Hopfner glaubt nicht an Voll-Comeback

Sie entscheidet über Lockerungen für Hoeneß

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Monika Groß.

München/Landsberg - Wenn ein Vollzugsbeamter zum FC Bayern kommt, dann geht es darum, einen Freigänger-Arbeitsplatz für Uli Hoeneß zu begutachten. Karl Hopfner glaubt nicht an Voll-Comeback.

Seit dreieinhalb Monaten ist Uli Hoeneß, der ehemalige Präsident des FC Bayern, nun im Strafvollzug in Landsberg, und es lässt sich bilanzieren: Das Thema, das die Republik so beherrschte, dass es in den Talkshows selbst die Ukraine-Krise verdrängte, hat an Wucht verloren.

Kurz nachdem Hoeneß seine dreieinhalbjährige Haftstrafe am 2. Juni angetreten hatte, begann die Fußball-WM, Deutschland wurde Weltmeister – und aus Landsberg gab es mal Info-Tröpfchen (wie: Hoeneß auf der Krankenstation), aber kein handfestes Material. Nicht die befürchteten Bilder à la „Hoeneß beim Hofgang“ oder „Hoeneß bei der Essensausgabe“, auch keine Aufnahmen von Drohnen, die die Fotografen über das Landsberger JVA-Gelände hätten fliegen lassen. Die einzigen Bilder: Wie Bayern-Trainer Pep Guardiola und Franck Ribery zu Besuch vorfuhren. Am vergangenen Wochenende dann die bisher einzige Indiskretion: Günter Netzer, auch er neulich in Landsberg gewesen, erzählte dem Schweizer Boulevardblatt „Blick“, wie es Hoeneß gehe. Zusammengefasst: Er findet sich zurecht.

Es ist wohl auch so, dass Uli Hoeneß die härteste Zeit, die der Eingewöhnung, bald hinter sich hat. Das Bayerische Justizministerium hält sich bei konkreten Anfragen zu Hoeneß bedeckt, es hat genügend Ärger gegeben wegen einer Informationsveranstaltung für die Medien einige Wochen vor Hoeneß’ Haftbeginn. Doch bei besagtem „Tag der Offenen Tür“ ist eine Faustregel bereits erörtert worden: Ein Wechsel eines Inhaftierten in den Freigang (man arbeitet, kehrt aber nachts in die Anstalt zurück) ist ab 18 Monaten vor dem prognostizierten Haftende möglich. Da bei Hoeneß von guter Führung auszugehen und die Sozialprognose günstig ist, könnte die Hälfte der Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Das wäre März 2016. Minus 18 Monate. Ergibt: jetzt.

Das Prozedere laut bayerischem Strafvollzugsgesetz: Freigang wäre eine Lockerung des Strafvollzugs – über ihn entscheidet die zuständige Anstaltsleitung, also Landsberg-Chefin Monika Groß. Sie gibt auch eine Prognose ab, wann ein Inhaftierter herauskommen könnte. Ob und in welchem Umfang der Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird, das obliegt dann der Gerichtskammer, die den Fall verhandelt hat. Um Freigänger zu werden, braucht Hoeneß eine Arbeitsstelle. Den „Job beim FC Bayern“, über den spekuliert wird, müsste allerdings erst ein Vollzugsbeamter überprüfen – ebenso kann die JVA selbst Stellen vermitteln (etwa in Handwerksbetrieben oder Callcentern).

„Das war’s noch nicht“, hatte Hoeneß bei seiner Abschiedsrede gesagt. An einem Voll-Comeback seines Vorgängers als Präsident und Aufsichtsrat zweifelt Karl Hopfner, der Neue, jedoch, wie er am Sonntag in der Fernsehsendung „Blickpunkt Sport“ bekräftigte: „Ich persönlich glaube nicht, dass er in alle alten Funktionen wieder zurückkehrt.“

Günter Klein

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