Vom Fast-Absteiger zum Top-Team

Hertha-Boss Preetz: "Kapital ist das A und O"

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Herthas Manager Michael Preetz.

München - Kommt jetzt der nächste Bayernjäger in die Arena? Nein, sagt Berlins Manager Michael Preetz. Die Hertha ist zwar das Überraschungsteam der Saison, aber diesen Schuh zieht sie sich nicht an. Das tz-Interview.

Herr Preetz, Platz vier nach 13 Spieltagen. Mal ehrlich: Hätten Sie damit gerechnet?

Michael Preetz: Nein, davon ist keiner hier ausgegangen. Es war und ist nicht unsere Zielsetzung, am Ende unter den ersten Sechs oder gar Vier zu landen. In der letzten Saison haben wir noch bis zum Schluss gegen den Abstieg gekämpft. Unser Saisonziel bleiben die 40 Punkte. Wenn es ein paar mehr werden sollten, nehmen wir die am Ende auch gerne mit.

Klingt sehr bescheiden, dabei läuft es richtig rund. Was macht den Erfolg aus?

Michael Preetz: Wir hatten eine optimale Vorbereitung. Bei unseren Transfers im Sommer hatten wir ein glückliches Händchen. Um so Fußball zu spielen, wie wir uns das vorstellen, brauchte es zu Saisonbeginn ein paar Korrekturen im Kader.

Sie selbst wurden als Spieler von den Fans in Herthas Jahrhundertelf gewählt. Genau die forderten aber immer wieder mal ihre Entlassung, als es sportlich nicht gut lief. Geht es nur noch um das Hier und Jetzt im Fußball?

Michael Preetz: Es geht heutzutage eher um den kurzfristigen Erfolg, keine Frage. Der Fußball ist nicht nur hochemotional, sondern zunehmend auch sehr zentral im Interesse unserer Bevölkerung verankert. Wir erfreuen uns Woche für Woche hoher Aufmerksamkeit, dies bringt eben nicht immer nur positive Seiten hervor. Dazu möchte ich aber sagen: Ein Das Geheimnis, warum wir hier den Turnaround geschafft haben, ist besonders die Kontinuität in der Vereinsführung.

Welche Bedeutung hat dabei die Rolle von Investor KKR?

Michael Preetz: Das ist ein ganz zentraler Baustein für uns. Mit dem Einstieg von KKR haben wir nach wirtschaftlich schwierigen Jahren nun ein solides Fundament geschaffen. Und wir profitieren vom Netzwerk und Know-how unseres Partners.

Ist dieses Modell auch mit Blick auf die wirtschaftliche Wucht der Engländer alternativlos für die Bundesligisten?

Michael Preetz: Kapitalbeschaffung ist das A und O. Um es zu schaffen, dass ein Verein wie Hertha mittelfristig ums internationale Geschäft kämpft, muss man über viele Dinge nachdenken. Auch über die Abgabe von Anteilen. Denn sind wir mal ehrlich: Für sportlichen Erfolg spielt Geld eine ganz wichtige Rolle. Aber wir haben gerade mal 9,7 Prozent unserer KG-Anteile veräußert, da gibt es andere Vereine, die wesentlich mehr Anteile abgegeben haben. Es nicht ausgeschlossen, dass wir uns auch weiteren Investoren öffnen werden.

Pauli-Geschäftsführer Andreas Rettig denkt über die Auflösung des Solidaritätsprinzips nach.

Michael Preetz: Wir haben ja schon seit einigen Jahren einen bewährten Schlüssel gefunden, der sich in der Solidarität aller Vereine widerspiegelt. Wenn es darum geht, einzelne Vereine davon auszuschließen, denke ich, dass das nicht der richtige Weg ist.

Als Traditionsverein würde die Hertha davon doch eher profitieren…

Michael Preetz: Da reden wir aber über etwas anderes. Diese Gedanken zielen eher auf die Argumentation von Hans-Joachim Watzke ab. Der sagt ja, dass man bei dem Verteilerschlüssel gewisse Komponenten berücksichtigen sollte, wie die Tradition oder das Aufkommen der Auswärtsfans. Das sind Gedanken, denen man sich nähern könnte.

Auch der FCB wäre ein Profiteur solcher Regeln – und damit in Zukunft noch schwerer einzuholen?

Michael Preetz: Absolut. Die Bayern sind nicht nur eine Klasse für sich, sie spielen auch in einer eigenen Liga. Aber dennoch kommen wir mit der Absicht nach München zu versuchen, etwas Zählbares mitzunehmen.

Interview: Sven Westerschulze

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