Der Sternstunden-Gegner

Neuer: Spielte gegen Porto die Partie meines Lebens

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Manuel Neuer.

München - Die Bayern sehen das Viertelfinal-Los Porto gelassen: "Hätte schlimmer kommen können". Manuel Neuer erinnert sich an eine Sternstunde.

Es war zu erwarten gewesen, dass – egal welches Los den FC Bayern erwarten würde –, Anekdoten aus dem hintersten Eck der Erinnerungskiste herausgekramt werden würden. So ist es eben in der Fußballbranche, man redet gerne über die Vergangenheit, über Statistik, über große Siege und schmerzhafte Niederlagen. Und immerhin hatte es ja etwas Erfrischendes, dass es gestern, als um kurz nach 12 Uhr das Geheimnis um die Viertelfinal-Partien der Königsklasse gelüftet war, mal nicht um die ewigen Geschichten von Klaus Augenthalers Hörner-Geste gegen Real Madrid oder das legendäre Wiederholungsspiel gegen Atletico 1974 ging. Auf den FC Porto trifft man nicht so oft, die Anekdote vom Endspiel des Europapokals der Landesmeister im Jahr 1987 war also noch nicht ganz so ausgelutscht. 1:2 aus Sicht der Bayern, „obwohl sie auch damals Favorit waren“, sagte Sportvorstand Matthias Sammer. Gibt es ein mahnenderes Bespiel?

Eine Umfrage unter den Spielern wäre ganz interessant gewesen. Der Großteil von ihnen war damals, als das Finale in Wien ausgespielt wurde, noch nicht geboren (Alaba, Müller, Badstuber, Götze etc.) oder interessierte sich als kleiner Bub in Frankreich (Ribery), Brasilien (Dante) bzw. Holland (Robben) nur entfernt für den FC Bayern. Von der Vergangenheit wird sich also wohl kaum einer beeinflussen lassen, wenn es am 15. April in Porto und sechs Tage später in München gegen den 27-maligen portugiesischen Meister geht. Außer vielleicht Manuel Neuer. Der nämlich verbindet eine ganz andere Geschichte mit Porto als jene verstaubte von vor 27 Jahren. Seine eigene.

„Ich habe schon gute Erfahrungen gemacht“, erzählte der Nationaltorhüter grinsend. Damals, 2008 mit Schalke, sei das Rückspiel des Achtelfinals „die Partie meines Lebens“ gewesen. 120 Minuten war der damalige U 21-Keeper seinem Team ein Rückhalt, parierte dann im entscheidenden Elfmeterschießen gegen Bruno Alves und Lisandro Lopez. Der Stern des zweimaligen Welttorhüters sei damals aufgegangen, erzählt man sich auch heute noch. Und zumindest bei erster Betrachtung des Loses kann man davon ausgehen, dass die Geschichte von Manuel Neuer und dem FC Porto in einem Monat nicht umgeschrieben werden muss.

„Es hätte schlimmer kommen können“, gab etwa Thomas Müller zu, auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bezeichnete das Los als „nicht schlecht“. Real, Barca, Paris – sie alle wären „unangenehmer gewesen“, fügte Kapitän Philipp Lahm hinzu. Aber letztlich „sind wir der FC Bayern. Und wir wollen ins Halbfinale.“

Aussagen nach Auslosungen ähneln sich generell, nicht nur in puncto Anekdoten. Aber was sollen die Protagonisten auch sagen? Ein „wir hauen sie weg“ kann einem genau so um die Ohren fliegen wie ein „wir haben Angst“, also fährt man mit Schlagworten wie „Demut, Bescheidenheit, aber auch Selbstbewusstsein“ (Sammer) sicher am besten. Pep Guardiola sprach von „großer Qualität“ im Kader seines alten Barca-Weggefährten Julen Lopetegui, aktuell ragt der kolumbianische Mittelstürmer Jackson Martinez heraus. Bisher ist der Sieger von 1987 und 2004 in dieser Champions League-Saison noch ungeschlagen, Sammer erinnerte bewusst daran, „dass Basel im Achtelfinale vier Stück bekommen hat und bis dahin ungeschlagen war“. Und trotzdem bleibt es dabei: „Barca gegen Paris, das Madrid-Derby zwischen Real und Atlético, das sind von der Zusammensetzung die größeren Kracher“ (Rummenigge).

Ohne großes Spektakel ins Halbfinale (in dem man in den letzten fünf Jahren vier Mal stand) – das ist der Plan des FC Bayern. Aber erstmal wartet am Sonntag Gladbach. Laut Guardiola „im Moment das wichtigste Spiel“. Und eines mit unfassbar vielen Anekdoten.

Hanna Schmalenbach

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