Im Interview

Ballack stellt Löw öffentlich infrage - diplomatische Rasur oder überdauernder Hass? 

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Harte Worte von Michael Ballack.

Michael Ballack schießt in einem Interview gegen Joachim Löw. Der ehemalige Nationalspieler stellt sogar insgeheim die Trainerfrage. 

Update vom 17.April 2019: Hätten sich Michael Ballack und Joachim Löw zu Zeiten des Wilden Westens in die Haare bekommen, hätte das Scharmützel wohl ein blutiges Ende genommen. Schließlich hatte der Sheriff Löw seinem „Capitano“ nicht gerade den glorreichsten Abschied aus der Nationalmannschaft beschert. Fernab der großen Sport-Kämpfe setzte der Bundestrainer seinen ehemaligen Rudelführer vor den DFB-Saloon. Dennoch scheint Ballack die öffentliche Demütigung mittlerweile vollends verkraftet zu haben, zumindest erzählt er dies im SportBild-Interview. 

Demnach sei seine eigene Meinung zur Nationalmannschaft und infolgedessen zur Arbeit des Bundestrainers vollkommen frei von jeglichen Hassgefühlen. „Bei allen Vorkommnissen können Sie mir schon eine unaufgeregte, sachliche und unemotionale Meinung zutrauen“, bereitet Ballack seinen Rundumschlag diplomatisch vor. 

„In den vergangenen acht Monaten hatte ich nicht das Gefühl, dass er auf die gezeigten Leistungen bei der WM konkrete Antworten hat, wie es weitergeht. Wir sind aus der Nations League abgestiegen. All seine Entscheidungen kamen aus dem Druck des Ausscheidens und Misserfolgs zustande.“ 

Michael Ballack: „Das sollten wir hinterfragen“ 

Und weiter: „Das ist menschlich. Jetzt hat er die Reißleine gezogen, indem er mit Hummels, Boateng und Müller drei Spieler rasiert hat. Das mag öffentlichkeitswirksam sein. Das ist aber ein riesengroßer Einschnitt. Das sollten wir hinterfragen.“ Rumms! Brettharter Angriff des ehemaligen Nationalspielers, der mit seiner Aussage indiskret am Stuhl des Bundestrainers zu sägen versucht. Einmal Fahrt aufgenommen, feuert der Lucky Michael der Neuzeit aus allen Lagen:„Diese „Paket-­Entscheidung“, so nenne ich sie mal, wird den drei Spielern nicht gerecht. Mats Hummels, Thomas Müller und Jérôme Boateng haben großen Anteil daran, dass Deutschland 2014 Weltmeister wurde.“ 

Michael Ballack: „Löw hat Luft nach oben“

Insbesondere die Art der Vermittlung trifft beim Ex-FCB-Spieler auf Unverständnis: „Es wertet jeden einzelnen Spieler in seiner Wichtigkeit ab, wenn der Bundestrainer morgens zum Trainingsgelände des FC Bayern fährt und seine Entscheidung den drei Spielern auf diese Art und Weise mitteilt.“

Für den 42-Jährige ist das aus seiner Sicht rücksichtslose Verhalten des Bundestrainers allerdings keine Neuigkeit mehr. Schließlich habe Löws Handeln bereits in der Vergangenheit oftmals Grenzen überschritten: „Löw wird seine Beweggründe dafür haben. Aber aus meiner Sicht hat er in Sachen Kommunikation bei schwierigeren Entscheidungen Luft nach oben. Das hat ja schon die Vergangenheit bei dem einen oder anderen Spieler gezeigt.“ 

Uli Hoeneß teilt gegen Löw und Bierhof aus: „Beim DFB sollten sie Kerzen aufstellen“

16. April 2019: Uli Hoeneß ist ein Mann der klaren Worte. In einem Interview mit der Deutschen Presse Agentur gab er nun bemerkenswerte Einblicke - und schickte auch eine Warnung an den DFB. Denn mit Benjamin Pavard und Lucas Hernandez kommen zwei französische Defensivspezialisten nach München, Corentin Tolisso ist „praktisch ein Neuzugang“ nach seinem Kreuzbandriss. Doch der Anspruch von Hoeneß war es immer viele deutsche Nationalspieler beim FC Bayern zu haben. Bleibt es bei diesem Anspruch? „Beim tollen 3:2 im Länderspiel in den Niederlanden standen fünf Bayern-Spieler in der Startelf, darunter nur der ältere Manuel Neuer sowie vier Junge: Joshua Kimmich, Niklas Süle, Leon Goretzka und Serge Gnabry, alle Jahrgang 1995. Kein anderer Verein stellte mehr als einen Spieler“, betont der 67-Jährige. 

Uli Hoeneß über Bayern-Kern in Nationalelf: „Wir sind gerade dabei, wieder zu liefern“

Doch damit noch nicht genug: „Die Nationalmannschaft hat immer dann ihre erfolgreichsten Phasen, wenn der FC Bayern genügend Spieler liefert“, meint Hoeneß: „Ich denke an die WM-Titel 1974 und 2014, auch 1990 hatte der Kern eine prägende Vergangenheit bei uns. Wir sind gerade dabei, wieder zu liefern. Beim DFB in Frankfurt sollten sie einige Kerzen aufstellen, dass der FC Bayern für neue Erfolge genug Spieler parat hat.“

Damit meint der Bayern-Präsident die angekündigte Transfer-Offensive im Sommer 2019. Neben den deutschen Nationalspielern Kai Havertz und Timo Werner wird aus der Bundesliga noch Frankfurts Sturmstar Luka Jovic als möglicher Neuzugang gehandelt. Zudem halten sich weiterhin die Gerüchte um Chelseas Rohdiamanten Callum Hudson-Odoi oder Nicolas Pepe vom OSC Lille, der die Franzosen im Sommer definitiv verlassen wird. 

Hoeneß verrät auch, warum der FC Bayern in diesem Sommer viel Geld investieren will: „Wir sind der Meinung, es ist der Zeitpunkt gekommen, an dem der FC Bayern sein hart erarbeitetes Geld in den Markt gibt, um wieder eine neue, junge Mannschaft auf den Platz zu führen.“

tor mit dpa

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