Champions League im Fokus

Die Meisterschaft ist nicht genug

Doha - Pep Guardiola rückt die Champions League in den Fokus von Bayerns Rückrunden-Vorbereitung. Der Meister-Titel reicht ihm nicht.

Eigentlich ist Pep Guardiola ein Typ, der geduldig auf die Wünsche der Fans reagiert. Obwohl er da manchmal missmutig dreinblickt: Der Bayern-Trainer macht Fotos, schreibt Autogramme, schüttelt auch mal ein paar Hände. In Doha aber wurde ihm das schon am ersten Tag zu viel.

Als beim Abendtraining am Samstag ein Zuschauer über den Zaun sprang und auf Guardiola zusprintete, stockte allen Anwesenden der Atem. Die Ordner – vier hat der Rekordmeister sogar aus München mit ins Trainingslager genommen – konnten nicht so schnell reagieren, auch die 20 anwesenden katarischen Sicherheitskräfte waren zu langsam. Der Fan wollte nichts anderes als ein Selfie mit dem spanischen Coach. Aber dass er das unbedingt mitten in der dritten Trainingseinheit in Doha machen musste, sorgte dann doch für Unmut bei Guardiola. Konsequenz: Gestern waren die Gitter, die die teils tatsächlich aggressiven einheimischen Autogrammjäger von der Mannschaft trennen, um ein paar Meter nach hinten versetzt. Die Rufe „Pep, Pep, Pep“, „Schweini, you are the best“ oder „Muller, Muller“ kommen dem Team nun von etwas weiter weg entgegen.

Die Randnotiz hat Symbolkraft. Guardiola hat sich zwar mit den Gepflogenheiten des Rekordmeisters arrangiert, zu denen das öffentliche Training gehört. Er steckt aber auch seine Grenzen ab. Fans auf dem Rasen sind tabu, wenn konzentriert gearbeitet werden soll. Und das, so merkt man schon nach fünf Einheiten im untypisch kühlen Doha, soll nun das oberste Gebot sein.

„Das Trainingslager ist der erste Schritt in eine hoffentlich gute Rückrunde, die nichts mehr mit der Hinrunde zu tun hat“, sagte Sportvorstand Matthias Sammer. Und Guardiola gab sogar bereits zu, dass das Streben nach Höherem – nach dem Aus im Champions League-Halbfinale 2014 kann das heuer nur der Titel sein – die Arbeit beim FC Bayern dominiere. „Ich weiß, wie wichtig die Champions League für diesen Klub ist“, sagte der Spanier: „Vielleicht ist es nicht genug, die Bundesliga zu gewinnen.“

Elf Punkte Vorsprung in der Liga sprechen dafür, dass die Situation im kommenden Frühjahr eine ähnliche sein wird wie im Vorjahr. Bereits im März 2014 können die Bayern den 25. Meistertitel perfekt machen. Und dann? Einen Spannungsabfall wie vor einem Jahr, das beteuern alle, wird es nicht mehr geben.

„Ich denke nicht mehr an das 0:4 gegen Real. Aber es war eine Lehre für mich“, sagte Guardiola. Die Pleite, die der damalige Titelverteidiger einstecken musste, als die Meisterschaft schon feststand, sei sein eigener Fehler gewesen: „In dieser Periode war die Mannschaft nicht gut. Und ich auch nicht.“ Auch Franck Ribery gab an, dass man „viel gelernt“ habe: „Wir haben damals Kondition und Rhythmus verloren. Das wird uns in diesem Jahr nicht passieren.“

Tatsächlich ist schon in den ersten Einheiten des neuntägigen Trainingslagers ordentlich Zug drin gewesen. Kraftraubende Konditions- und Koordinationsübungen sowie viele, viele Sprints dominieren das Vormittagstraining, Spielformen unter Flutlicht am Abend. „Wir haben hier endlich Zeit, bestimmte Bewegungen einzustudieren“, sagte Guardiola, der zunächst auf Medhi Benatia (Rückenprobleme) und Juan Bernat (Grippe) verzichten musste. Sie sollen in den nächsten Tagen zum Team stoßen, Mario Götze hatte sich bereits am zweiten Tag von einem Infekt erholt. Guardiolas Hoffnung lautet: „Keine weiteren Ausfälle.“

Der Coach lebt das Training vor, ist auf der noblen Aspire Anlage stets nah an den Spielern. „Er gibt uns minütlich Ideen, Anreize. Alles, was er macht, hat Sinn“, sagte Holger Badstuber, der zum ersten Mal seit Herbst wieder im Kreise der Mannschaft ist. Teils spielt Guardiola seinen Profis Bälle zu, teils gestikuliert er und gibt laut Anweisungen. Auch er will sich in Höchstform bringen. Um auf die nächsten Fan-Attacken besser vorbereitet zu sein? Wohl eher, um heuer im entscheidenden Moment hellwach zu sein, um tatsächlich nach Höherem streben zu können.

Hanna Schmalenbach

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Rubriklistenbild: © dpa

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