Löw lobt Beweglichkeit und Fitness

Mario Gomez: "Bei Bayern im Sechzehner rumgestanden"

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Beidseitige Zufriedenheit: Mario Gomez und Joachim Löw.

München - Der Mario Gomez von 2016 erinnert an den Mario Gomez in seinen frühen Jahren in Stuttgart: Für ihn sind Tore nicht mehr alles.

Botschaft an alle Frauen: Mario Gomez hat sich verändert. Er hat nicht mehr diese weichen Züge, die ihm die Anmutung von Verträumtheit gaben. Seine Wangen sind jetzt hohl, sein Gesicht hat Kanten und Konturen bekommen. Er hat die Haare immer noch recht schön, aber an den Seiten deutlich kürzer, seine Frisur wirkt nun nebensächlicher. Wenn Mario Gomez über seine Wandlung als Fußballer spricht, dann fängt er an mit: „Auch wenn mir das keiner glaubt: Ich bin jetzt 30 – also, das glaubt man mir schon...“

Worauf er hinaus will: Er hat ein Alter erreicht, in dem man manches anders sieht, und bei ihm ist es so – und das, so meint er, wolle ihm womöglich niemand abnehmen - „dass mir Tore nicht mehr so wichtig sind“. Warum das? „Ich habe ja viele Tore gemacht in meiner Karriere, und es war nicht immer Zufriedenheit zu spüren.“ Oft ist gefragt worden: Hat er sonst noch am Spiel teilgenommen? „Ich hatte Angst, er liegt sich wund“, lästerte TV-Experte Mehmet Scholl bei der EM 2012 – in einem Spiel, das Gomez entschied.

Mario Gomez - der Reservist vom FC Bayern

Das Meinungsbild zu ihm war wie wohl bei keinem anderen Spieler nach Geschlechtern getrennt: Männer – Gomez-Kritiker, die sagten, man brauche den Schnösel nicht. Frauen – Gomez-Versteher, die meinten, ein Tor sei noch schöner, wenn es ein schöner Mensch erziele. Es kam dann allerdings eine lange Phase, in der Mario Gomez auch die Tore schuldig blieb. Er war Reservist beim FC Bayern (2012/13), große Hoffnung, aber Fehleinkauf des AC Florenz (2013 bis 15), er wurde transferiert in die Türkei, deren Liga kein Sprungbrett ist, sondern das Becken, in das man fällt. Und in dem man noch ein wenig plantscht.

Doch Mario Gomez ist es geglückt, von Istanbul aus neu durchzustarten. Er war schon beim „Terrorspiel“ von Paris am 13. November wieder dabei, und er war am Samstag in Berlin gegen England der neben Toni Kroos beste deutsche Spieler. Er erzielte das 2:0 (mit einem Kopfball), eigentlich hätte das das 3:0 sein müssen, da er in der ersten Halbzeit schon ein Tor geschossen hatte, das Referee Gianluca Rocchi fälschlicherweise als Abseitsposition heraus erzielt sah und nicht anerkannte. „Italienischer Schiedsrichter – läuft nicht bei mir“, sagt Mario Gomez. Es ist eine Anspielung auf die fruchtlosen zwei Jahre in der Serie A.

Mario Gomez wurde bei seiner Auswechslung in der 80. Minute vom sonst zurückhaltenden Publikum in Berlin mit anerkennendem Applaus bedacht. Nicht nur wegen des Tores, sondern vor allem, weil die Leute gesehen hatten, dass da einer wertvolle Arbeit abgeliefert hatte. „Ich versuche, mit meiner Fitness zu helfen, da hinzugehen, wo ich muss, das gelingt mir, ich habe wieder die Power, um diese Wege zu machen“, sagt Gomez, „so wie ich das in Stuttgart gemacht habe“. Zu Zeiten seines Beginns in der Bundesliga. 2009 wechselte er nach München. „Bei Bayern musste ich mich umstellen, weil wir sehr offensiv gespielt haben und ich nur im Sechzehner rumgestanden bin und meine Stärken verloren habe, auf den Gegner draufzugehen. Mittlerweile bin ich wieder da, wo ich mal war.“ Der Gomez 2016 ist eine Neuversion des Gomez 2006 bis 09. Wichtig sei ihm „guter Kontakt mit dem Trainer“, mit Joachim Löw kommt Gomez klar, obwohl er nicht für die Weltmeisterschaft nominiert worden war: „Ich hege deswegen keinen Groll. Ich war damals einfach nicht in der Verfassung.“

"Seine Position ist für uns klar definiert"

Am Dienstag gegen Italien wird den Platz ganz vorne wohl der andere Mario einnehmen: Götze. Ihm ist das Spiel von Löw zugesagt worden, und Thomas Schneider, der Assistent des Bundestrainers, deutet an, dass man Götze als verkappten Mittelstürmer begreife: „Seine Position ist für uns klar definiert.“ Gomez wird also seinen Platz räumen, möglich ist aber seine Einwechslung. „Es wäre nicht schlecht, zu sehen, wie er da aussieht“, sagt Schneider. Joker-Einsätze haben Mario Gomez allerdings noch nie behagt. Er erklärte e mal so, dass es bei ihm als schwererem Spieler halt ein wenig dauere, bis es auf Touren komme.

Löw jedoch lobt Beweglichkeit, Fitness und Laufpensum von Gomez, und dass dieser torgefährlicher ist als die vielen Falsche-Neun-Varianten, die Löw schon ausprobiert hat, nimmt der Bundestrainer gerne mit. Gomez mag zwar Abstand genommen haben, sich ausschließlich über Tore zu definieren, doch auch in der Gelassenheit, die das Alter mit sich bringt, rückt er nicht ab von einem Faible der Jugend. Das ist bei ihm: sich auf Youtube Tore aus aller Welt anzusehen. Er weiß genau, was Jamie Vardy, der neue englische Star, der in Berlin das 2:2 mit einem unverschämten Hackentrick erzielte, mit Leicester City in der Premier League so alles anstellt. „Ich mag solche Geschichten ja, ich finde sie geil.“

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