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Überraschender "Transfer"-Coup

Reschke: Beckenbauer fragt irritiert nach dem Namen

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Franz Beckenbauer.

München - Michael Reschke wird Technischer Direktor beim FC Bayern München die rechte Hand von Matthias Sammer. Uli Hoeneß sieht er als „Maschine“

Es ist eines dieser Bilder, das es schon allein aus Nostalgiezwecken wert ist, im Detail studiert zu werden. Es zeigt Erich Ribbeck, diese graumelierte, glattrasierte Figur, die die Branche vor Jahrzehnten „Sir“ taufte, wie er einem jungen Trainer zulächelt. Der „Sir“ trägt einen gepunkteten Schlips zum hellkarierten Sakko, der junge Mann seinerseits einen Schnauzer, dazu ein beiges adidas-Shirt, das hauteng anliegt und penibelst in der Hose steckt. Das Outfit hat etwas von Turnvater Jahn und brächte es fast als Retro-Ausgabe aktuell in die Läden, aber es ist einfach doch zu sehr Turnvater Jahn, als dass es schick ist. Dieser junge Trainer mit Schnauzer heißt Michael Reschke, das Foto datiert vom Juli 1985. So lange ist der Mann schon im Geschäft – und im Gegensatz zu „Sir“ Ribbeck heute offenbar mehr angesagt denn je. Ab 1. Juli wird er Technischer Direktor beim FC Bayern.

Selbst Beckenbauer fragt irritiert nach dem Namen

Michael Reschke, 56, hat es weit gebracht: Im Schnauzer dirigierte er einst die Junioren von Viktoria Frechen, mit Schnauzer trimmte er später noch die Burschen von Bayer Leverkusen. Inzwischen ist auch sein Gesicht glattrasiert, und nachdem er 35 Jahre lang beim Werksklub geholfen hat, die Kader zusammenzustellen, steht nun im Spätherbst der Karriere noch einmal der größte Sprung an, den es im deutschen Profifußball gibt: Zum FC Bayern in die Führungscrew. Nicht schlecht. Doch weil es von diesem Michael Reschke bisher kaum mehr gibt als ein Schwarzweißfoto mit Schnauzer und ein paar Bilder, wo er über den Rücken von Leverkusens Sportchef Rudi Völler blinzelt, fragt sich der Fan auch: Warum ist es so gekommen?

„Wie heißt er? Reschke?“, fragte selbst Franz Beckenbauer gestern bei einem PR-Termin seines Arbeitgebers „Sky“, als einer wissen wollte, was der „Kaiser“ von dieser Personalie hält. Der Ehrenpräsident ist ein charmanter Mann, er fing sich, nachdem er zunächst sogar beim Namen passen musste, und sagte artig: „Wenn ihn Rudi Völler empfohlen hat, wird er schon ein guter Mann sein.“ Typisch Beckenbauer, aber wer kann es ihm verdenken? Nicht mal einen Wikipedia-Eintrag gibt es über diesen ominösen Michael Reschke, was eventuell jedoch sogar gar nicht so übel sein muss, bedenkt man, dass die Münchner Alphatiere etliche Seiten der digitalen Enzyklopädie besetzt halten. Es heißt, der 56-Jährige arbeite gerne im Hintergrund. Vielleicht nicht der schlechteste Ansatz, sich zu integrieren.

Zumindest, solange es mit der Kompetenz stimmt. In einer Presseerklärung begrüßten die Bayern ihren Zugang jedenfalls in höchsten Tönen, zitiert wurde ausschließlich Matthias Sammer, mit dem Reschke künftig am engsten verbunden sein wird. Er soll die rechte Hand des Sportvorstands werden, man hat da schnell das Konstrukt von Leverkusen vor Augen, das war ja ähnlich: Völler als Gesicht, als Frontmann, als prominente Figur und Reschke als ruhige Fachkraft am Rande der Scheinwerfer. Nachdem Reiner Calmund 2004 seinen Rücktritt erklärt hatte, war Reschke die rechte Hand des Ex-Profis. Und Karl Hopfner fuhr bis zu seiner nicht ganz geplanten Inthronisierung als Präsident bei den Bayern auf diese Art drei Jahrzehnte ähnlich gut. Auch er flirtete nie mit den Kameras – und wurde dennoch hoch geschätzt.

Allerdings runzelten einige Kenner der Szene schon verwundert die Stirn, als sie von dieser neuen Liaison hörten. In der Branche ist es ein offenes Geheimnis, dass sich ausgerechnet Sammer, damals in seiner Funktion als Sportchef des DFB, und Reschke oft in den Haaren lagen. Sie vertraten konträre Linien, wenn es um die Ausbildung von Talenten ging. Sammer ließ gestern dennoch verbreiten, er freue sich „über die Verstärkung durch Michael Reschke, den ich schon sehr, sehr lange kenne und sehr schätze“. Es sei explizit sein „ausdrücklicher Wunsch gewesen, dass beim FC Bayern diese neue Position geschaffen wird und durch ihn besetzt wird“. Man bekäme „einen fachkompetenten Mitarbeiter hinzu“.

In der Presseerklärung wird der neue Mann den Bereichen Lizenzspielerabteilung, Junior Team, Scouting sowie Transfers zugeteilt. Vor allem im Juniorenbereich liegt beim Rekordmeister viel im Argen. Diese Sparte ist eine Sparte, die auch Uli Hoeneß in den letzten Wochen eine Herzenssache war. Zum Ex-Präsidenten scheint es eine enge Verbindung zu geben. Gegenüber der „tz“ sagte er im Januar: „Hoeneß ist für mich die Maschine im deutschen Fußball, viele verspüren eine große Dankbarkeit gegenüber ihm – die empfinde ich auch. Er hat mich in einer schweren Phase mal sehr unterstützt.“

Gestern sagte Reschke der „Welt“, der Abschied von Leverkusen falle ihm „nicht leicht. Ich war hier sehr gerne tätig und habe viele Freunde gewonnen. Aber ich freue mich jetzt auf die neue Herausforderung.“ Ribbeck war ebenfalls einst in München aktiv. Vielleicht gibt er ein paar Tipps. Die kann man ja sogar brauchen, wenn man längst selbst mit Sakko und Schlips seinem Job nachgeht.

Andreas Werner

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