.“
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Marcel Reif: „Es hat an Kader-Management gefehlt.“

Ex-Kommentator Marcel Reif poltert gegen den FC Bayern München und attackiert Trainer Carlo Ancelotti. Der FCB habe vor allem „strukturelle Probleme“.

„Dass sich über einen Meistertitel jetzt keiner wirklich freut, ist eigentlich unerträglich“ schreibt Marcel Reif und diagnostiziert in seiner feinen Art: „die Bayern sind in ihre eigenen Fallen getappt.“ Der Ex-TV-Kommentator blickt in seiner Kolumne „Reif für die Bundesliga“ für The Red Bulletin hinter die Kulissen des FC Bayern München und übt heftige Kritik am deutschen Meister. 

Reif hat es besonders auf Carlo Ancelotti abgesehen, den er zwar als großartigen Trainer bezeichnet, er sich allerdings trotz Meistertitel einige Fragen gefallen lassen sollte. Wieso zum Beispiel Thomas Müller nicht mehr funktioniert oder warum Coman, Costa, Kimmich und Sanches nicht in der Lage sind, den Ausfall fehlender oder überforderter Stammkräfte zu kompensieren? 

„Ancelotti hätte spüren müssen, dass es strukturelle Probleme gibt“

Strukturelle Probleme zu erkennen, bezeichnet Reif als „die Kunst, einen Kader zu managen und in einer gesunden Balance zu halten.“ Das hat seiner Meinung nach unter Ancelotti bisher nicht funktioniert. „Wenn ich sehe, wie Costa nach einer Einwechslung auf beleidigt macht, bekomme ich das Bedürfnis, ihn persönlich zum Flughafen zu fahren“, schreibt Reif in „The Red Bulletin“

Zudem stellt er in Frage, ob Kimmich ein würdiger Nachfolger von Phillip Lahm sein wird. „Der unglückliche Kimmich schaut wie ein weidwundes Reh, und mir gefällt seine Körpersprache nicht“, kommentiert der 67-Jährige. Man müsse ihn mal fragen, wieso er sich denn so hängen lasse? Dabei hat ihn Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge zum Lahms Nachfolger bestimmt.

„Es hat an Kader-Management gefehlt“

Reif war sich beim Abgang von Matthias Sammer eigentlich sicher, dass der FC Bayern keinen Sportdirektor braucht. Angesichts der geballten Kompetenz würde das von allein funktionieren, glaubte er. Heute denkt der pensionierte TV-Kommentator anders und kritisiert: „Es hat an Kader-Management gefehlt.“ Mit den Abgängen von Lahm und Xabi Alsonso seien Hierarchien weggebrochen.

Auch in der Jugendarbeit der Münchner sieht Marcel Reif eine negative Entwicklung. „Während bei Real oder Barcelona regelmäßig Spieler aus dem eigenen Stall nachrücken, wird das von Uli Hoeneß vorangetriebene Jugendzentrum bestenfalls in einigen Jahren Früchte tragen“, schreibt der Fußball-Kommentator. Ein unentdecktes Juwel zu finden, das sofort weiterhilft, halte er in der gläsernen Fußballwelt für ziemlich unmöglich. 

Mit Barca, Real, Manchester City und United heulen 

Auf jede Transfersumme müsse der „Bayern-Obolus“ draufgeschlagen werden, und die Münchner müssen jetzt wohl oder übel mit den Alphawölfen wie Barca, Real, Manchester City und United mitheulen, schreibt Reif und erklärt: „Diesen Wahnsinn, auch in Richtung dreistelliger Millionenbeträge zu gehen, wollten die Bayern immer vermeiden.“ Reif stellt die Frage in den Raum, wie man teure Stars nach Bayern lockt, die sich dann freiwillig hinter Manuel Neuer und Robert Lewandowski anstellen? 

Der FC Bayern müsse in Zukunft bei den Transfers höchst kreativ sein und „sich auf die wenigen sündteuren Alleskönner konzentrieren müssen“, schreibt der 67-Jährige. Die Bayern müssten sich ausgiebig schütteln und die Wunden lecken. „Das deutsche Flaggschiff ist in einen Tsunami gesegelt, jetzt ist eine Generalrenovierung unumgänglich [...] Es wird in der nächsten Saison neue Bayern geben müssen, sonst bleibt auch in der Bundesliga die obligate Dominanz nicht gottgegeben“, schreibt der Ex-Fernsehkommentator. 

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Marko Orlovic

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