“Erste Reaktion war Sprachlosigkeit“

Nach Ancelotti-Aus: Das sagen Europas Experten über den FCB

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Die Entscheidung der Bayern-Bosse, Carlo Ancelotti zu entlassen, sorgte in Europa für Verwunderung. 

Das Aus von Carlo Ancelotti beim FC Bayern sorgte nicht nur in München für Verwunderung und Kritik - auch in Europa fragten sich die Experten nach der Entscheidung der Bayern-Bosse: Ist das noch der FC Bayern?

München - Seit einer Woche gehört Carlo Ancelotti beim FC Bayern der Vergangenheit an. Die Entlassung des italienisches Coaches kam nach der 0:3-Pleite bei Paris St. Germain nicht überraschend. Allerdings sorgte der früheste Trainerwechsel der Klub-Geschichte für viel Aufsehen, weil die Bosse des Rekordmeisters bisher nicht für eine derart kurze Zündschnur bekannt waren. Der FC Bayern stand in ganz Europa für Kontinuität und seriöses Management. Ist das jetzt vorbei? Marca-Redakteur Alberto Rubio zum Beispiel wetterte: „Ancelotti ist nicht schuld, Bayern ist nicht mehr das, was es einmal war.“ Wie sehen das die europäischen Kollegen? Die tz hat nachgefragt.

Edu Fernández-Abascal (International Business Times): „Die erste Reaktion in England war Sprachlosigkeit“

Die erste Reaktion in England auf Ancelottis Entlassung war Sprachlosigkeit. Nach der anfänglichen Überraschung wurde sowohl der Mister als auch der FC Bayern vom Großteil der Medien infrage gestellt. „Dem teils obsoleten Carlo fehlten die Intensität und die taktischen Ideen, die dieser FC Bayern für seine Erneuerung brauchte“, titelte der Independent. Über allem schweben die Zweifel an einem FC Bayern, der es mit zwei großen Trainern wie Guardiola und Ancelotti nicht geschafft hat, die Champions League zu gewinnen. Dabei ist nicht zu vergessen, dass der eine dem anderen nun wirklich in nichts ähnelt, sei es Charakter oder taktische Überzeugungen. Mehr als die Art und Weise, wie der Italiener gegangen wurde, wird in England über die Unfähigkeit des Klubs gesprochen, wenn es um einen Neuanfang geht. Arsenal jagen die Münchner noch Angst und Schrecken ein, dem Rest nicht mehr.

Mirko Calemme (Tuttonapoli): „Niemand in Italien hätte mit einer Entlassung Ancelottis gerechnet“

In Italien hätte niemand mit einer derartigen Entlassung Ancelottis gerechnet. Der Trainer, dessen Erfolge jeden Kollegen vor Neid erblassen lassen, war noch nie zuvor während einer Saison entlassen worden. Noch weniger wahrscheinlich erschien es nach dem Gewinn einer Meisterschaft und dem unfairen Ausscheiden aus dem CL-Viertelfinale. Von den zwei Supercups ganz zu schweigen. Die Gazzetta dello Sport zum Beispiel ging deshalb mit den Verantwortlichen des Rekordmeisters sehr hart ins Gericht. „Sie haben sich verhalten, als wäre Maurizio Zamparini (Palermo-Präsident, der für seine Vielzahl an Entlassungen bekannt wurde) in ihrer Chefetage gewesen. Einen Trainer nach sechs Spieltagen zu entlassen, ist ein schlechtes Zeichen für ganz Fußball-Europa. Bayern hat sich immer durch seine Projekte und Seriosität ausgezeichnet, wenn jedoch auch sie bis hierher gekommen sind, steht es schlecht um uns“, so das Blatt. Der Corriere della Sera unterstrich derweil, „dass die Spieler gewonnen haben. Müller, Robben und Ribéry waren die Urheber der Entlassung. Und jetzt? Ist Ancelotti eine Art Vorwarnung für jeden italienischen und auch europäischen Trainer.“

Marco Ruíz (As): „Wenn Carletto diese Kabine nicht unter Kontrolle bringen kann, dann kann es niemand“

Seit den 70er-Jahren wurde der FC Bayern in Spanien gleichermaßen gefürchtet und bewundert. Zunächst für das, was Generationen an Spielern wie Beckenbauer, Matthäus, Rummenigge oder Müller auf dem Platz veranstalteten, in den vergangenen Jahren bezog sich die Bewunderung aber eher auf die institutionelle Seriosität, mit der der Verein stets auftrat. Sein Finanzmodell, das dem Rekordmeister unzählige Stars ohne Schulden ermöglichte, wurde immer und überall gelobt. Dass dieser Klub dann auch noch von eigenen Legenden wie Rummenigge oder Hoeneß geführt wurde, war das i-Tüpfelchen obendrauf. Die Bayern haben sich stets mit Leuten umgeben, die diesen Sport verstehen wie niemand anders, just weil sie eben diesem Sport entsprungen sind. Es war eine Art Idylle, eine große Familie, die in Europa dominierte. In Spanien jedoch war die Entlassung Carlo Ancelottis das Ende jener Idylle. Wenn Carletto diese Kabine nicht unter Kontrolle bringen kann, dann kann es niemand. 2006 fand sich Real Madrid in einer ähnlichen Situation wieder, sozusagen im freien Fall trotz eines Kaders voller Galaktischer, die das Ende vieler Trainer bedeuteten. Selbiges ist nun bei Bayern der Fall. Und es fällt einem schwer zu glauben, dass Hoeneß und Rummenigge das nicht bemerkt haben. Sie haben es auch nicht verstanden, einen Kader zu erneuern, der nur vor einigen Jahren wirklich herausstach. Die Rechnung dafür zahlen sie jetzt.

Alexis Menuge (France Football): „Es überwiegt die Verwunderung“

In Frankreich fielen die Reaktionen auf die Entlassung Carlo Ancelottis ähnlich aus wie im Rest von Europa. Es überwiegt die Verwunderung darüber, wie und vor allem wann der Trainer vom FC Bayern entlassen wurde. In Frankreich geht man aber dennoch davon aus, dass das Image der Münchner als familiärer und auch bodenständiger Klub nicht vollends verloren gehen wird, vieles kommt dabei jedoch auf die unmittelbare Zukunft an. Man muss es hinbekommen, den Umbruch ein für alle Mal einzuleiten und den Bayern nach ihren Erfolgen der vergangenen Jahre neues Leben einzuhauchen. Eine spannende Zeit, die auch hierzulande mit großen und neugierigen Augen verfolgt wird. Schließlich geht es dabei um einen der europäischen Top-Klubs der jüngsten Jahre.

Lesen Sie hier: Heynckes Comeback beim FC Bayern? So reagiert das Internet.

tz

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