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Breno: Einsam bis zum Schluss

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München - Seit diesem Mittwoch steht FC-Bayern-Profi Breno vor Gericht. Zum Prozessbeginn erzählt der Brasilianer seine ganze traurige Geschichte beim deutschen Rekordmeister. Ein Ex-Profi hört zu.

Er war gerade mal 18 – und galt als eines der größten Fußballer-Talente weltweit. Als Breno 2008 vom FC Sao Paulo zum FC Bayern wechselte, schien sein Glück perfekt. Der Anfang einer Karriere, die bitter endete.

Jetzt sitzt der Verteidiger (22) auf der Anklagebank im Saal A101 des Münchner Strafjustizzentrums. Hier werden regelmäßig Mörder zu lebenslang verurteilt. Der Vorwurf gegen Breno lautet: schwere Brandstiftung. Mögliche Höchststrafe: 15 Jahre. Richterin Rosi Datzmann wird wohl ein milderes Urteil sprechen, vielleicht kommt er mit einer Bewährungsstrafe davon. Dann könnte Breno zu Lazio Rom wechseln, der FCB hat seinen Vertrag auslaufen lassen. Beim Prozess entscheidet sie die Zukunft eines vorerst gescheiterten Fußball-Stars, der seine gemietete Villa in Grünwald angezündet haben soll. Schaden: eine Million Euro.

Prozessauftakt mit Blitzlichtgewitter: Breno vor Gericht

Der große Ruhm blieb Breno beim FC Bayern verwehrt. Ein Stammplatz in weiter Ferne. Sein Verhältnis zu anderen Spielern – immer schwierig. „Ich habe immer den Kontakt gesucht. Aber mein Deutsch ist nicht so gut“, sagte Breno vor Gericht. Eine Dolmetscherin übersetzte.

Der Abwehrspieler schilderte Eindrücke aus seiner Kindheit. Mit elf Jahren ging er von Cruzeiro nach Sao Paulo, seine Eltern – einen Glaser und eine Putzfrau – sah er nur noch alle zwei Monate. Bei seinem Wechsel nach Deutschland wollte er die ganze Familie mitnehmen. Doch dann stellte ihn der FC Bayern angeblich vor die Wahl: „Du hast dich zu entscheiden zwischen deinen Eltern und deiner Ehefrau“, schilderte Breno. Der Verein konnte offenbar nur ein weiteres Visum beantragen. „Das war schon schwierig für mich, weil ich ja doch sehr an meinen Eltern hänge.“

Breno: Das war mal seine Villa

Von da an lebte Breno mit seiner Frau und den drei Kindern zurückgezogen. „Ich war die meiste Zeit zu Hause.“ In zwei Jahren schaffte er nur 30 Einsätze und wurde für ein halbes Jahr nach Nürnberg ausgeliehen. Ein kurzer Lichtblick: „Das war ein lustigeres Leben. Ich habe dort alle Spiele gespielt.“ Doch dann verletzte sich Breno am Knie – der Beginn seiner mehr als zweijährigen Leidenszeit. Nach drei OPs hatte sich der Frust an diesem 19. September 2011 so weit aufgestaut, dass er schon am Mittag zu betrinken begann. Mit 1,6 Promille im Blut zündete er laut Anklage die Villa gleich an. Breno schweigt zu den Vorwürfen. Doch eins wurde gestern wieder klar: Der Brasilianer ist in München nie angekommen. Er war einsam bis zum Schluss.

E. Unfried

Schickt sie ihn in den Knast?

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Rosi Datzmann © ebu

Als Vorsitzender Richterin der 12. Strafkammer des Landgerichts ist Rosi Datzmann unter anderem für Brandstifter zuständig. Ihre Verhandlungsführung kann streng sein, sie fragt sehr präzise nach. Sie ist allerdings alles andere als gnadenlos: Bei der Staatsanwaltschaft wird bisweilen gemurrt, das ihre Urteil zu milde ausfallen. In ihrem spektakulärsten Fall muss sie jetzt entscheiden, ob Breno in den Knast kommt.

Breno zeigt seine Tattoos

Vom FCB war keiner da

Vom FC Bayern kam niemand zum Prozess gegen Breno, der bis zum 30. Juni noch Angestellter des Vereins ist. Man habe aber guten Kontakt zu den Anwälten des Angeklagten, hieß es auf tz-Anfrage.

Als einziger Spieler kam Brenos Freund und Landsmann Giovane Elber. „Er ist ein braver Junge, er braucht Hilfe.“ Elber sagt, der FC Bayern habe viel für Breno getan – aber nicht genug, was die Integration des jungen Brasilianers betreffe. Er schildert Breno als Familienmenschen: „Ich habe ihn oft angerufen, zum Essen eingeladen, aber er ist lieber zuhause bei seiner Frau und den Kindern geblieben.

Die Frage, warum Präsident Uli Hoeneß – der Breno lautstark verteidigt und die Justiz massiv kritisiert hatte – nicht kam, kommentierte Elber mit einer abweisenden Handbewegung.

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