Die Bilder von Nadine Rupp

Neuer, Götze, Müller & Co.: Fotos ohne Schablonen

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Weltmeister von ihrer besten Seite: Nadine Rupp hat nahezu jeden Bayern-Spieler schon vor der Kamera gehabt – und stets ihre eigenen Ideen. Manuel Neuer etwa durfte mit seinen Torwarthandschuhen in den Farbstoff langen.

München - Nadine Rupp sieht Sportstars aus einem anderen Blickwinkel – und hat einen Traum: "Den Dalai Lama ablichten". Hier sehen Sie sechs ihrer Fotos von FC-Bayern-Stars.

Die meisten Menschen, die auf Manuel Neuer angesprochen werden, nennen dieselben Schlagworte: „Smart“, „sympathisch“, „bester Torhüter der Welt“. Nadine Rupp aber hat da einen anderen Ansatz.

Die Fotografin sitzt an einem Sonntag im Münchner Café „Mariandl“ zum Frühstück. Es geht zu, der Laden ist voll, aber Nadine Rupps Worte sind ruhig, unaufgeregt und überlegt; sie lässt sich nicht stressen. Ein großer Milchkaffee soll es sein, wie jeden Morgen in ihrem Leben, das ab und zu entschleunigt werden muss. Stichwort Manuel Neuer? Sie überlegt kurz, nimmt einen Schluck Kaffee. „Er ist spitzbübisch und hat einen extrem trockenen und vor allem hintergründigen Humor.“

Nadine Rupp kennt Manuel Neuer gut, sie hat den Torhüter des FC Bayern – wie die meisten Münchner Weltmeister von 2014 – schon häufig fotografiert. Und sie hat sofort eine lustige Anekdote parat. Es war bei einem Shooting in diesem Jahr, in dem der Nationalkeeper mit aus Maispulver bestehender Farbe überschüttet wurde. „Manu hatte diese rote Farbe im Gesicht und rieb sich plötzlich die Augen“, erzählt sie. Als sie ihn fragte, was los sei, sagte er: „Mich juckt es überall, ich bin allergisch. Ist da vielleicht Mais drin?“

Es herrschte Alarmstimmung, „ich dachte mir: Oh Gott, ich habe gerade dem Nationaltorhüter einen Allergie-Schock verpasst.“ Es gab also doch einen Moment, in dem Nadine Rupp, diese so ausgeglichene Frau, die Fassung verlor. Sie wurde hektisch, doch plötzlich lachte Neuer. „Nadine, du hast mir vorher gesagt, dass da Mais drin ist. Ich bin nicht allergisch, ich wollte dich nur auf den Arm nehmen“, sagte er. Dann ließ er sich noch mehr Farbpulver überkippen.

Naturbursche Thomas Müller tobte sich im Feld aus.

Nadine Rupp nähert sich Neuer und Co. aus einem anderen Blickwinkel. Nicht oberflächlich, nicht als unantastbare Personen des öffentlichen Lebens. Sondern tiefgründig, hinter die Fassade blickend. Seit rund 20 Jahren ist sie im Geschäft, machte zunächst ein Volontariat in Hamburg, war dann bei zwei großen Agenturen angestellt. Die 39-Jährige arbeitete bei Fußball-Weltmeisterschaften, hat Olympische Spiele miterlebt, stand jede Woche bei Wind und Wetter mehrfach im Stadion, flog um die Welt. Als Frau in dieser männerdominierten Branche teilweise ein Knochenjob, alleine das Standard-Equipment wiegt rund 30 Kilogramm. Und trotzdem macht die gebürtige Westfälin ihn gerne.

Für Kapitän Philipp Lahm eignen sich ruhige Motive.

Dass es die richtige Entscheidung war, das Studium der Kommunikationswissenschaft abzubrechen und ihrer Leidenschaft zu folgen, merkte sie bereits am ersten Tag ihres Volontariats. „Ich sollte damals mit einem Kollegen auf einen Termin von Boris Becker, mal ein bisschen reinschnuppern, für mich ein paar Bilder machen.“ Am nächsten Morgen entdeckte sie die von ihr geschossenen Fotos vom Tennis-Idol sowohl in der „FAZ“ als auch in der „Süddeutschen Zeitung“. Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass ihre Aufnahmen die großen deutschen Tageszeitungen füllen. Sie fotografierte bis zu ihrem Umzug nach München alle Sportgrößen. Pele, Muhammad Ali, Franz Beckenbauer. Auch das Foto des sich übergebenden David Beckham bei der WM 2006 in Deutschland hat sie gemacht. Sie mochte das tägliche, kurzlebige Sportgeschäft. „Aber ich wollte meine Kreativität mehr ausleben“, sagt sie.

Bastian Schweinsteiger.

Der Schritt in die Selbstständigkeit war logisch – und rückblickend genau richtig. „Ruppografie“ heißt die Marke, unter der sie in der Branche bekannt ist. Ein Name, den eine Freundin schon früh für ihr Werk verwendet hat. „Sie meinte, sie erkennt meine Fotos in Zeitungen immer sofort. Das sei diese bestimmte Art, die Ruppografie eben“, erzählt sie lachend.

Tatsächlich haben die Aufnahmen von Nadine Rupp diesen besonderen Charme, dieses gewisse Etwas. Sie sind einzigartig. Ein Patentrezept – etwa einen Witz, den sie jedem Model erzählt, um die Stimmung aufzulockern – hat sie nicht, sagt aber: „Das wichtigste ist Vertrauen. Jeder weiß, dass bei mir etwas Individuelles rauskommt, dass ich mich auf die Person einlasse.“

Settings für ihre Shootings kreiert Nadine Rupp stets selbst. Naturburschen wie Thomas Müller lichtet sie gerne im Grünen, mit seinen Tieren ab. Er darf verrückt sein, aus sich raus gehen, „ich habe selten jemanden erlebt, der so ein schnelles Umsetzungsvermögen hat“, sagt sie. Philipp Lahm aber, neben Neuer und Müller eines ihrer Lieblingsmodelle, „würde ich vor der Kamera nie jubeln oder schreien lassen. Das passt nicht.“ Vom Bayern-Kapitän macht sie stets ruhigere Bilder, seriöse, intellektuelle.

Mario Götze.

Beim Hamburger SV hatte Nadine Rupp früher einen speziellen Spitznamen. Die „Rost-Bändigerin“ wurde sie genannt, weil sich niemand erklären konnte, wie sie von dem als charakterlich schwierig geltenden Torhüter derart authentische und ausdrucksstarke Fotos machen konnte. Im Licht des Hamburger Hafens wirkte Frank Rost nicht wie ein Querulant, sondern wie ein sympathischer „Hamburger Jung“.

„Ein perfektes Foto ist für mich nicht schablonenmäßig“, sagt Nadine Rupp und nimmt noch einen Schluck Kaffee: „Ein perfektes Foto ist für mich, wenn mein Gefühl stimmt.“ Im Sport gibt es schon viele dieser „perfekten Schüsse“ von ihr, im kommenden Jahr sind weitere Stars – auch vom FC Bayern – an der Reihe. Nadine Rupp hat aber trotzdem noch Träume, außerhalb ihres täglichen Geschäfts.

„Das Größte wäre für mich, den Dalai Lama zu fotografieren“, sagt sie. Den buddhistischer Meister sieht sie als Expertin als „charismatischsten Menschen der Welt“.

Wenn man sie so ansieht, in diesem Trubel des Jazz-Frühstücks, aber trotzdem derart ruhig und reflektiert, traut man ihr auch dieses Shooting zu. Und der Dalai Lama müsste für ein gutes Bild sicher nicht mit Farbe überschüttet werden.

Hanna Schmalenbach

Bitte lächeln

Nadine Rupp.

Nadine Rupp, 39, steht eigentlich täglich hinter der Kamera – und nur selten davor. In ihrer inzwischen 20 Jahre langen Karriere als Fotografin hat sie so gut wie jeden großen Sportstar abgelichtet. Unter ihrem Label „Ruppografie“ arbeitet sie seit vier Jahren vorwiegend in München. Weitere Motive gibt es auf www.ruppografie.de.

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