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Medikamente für Spieler frei zugänglich?

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Breno wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt

München - "Die Verantwortlichen haben eingeräumt, dass Arzneimittel, unter anderem Stilnox, zeitweise frei zugänglich waren", erklärt Oberstaatsanwalt ­Thomas Steinkraus-Koch gegenüber der tz. Auch bei Bayern wird ermittelt.

Das Problem mit der Pille – am liebsten wollen die Bayern gar nichts damit zu tun haben. Schließlich kursiert dieser Fachausdruck für einen Fußball ja nur jenseits des Weißwurst-Äquators. Doch diesmal geht’s leider nicht ums runde Leder, sondern um Brenos Pille – und diese Angelegenheit ist für den Rekordmeister alles andere als pillepalle (laut „Redensarten-Index = unbedeutend; Anm. die Redaktion): Die Polizei hat beim FC Bayer(n) München tatsächlich Schlafmittel gefunden!

Das gab der Oberstaatsanwalt ­Thomas Steinkraus-Koch am Dienstag am Rande des Breno-Prozesses bekannt. Ins Rollen waren die Ermittlungen an der Säbener Straße nach einer brisanten Aussage des brasilianischen Fuß­ballprofis gekommen – am Montag ­wurde Brenos schriftliche Erklärung auch öffentlich im Gerichtssaal verlesen. Danach will er sich aus der medizinischen Abteilung des Vereins regelmäßig Stilnox-Tabletten mit nach Hause genommen haben – das ist ein verschreibungspflichtiges Schlafmittel.

Aus der Führungsetage des Clubs kam bereits am vergangenen Montag ein heftiges Dementi, konkret aus dem Munde des damals noch amtierenden Sportdirektors Christian Nerlinger: „Diese Aussagen entbehren jeglicher Grundlage. Grundsätzlich gibt es beim FC Bayern keine Schlafmittel.“ Wer sagt denn nun die Wahrheit? Um diese Frage zu klären, schickte die Staatsanwaltschaft einfach mal die Polizei zu einer „Befragung“ an die Säbener Straße.

Das Ergebnis ist überraschend: „Die Verantwortlichen haben eingeräumt, dass Arzneimittel, unter anderem Stilnox, zeitweise frei zugänglich waren“, sagte Steinkraus-Koch der tz. „Wir prüfen jetzt, ob eine Straftat oder eine Ordnungswidrigkeit vorliegt.“ Klingt nach einem Eigentor der Bayern-Bosse – und die machen jetzt erstmal dicht. So wiegelte Mediendirektor Markus Hörwick am Dienstag alle Anfragen zu Brenos Pille ab: „Wir können und werden uns dazu nicht äußern.“ Die Frage, ob den Beteiligten bei Bayern juristische Konsequenzen drohen, lässt sich derzeit kaum beantworten. Jedenfalls steht laut Staatsanwaltschaft ein Verstoß gegen die Verschreibungspflicht im Raum. Den möglichen Strafrahmen benannte Steinkraus-Koch nicht. Gleichzeitig kündigte er an, die Regierung von Oberbayern hinzuzuziehen. Diese Behörde verfüge über Experten im Arzeimittelbereich, sagte der Staatsanwalt.

Andreas Thieme, Eberhard Unfried

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