Regional- statt Bundesliga

Mitchell Weiser: Mit 20 auf dem Abstellgleis

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Mitchell Weiser konnte sich beim FC Bayern nicht durchsetzen.

München - Mitchell Weiser ist erst 20 Jahre alt und doch hat er in seinem Fußballerleben schon Höhen und Tiefen erlebt. Er galt als Supertalent und kämpft jetzt in der Regionalliga um Anschluss.

2012 kam er als angepriesenes Mega-Talent vom 1. FC Köln zum FC Bayern München. Dort sollte er eine große Rolle spielen, ein Star werden, neben Robben, Ribery und wie sie alle heißen. Dieser Plan ging jedoch nicht auf: Im Winter 2012 wurde Weiser zum 1. FC Kaiserslautern ausgeliehen. Dort sollte der Rohdiamant geschliffen werden. Beim FCK konnte er sich durchsetzen und wurde sofort Stammspieler. Allerdings spielt Kaiserslautern nur in der 2. Bundesliga. Die magere Bilanz des Flügelflitzers: Zwei Tore und ein Assist.

Tore machen einen Fußballer bekannt und berühmt. Tore sprechen eine eindeutige Sprache. An Tore erinnert man sich. Entscheidende Tore sind unvergesslich. Tore, die Weiser wahrscheinlich sehr geholfen hätten, um sich im Haifischbecken FC Bayern durchzusetzen.

Zurück beim Rekordmeister kam er in der 1. Mannschaft in der Saison 2013/14 nur dreimal zum Einsatz. Gegen Augsburg durfte er durchspielen. Gegen Braunschweig wurde er erst in der 87. Minute eingewechselt und gegen Werder Bremen konnte er lediglich in der zweiten Halbzeit sein Können zeigen. Ein Können, von dem zumindest in der Vergangenheit alle an der Säbener Straße überzeugt waren.

Apropos Überzeugung. Pep Guardiola sagte in der "Welt am Sonntag“ über den Hoffnungsträger: "Er ist ein super Typ und ein guter Spieler. Er ist eine Option.“ Diese hat Guardiola bisher nur selten gezogen.

Das belegen auch die Zahlen: In der aktuellen Saison wurde er von Guardiola lediglich einmal in der Bundesliga und einmal in der Champions League eingewechselt. Gegen Mainz, in der 90. Spielminute. Das einzig Positive: Wenigstens die Auflauf- und Siegprämie konnte er kassieren. Zu Saisonbeginn war der Mittelfeldspieler verletzt. Deshalb reichte es in der Regionalliga nur zu sieben Einsätzen, vier davon über die komplette Distanz.

Seit Marktwert schrumpfte laut transfermark.de von einst 1,5 Millionen Euro im Juni 2013 beim FC Kaiserslautern auf magere 750.000 Euro. Zum Vergleich: Der 18-jähirge Sinan Kurt hat aktuell einen Marktwert von 800.000 Euro.

Der Grund für den sinkenden Marktwert liegt darin, dass er meist, und dann auch nur unregelmäßig, in der Regionalliga bei den kleinen Bayern auflaufen darf – wenn er denn nicht gerade im Urlaub weilt.

Weisers Entscheidung, nicht in den Relegationsspielen gegen Fortuna Köln zu spielen, sondern stattdessen die Sonne auf Ibiza zu genießen, kam vor allem bei der Fangemeinde des FC Bayern nicht besonders gut an. Er ließ damit die Chance aus, sich zu präsentieren. Erik ten Hag, Trainer des FCB II, sagte damals: "Er hätte es gekonnt. Ich kann dazu nicht viel sagen. Er hätte gerne mitspielen können. Wenn er unbedingt hätte spielen wollen, hätte er sich melden können."

Diese umstrittene Aktion sorgte für einen Shitstorm auf Twitter. Weiser zwitscherte folgende Worte: "Dass ich nicht bei den Amateuren die Aufstiegsspiele bestreite ist abgesprochen und hat bestimmte Gründe, die nicht jeden was angehen!“ Fest steht jedenfalls: Solche Aktionen kommen bei den Anhängern nicht gut an und brennen sich in den Gehirnen der Fans ein.

Das Gegenbeispiel dazu: Oldie Claudio Pizarro. Er bot den kleinen Bayern seine Hilfe bei den Aufstiegsspielen an und hätte dafür sogar die Testländerspiele mit Peru abgesagt. Nicht nur deshalb lieben ihn die Fans der Roten.

Hat Weiser vielleicht ein Einstellungsproblem? Ist er sich zu schade, um in der zweiten Mannschaft aufzulaufen? Im kicker-Interview sagte er selbstkritisch, dass er sich nicht zu schade sei und gab zu, dass ihm für die letzten Prozent besser zu werden „die Einstellung gefehlt hat“.

Bei den Fans hat er keinen leichten Stand. Er wird von manchen Facebook-Usern als arrogant und überheblich bezeichnet. In den sozialen Netzwerken muss er sich harsche Kritik gefallen lassen. Die gut gemeinte Verlosung seiner Fußballschuhe für seine Fans watschte ein User mit den Worten: „Du brauchst ja auch keine mehr“ ab.

Die Zeichen bei Mitchell Weiser stehen auf Neustart. Noch ist er sehr jung. Er kann, mit der richtigen Einstellung und vielleicht ein bisschen Glück, noch alles erreichen. Schließlich galt er einst als eines der größten Talente in Deutschland. Zwischen 2010 und 2013 lief er regelmäßig für die Junioren-Nationalmannschaften des DFB auf. Mit einem Wechsel, möglicherweise schon in der Winterpause, könnte dem Jung-Profi doch noch der Durchbruch gelingen. Sein Vertrag bei den Bayern läuft nach dieser Saison aus. Eine Verlängerung ist nach derzeitigem Stand mehr als unwahrscheinlich.

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Karin Brüch

Quelle: fussball-vorort.de

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