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Nach Paris-Pleite: So hat sich Ancelotti vercoacht

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Carlo Ancelotti FC Bayern
Als Arjen Robben kam, war die Partie für die Bayern eigentlich schon gelaufen. Carlo Ancelotti hat sich vercoacht. © AFP

War Paris zu gut für die Bayern oder hat sich Carlo Ancelotti schlicht verzockt? Taktik-Experte Constantin Eckner analysiert für die tz nochmal das bayerische Horror-Spiel von Paris.

Update vom 24. Oktober 2018: "Bei Bayern haben mich nur fünf Spieler unterstützt." Vor dem Spiel Neapel gegen PSG lästert Carlo Ancelotti über seinen Ex-Verein FC Bayern München.

München - Kein Pressing, kein Flügelspiel, kein Plan –und jetzt: kein Carlo mehr! Der FC Bayern hat nach der Pleite in Paris (0:3) Konsequenzen gezogen. Denn nicht nur das Ergebnis, auch die Art und Weise der Bayern-Pleite waren für die Bosse zu besorgniserregend. Taktik-Experte Constantin Eckner von spielverlagerung.de analysiert für die tz das Taktik-Debakel von Paris – Ancelottis Sargnagel.

Kein Robbery, dafür drei Sechser 

Hat sich Carlo Ancelotti verzockt? Eckner meint: „Die drei Sechser Thiago, Tolisso und Vidal waren eine Vorsichtsmaßnahme, um das Mittelfeld von Paris zu kontern.“ Das Ziel des FCB-Trainers war offenbar, die PSG-Spielmacher Verratti und Rabiot aus dem Spiel zu nehmen. Das gelang nicht. Viel schlimmer noch: Der FCB beraubte sich seiner einst europaweit gefürchteten Stärke – dem Flügelspiel. Alaba und Kimmich besetzten die Außen ganz alleine, Ribéry und Robben schmorten übel gelaunt auf der Bank. Eckner: „Bei Flügelangriffen gab es immer nur die Möglichkeit, den Ball vorne reinzuschaufeln.“ Und dort sah Lewandowski kein Land. Inklusive Ecken schlugen die Bayern über 50 Bälle in den PSG-Strafraum! Ein Tor sprang dabei nicht heraus. Hat Carletto sich verzockt? Eckner sagt Ja! „Man hat viel aufgegeben, um Paris zu bekämpfen.“

Ein Plan B in der Offensive fehlte komplett

Neben den Flanken von Alaba und Kimmich hatten die Bayern keine Idee, wie ein Tor fallen soll. Eckner: „Warum stellt man so eine Waffe wie Robben freiwillig kalt? Diese Frage bleibt zu beantworten.“ Der Experte sah den FCB bereits in den letzten Wochen taktisch nicht auf der Höhe. Deshalb hätte er auf Eins-gegen-eins-Situationen gesetzt – und auf Robben. Stattdessen galt, so Eckner: „Es wurde während des Spiels nicht klar, wie die Bayern zu Torchancen kommen wollen.“

Von Pressing ist beim FC Bayern keine Spur

„Pressing ist mehr als einfach draufgehen“, sagt Eckner. Ob die FCB-Profis das auch wissen? Es sieht zumindest aktuell nicht danach aus. Eckner: „Es gibt keinen richtigen Plan im Pressing, keine Pressingfallen. Viele Top-Teams in der Bundesliga und in Europa denken sich da was aus. Aber bei Bayern ist kein Plan zu erkennen.“ Der Experte sieht ein großes FCB-Problem darin, dass die Spieler das Vertrauen ins eigene Pressing verloren haben. „Die Bayern sind aktuell im Graubereich, das Pressing ist halb gar. Und wenn es gegen Teams wie PSG nicht funktioniert, dann ist man wie die Maus vor der Schlange“, sagt Eckner. Oliver Kahn polterte im ZDF: „Der FC Bayern hat einfach keine Ideen, keine klaren Mechanismen, wie man gegen den Ball funktionieren soll. Jeder läuft irgendwie ein Stückchen zurück. Keiner gibt ein Kommando.“ Und das zeigte das nächste Ancelotti-Problem auf.

Es fehlt ein Chef im Mittelfeld

Thiago begann zentral in der Dreierreihe, verlor gegen Neymar direkt den entscheidenden Zweikampf vor dem 0:1. Neben ihm schwammen Vidal und Tolisso. Eckner: „Das Problem ist, dass für die zentrale Sechs sonst nur Rudy infrage kommt. Und Ancelotti hatte kein Vertrauen in ihn. Da musste der Klub sich hinterfragen. Wenn man Rudy nicht vertraut, hätte man einen anderen Sechser holen müssen. Denn: Jede Top-Mannschaft hat da mindestens einen Weltklasse-Spieler.“ Der fehlt dem FCB aktuell.

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