Kampf durch die Leidenszeit

Martinez: "Manchmal bin ich traurig"

+
Javi Martinez.

Doha - Im Trainingslager in Doha zeigt sich Javi Martinez freundlich. In ihm drin aber sieht es oft ganz anders aus.

Man kann sich eigentlich kaum vorstellen, dass Javi Martinez mal nicht gut drauf ist. Wenn der Spanier auf der Aspire Anlage aus dem Gebäudekomplex kommt, in dem die verletzten Spieler individuell an ihrer Rückkehr arbeiten, hat er immer ein Lächeln auf den Lippen. Er grüßt die Fans, er freut sich, wenn er auf einem kleinen Elektrowagen zurück zum Hotel gefahren wird. In ihm drin aber sieht es oft ganz anders aus.

„Manchmal bin ich traurig, wenn ich die anderen beim Training sehe“, gab der 26-Jährige gestern zu. Es war schwer für ihn zu schlucken, dass er ausgerechnet in der Phase, in der er sich zu einem von Pep Guardiolas Lieblingen entwickelt hatte, diesen herben Rückschlag verkraften musste. Im Supercup gegen Borussia Dortmund war ihm im August des vergangenen Jahres das Kreuzband gerissen. Seitdem arbeitet der Defensivspieler an seinem Comeback, er wird aber regelmäßig auch von Selbstzweifeln geplagt.

„Ich träume nachts vom Fußball. Ich träume vom Positionsspiel. Ich träume von Bällen“, erzählte er über seine Leidenszeit. Normalerweise habe Martinez zuhause immer einen Ball in der Hand, „ich brauche ihn“, sagt er. In der Phase von 2014, in der er sein Knie gar nicht belasten konnte, war er daher ein anderer Mensch. Den Kontakt zu seinen Mitspielern hat Martinez zum Teil bewusst gemieden. Zu sehen, was die anderen ohne ihn machen, hätte ihn noch mehr belastet. Jetzt, wo es langsam bergauf geht, wo absehbar ist, dass er „hoffentlich im März“ mit der Mannschaft trainieren kann, ist er aber froh, wieder näher dran zu sein. Mit Guardiola etwa spricht der Spanier „jeden Tag. Er ist genau über meinen Heilungsverlauf informiert.“

Es ist kein Geheimnis, dass Martinez bei Bayern als ein Spieler gilt, dem ab und an der nötige Zug fehlt. Auch während seiner Reha-Zeit sickerte schon mal durch, dass etwas mehr Biss auf dem Weg zum Comeback wünschenswert wäre. Immerhin vermittelt der Nationalspieler dieser Tage in Doha den Eindruck, als sei er etwas fokussierter geworden. Zum ersten Mal seit seinem Wechsel 2012 sprach er in einer Presserunde deutsch, zudem gab er an, „mit gutem Gefühl zurück aus dem Weihnachturlaub“ gekommen zu sein: „Jetzt muss ich daran arbeiten, Muskeln aufzubauen und das Knie wieder zu kontrollieren.“

Den Tipp, sich nicht auf einen Comeback-Zeitpunkt festzulegen, hat er von seinem Leidensgenossen Holger Badstuber dankend angenommen. „Ich mache mir keinen Druck“, sagt er, bevor er dann doch traurig schaut und hinzufügt: „Ich würde am liebsten jetzt anfangen – aber ich kann nicht.“  

hls

Bilder: Bayern mit lockerem Sieg über Katar Allstars

Bilder: Bayern mit lockerem Sieg über Katar Allstars

Auch interessant

Meistgelesen

Neuer Versuch: Zidane will Alaba zu Real locken
Neuer Versuch: Zidane will Alaba zu Real locken
Goretzka: Angeblich gibt es eine Tendenz
Goretzka: Angeblich gibt es eine Tendenz
Nach Ancelotti-Trennung: Inter will Vidal im Winter holen
Nach Ancelotti-Trennung: Inter will Vidal im Winter holen
Behringer klagt an: "Hatte nicht viel mit Fairplay zu tun"
Behringer klagt an: "Hatte nicht viel mit Fairplay zu tun"

Kommentare