Matthias Sammer wird 50

Schumann erinnert sich: 200 Folien als Grundlage

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„Er ist der Chef, ich bin der Zuarbeiter“: Schumann (r.) über das berufliche Zusammenspiel mit Sammer.

Karsten Schumann und Matthias Sammer verbindet seit mehr als einem Jahrzehnt eine spezielle berufliche Beziehung. Alles fing vor 12 Jahren in Stuttgart an - mit einem übereifrigen Referenten und einem „leicht überforderten“ Zuhörer. Erinnerungen zum runden Geburtstag.

München – Dieser Tag in Stuttgart war für alle Beteiligten etwas Besonderes, und Karsten Schumann erinnert sich noch genau. Seine Präsentation war bestens ausgeklügelt, 200 Folien hatte er vorbereitet, „aber nach 60“, sagt der 55-Jährige gegenüber unserer Zeitung, „habe ich gemerkt, dass seine Augen schon nach links und rechts standen“. Sein Gegenüber war Matthias Sammer, der damals, im Jahr 2005, gerade seinen Vertrag als Trainer des VfB aufgelöst hatte. Schumann musste einsehen, dass es für die erste Sitzung genug war, „ich habe ihn überfordert“, sagt er und lacht. Und trotzdem ist an diesem Tag eine Verbindung entstanden, wie es sie im deutschen Fußballnur sehr selten gibt.

Schumann hat die vergangenen zwölf Jahre beruflich an der Seite von Sammer bestritten, das ist mehr als ein Fünftel des Lebens, auf das der ehemalige Sportvorstand des FC Bayern an seinem heutigen 50. Geburtstag zurückblickt. „Den Rest seiner Karriere“, sagt der Mann, der beim DFB und in München als „wissenschaftlicher Mitarbeiter“ geführt wurde, „habe ich über die Medien verfolgt“. Als Sammer den EM-Titel feierte und zu Europas Fußballer des Jahres gewählt wurde (1996), mit Dortmund die Champions League gewann (1997), seine Karriere wegen einer Knieverletzung beendete (1999) und später beim BVB als jüngster Meistertrainer der Bundesliga-Geschichte in die Annalen einging (2002), beschäftigte Schumann sich kaum mit dem Fußball. Erst als er ihn persönlich traf – und sich Praktiker und Theoretiker gefunden hatten – änderte sich das.

Sammer und Schumann bis heute beim „Sie“

In München sah man die beiden am Rande des Trainingsplatzes mal zusammen, ansonsten hielt Schumann sich – bis die beiden in Anschluss an Sammers leichten Schlaganfall ihre Verträge auflösten – stets im Hintergrund. „Ich habe schon immer zu Matthias gesagt: Sie sind der Chef. Ich bin der Zuarbeiter“, erzählt der promovierte Sportwissenschaftler. Bis heute sind sie beim „Sie“, eine „Art des Respekts“ nennt Schumann die Anrede. Ein „Du“ würde an der Zusammenarbeit „nichts ändern“, sagt er, fügt aber nach einer kurzen Pause hinzu: „Vielleicht wäre jetzt trotzdem mal so ein Zeitpunkt . . .“

Jetzt, das heißt in einer Zeit, in der die beiden Partner, die sich „perfekt ergänzen“ auch eigene Dinge vorantreiben. Obwohl Sammer aber nach seinem „Streifschuss“, wie Schumann sagt, den Weg aus dem täglichen Fußball-Betrieb gewählt hat und aktuell unter anderem als TV-Experte arbeitet, hat die Zusammenarbeit nicht gelitten. „Wir haben eine gewisse Verbindung, eine Nähe“, sagt Schumann. Auch in Zukunft wird es daher „eine große Schnittmenge“ geben. Sammer vermisst aktuell nichts, die vergangenen eineinhalb Jahre hat er zur Reflexion genutzt. Trotzdem schließt er ein Engagement im Profi-Fußball bewusst nicht aus.

Schumann wäre im Fall der Fälle sicher dabei. Als Berater und Stratege, oder als Freund? „Ich habe es immer anders interpretiert“, sagt er: „Wir wissen viel voneinander, auch privat. Freundschaftliches Verhältnis trifft es vielleicht am besten.“ Was für die beiden greifbarer ist: Dass sie stets vom Erfolg getrieben wurden. Sammer als „Feuerkopf“ beim BVB, als „Motzki“ beim FC Bayern, Schumann im letzten Jahrzehnt in der Reihe dahinter. Unter anderem das Triple der Bayern fällt in die Zeit des Duos. Der größte Erfolg hat dafür gesorgt, dass „für uns beide der Ball schon rund ist“.

Die Aussage von Schumann ist eine, die auch Sammer gerne bemüht. Wenn er heute auf Mallorca mit seiner Familie anstößt, wird er zufrieden zurückblicken. Schumann hat nur einen Wunsch für ihn: „Gesundheit. Alles andere hat er.“ Zum Geburtstag gibt es eine Überraschung – und so viel sei verraten: Eine Powerpoint-Präsentation ist es nicht.

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