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tz-Interview: Netzer erklärt die Super-Bayern

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Günter Netzer (Archivfoto) ist beeindruckt vom FC Bayern © M.I.S.

München - Mit dem 2:0-Sieg über ManCity haben die Bayern auch international für Aufsehen gesorgt. Doch was ist dieser Sieg wert? Die tz sprach mit Deutschlands profiliertestem Experten, Günter Netzer, über die Perspektive der Bayern.

Herr Netzer, das war schon erstaunlich, wie souverän die Bayern gegen Manchester gewonnen haben, oder?

Netzer: In der Tat, da kann ich Sie nur bestätigen. Auch ich war sehr angetan von dem Auftreten der Bayern. Ich sehe ManCity häufiger im Fernsehen und sie haben bisher nicht annähernd so eine Leistung gebracht wie in den ersten 30 Minuten gegen Bayern. Und was mich so begeistert hat, ist folgendes: Die Bayern haben sich hervorragend darauf eingestellt. Sie sind unbeirrt geblieben und haben an ihre Stärke geglaubt. Sie haben eine Zeit gebraucht, aber dann – in der zweiten Halbzeit – haben sie Manchester richtiggehend zermürbt. Es war ganz wichtig zu sehen, dass sie die Schwierigkeiten, die sie zu Beginn mit einem wirklich sehr starken Gegner hatten, bewältigt haben. Und das Spiel souverän in ihre Richtung gedreht haben. Das nötigt mir höchste Bewunderung ab.

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War Manchester der erste echte Prüfstein?

Netzer: Ja. Manchester ist mit keinem Gegner aus der Bundesliga bisher zu vergleichen. Und die Bayern haben in diesem Augenblick gezeigt, dass sie in dieser Saison zu einigem fähig sind.

Welchen Anteil an der Siegesserie hat Jupp Heynckes?

Netzer: Die Verpflichtung von Jupp Heynckes war ein absoluter Volltreffer. Die Verantwortlichen des FC Bayern haben alles richtig eingeschätzt. Sie haben gewusst, welche Atmosphäre Jupp Heynckes im Verein schafft. Und sie haben gewusst, dass die Spieler

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in dieser verbesserten Atmosphäre auch eine bessere Leistung bringen. Sie wussten, dass die Mannschaft diesem Trainer folgen würde. Da muss man der Führungscrew der Bayern ein Riesenkompliment machen: Das war nicht einfach, nach dem großen Trainer Louis van Gaal eine solche Lösung zu finden. Das ist ideal aufgegangen.

Und auch die Neuverpflichtungen passen…

Netzer: Absolut. Neuer ist eine Investition in die nächsten zehn Jahre, da darf man überhaupt keine Kritik zulassen. Das ist wunderbar. Auch Boateng ist eine große Verpflichtung. Aber er hat bisher in jedem Spiel einige Flüchtigkeitsfehler, so wie auch die Elfmetersituationen gegen Manchester. Da hatte er großes Glück.

Außer der Atmosphäre – was hat Heynckes noch geschafft?

Netzer: Die Defensive musste verbessert werden, das war klar sichtbar. Dafür musste man kein Fachmann sein. Und die drei Transfers Neuer, Boateng und Rafinha – das sind schon mal Riesenverstärkungen. Vor allem aber hat Heynckes es geschafft, diese Leute zu integrieren, das ist eine gute Gemeinschaft. Ich habe ein sehr, sehr gutes Gefühl, was diese Saison angeht. Die Bayern können froh sein über diese Mannschaft. Das ist großartig.

Vor allem Franck Ribéry trumpft gerade groß auf…

Netzer: Ja, und das freut mich. Ich habe ihn in den vergangenen Jahren oft kritisiert. Ich habe immer gesagt: „Das ist nicht genug für einen solchen Spieler!“ Jetzt sieht man, wie er aufblüht, wie er mitmacht, wie er sich nicht zu schade ist, Defensiv­aufgaben zu übernehmen. Im Augenblick ist es die pure Freude ihm zuzuschauen. Das schreibe ich zu großen Teilen dem Jupp Heynckes zu.

Sind die Bayern gerade unschlagbar?

Netzer: So etwas werden Sie von mir nicht hören! Eine Saison ist lang und die Bayern werden noch ihre Schwierigkeiten bekommen. Sagen wir es so: Berechtigterweise können sie auf eine gute Saison hoffen. Weil so vieles stimmt, was im letzten Jahr nicht gepasst hat. Trotzdem werden sie auch Dellen haben in dieser Saison, das kann nicht immer nahtlos so weiterlaufen. Da wird man sehen, wie die Mannschaft das verkraftet. Im Augenblick gibt es nur Begeisterung und Anerkennung für diese Mannschaft – auch von mir.

Und was ist international möglich?

Netzer: Wir haben doch gerade erst sieben Bundesliga- und zwei Europapokalspiele. Da kann ich doch keine Prognose abgeben! Ich beurteile das, was im Augenblick der Fall ist. Und wenn es so weitergeht, haben sie eine rosige Zukunft vor sich und können sehr viel erreichen.

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