Er musste zweimal Maske tragen

Necat Aygün: Das kommt auf Lewandowski zu

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Necat Aygün hätte die Maske „am liebsten in die Ecke geschmissen

München - Necat Aygün über Scheppern beim Kopfball, ungeliebte Spitznamen, Halloween – und Momente, wenn einen der eigene Sohn nicht erkennt

Necat Aygün (34) ist – aus seiner Sicht leider – ein Experte für Gesichtsverletzungen. Als Verteidiger der SpVgg Unterhaching sowie später beim TSV 1860 musste ihm zwei Mal eine Maske angepasst werden. Im Interview erklärt der heutige Löwen-Scout, was auf Bayerns Robert Lewandowski zukommt.

Herr Aygün, gehen wir chronologisch vor: 2005 hatten Sie Ihre erste Gesichtsverletzung. Was genau war damals betroffen?

Bruch der Augenhöhle, rechte Seite. Damals in Dresden. Ich hatte mit Unterhaching sofort voll das Derby gegen den TSV 1860 zwei Wochen später im Visier, wollte da unbedingt dabei sein. Die Ärzte haben es kritisch gesehen, ich musste damals auf eigenes Risiko auflaufen. Als die Maske angepasst war, hieß es: Okay, das ist ein bisschen Schutz fürs Auge. Aber so komplett überzeugt waren sie nicht.

Sie jedoch schon?

Es ist nicht einfach. So eine Maske ist ein Fremdkörper in deinem Gesicht, der irritiert dich, das ist ganz klar. Und sie schränkt dein Gesichtsfeld ein. Unterhalb des Auges, sobald der Ball direkt am Fuß war, musste ich auf der rechten Seite praktisch nur nach Gefühl spielen. Damals waren die Masken auch noch etwas dicker als heute. Wichtig war, das Ding vorher im Training ausgiebig zu testen, aber du kannst trainieren so viel wie du willst, richtig daran gewöhnen wirst du dich eigentlich nie. Bis zu einem gewissen Grad hat sie mir dann einfach Sicherheit gegeben, die brauchst du ja, sonst kannst du dich nicht so in die Zweikämpfe werfen, wie es nun einmal notwendig ist. Und so eine Verletzung rund um die Augenhöhle ist ja nicht ganz ungefährlich. Da ist es wichtig, dass du volles Vertrauen in alles hast, was du tust.

Im Derby hat es dann ja auch bestens geklappt: Ihre Hachinger gewannen 4:1 in der Allianz Arena, Sie schossen zwei Tore . . .

. . . ja, da ich jetzt wieder bei 60 bin, muss man im Nachhinein sagen: Leider (lacht).

Die Zeitungen titelten damals: „Die Maske des Grauens!“ Gab es von den Kollegen Spitznamen?

Ja, so ziemlich alles: Phantom der Arena, Zorro etc. Ehrlich gesagt richtig gefreut hat mich das nicht. Ich hätte lieber ohne Maske gespielt und mir die ganzen Operationen erspart.

Dennoch erwischte es Sie 2011, dann beim TSV 1860, ein weiteres Mal.

Ja, ein Zusammenprall bei einem Test in St. Pölten. Richtig heftig. Da war meine ganze linke Gesichtshälfte eingedrückt. Ich habe gleich beim Zusammenprall das Knacken gehört und werde nie unseren Physio, der als Erstes bei mir ankam, vergessen – er dachte, ich hätte mein Auge verloren. Alles war voller Blut und sofort geschwollen. Erst, als sie mein Lid hochgehoben haben, haben sie gesehen, dass zumindest noch alles da ist. Das Jochbein war eingedrückt, der Kiefer – als mein sieben Monate alter Sohn Lias damals in die Klinik kam, hat er mich gar nicht erkannt.

Sie fielen damals zehn Wochen aus.

Ja, aber kurioserweise gar nicht wegen der Gesichtsverletzungen, sondern weil ich mir bei dem Unfall auch noch das Innenband gerissen hatte.

Ihnen wurden im Gesicht drei Titanplatten eingesetzt. Sind sie noch drin?

Ja, die bleiben auch. Manchmal spüre ich sie beim Wetterumschwung. Ich werde oft gefragt, ob ich am Flughafen bei der Security Schwierigkeiten habe. Aber nein, da schlägt kein Alarm an, kein Problem.

Im Gegensatz zu Lewandowski war die Nase bei Ihnen nie in Mitleidenschaft gezogen, entsprechend konnte die Maske da fixiert werden. Ist es sonst noch komplizierter?

Ich bin kein Arzt, ich kann nur sagen, dass der Druck bei mir über die Nase auf die Stirn umgelegt wurde. Sie war schon auch betroffen, nur nie ganz zertrümmert. Da hatte ich ein bisschen Glück.

Gerade Kopfbälle sind für Außenstehende allenfalls schwer vorstellbar.

Es scheppert, wenn der Ball an die Kante der Maske prallt, aber generell geht es schon. Ich denke aber auch, dass es ein Verteidiger einen Tick leichter als ein Stürmer hat, weil er nur wegköpfen muss und nicht zwingend platziert.

Damals bei 60 musste Ihr Kollege Daniel Bierofka auch mal mit Maske spielen. Er legte sie nach 45 Minuten frustriert ab . . .

Ja, sie nervt einfach. Ich hätte sie auch am liebsten in die Ecke geschmissen. Aber das muss man selber wissen – das Augenlicht zu verlieren ist ja keine Alternative. Ich wünsche keinem eine Maske.

Was ist Ihr Tipp für Lewandowski im Vorfeld der Partie gegen Barcelona?

Sobald es geht, mit dem Ding trainieren! Bereits beim Aufwärmen aufsetzen, sich einfach so schnell wie möglich daran gewöhnen. So kurzfristig wird das sowieso nicht leicht, aber da muss Lewandowski jetzt durch, und ich habe den Eindruck, er ist ein harter Typ. Es ist bei ihm nur extrem kurzfristig – ich hatte immer ein paar Wochen Zeit.

Sie sprachen es vorher beim Kopfball schon an – ist ein Stürmer im Gegensatz zu Ihnen im Nachteil?

Ein bisschen glaube ich das schon. Als Verteidiger siehst du, was auf dich zukommt, du hast das Spiel vor dir. Bei einem Stürmer ist das periphere Sehen noch entscheidender. Du musst deine Mitspieler, den Ball, deinen Gegner im Blick haben. Da beschäftigt es dich, denke ich, schon etwas mehr, wenn dein Gesichtsfeld eingeschränkt ist.

Haben Sie Ihre beiden Masken heute noch?

Ja, sie liegen im Keller. Aber da bleiben sie auch, ich hole sie jetzt nicht raus, um Leute zum Beispiel an Halloween zu erschrecken – ich habe damals halt meine Gegner erschreckt, das reicht ja (lacht).

Interview: Andreas Werner

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