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„Peinlich“ und „sehr unsouverän“: Hoeneß-Reaktion auf Katar-Kritiker sorgt für mächtig Wirbel

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Von: Michelle Brey

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Bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München wetterte Uli Hoeneß gegen Katar-Kritiker Michael Ott.
Bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München wetterte Uli Hoeneß gegen Katar-Kritiker Michael Ott. © Ulrich Wagner/imago

Erst wetterte Uli Hoeneß gegen Katar-Kritiker Michael Ott. Nun muss der Ehrenpräsident des FC Bayern München deshalb Kritik einstecken.

München - Uli Hoeneß sorgte bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München für viel Gesprächsstoff. Ließ sich der Ehrenpräsident doch zu einer verbalen Attacke gegen Vereinsmitglied und Katar-Kritiker Michael Ott hinreißen. „Ihr Auftritt war peinlich. Das ist der Fußballclub Bayern München und nicht die Generalversammlung von Amnesty International“, maßregelte er Ott. Der junge Rechtsanwalt, prominentester Kritiker des umstrittenen Vertrags mit Qatar Airways, trug den Angriff mit Fassung: „So ist er halt, der Hoeneß.“

Zwar verteidigte Vereinspräsident Herbert Hainer Hoeneß nach dessen grantigen Worten. Der 70-Jährige sei schließlich „emotional“, „der FC Bayern durch und durch“ und verteidige den Verein „auch mit allen Facetten“. Für seinen Auftritt muss sich Uli Hoeneß jedoch nun einiges an Kritik gefallen lassen. Schließlich ist es auch nicht das erste Mal, dass er beim Thema Katar an die Decke geht. Erst kürzlich war er im Sport1-Doppelpass ausfällig geworden.

FC Bayern: Uli Hoeneß wettert gegen Katar-Kritiker Ott – und muss jetzt selbst einstecken

Dass „Uli Hoeneß da ein bisschen ruhiger wird“, wünscht sich Markus Babbel, der bekanntlich selten ein Blatt vor den Mund nimmt und einst selbst im Trikot der Roten auflief. Ott habe ja „nicht einmal böse gefragt“, sondern sei sehr sachlich gewesen, so Babbel im Gespräch mit ran. „Man kann und man muss ja auch über Katar diskutieren dürfen. Das ist ja wirklich ein heißes Pflaster“, sagte er. Dass Fans beim FC Bayern München nachfragen, wie der Stand der Dinge diesbezüglich ist, sehe er als „relativ legitim“ an. „Und ich fand es sehr unsouverän von Uli Hoeneß so zu kontern“, fügte Babbel an.

Katar und der FC Bayern München

Die Fluglinie Qatar Airways ist seit Sommer 2018 Sponsor des FC Bayern München. Der FCB kündigte an, nach der Fußball-WM Ende des Jahres 2022 über die umstrittene Partnerschaft zu entscheiden. Der Sponsoring-Vertrag läuft 2023 aus. Schon auf der Mitgliederversammlung im Herbst 2021 hatte der für den Verein lukrative Sponsoring-Deal für Streit gesorgt.

Der Wüstenstaat Katar steht vor dem Hintergrund der Weltmeisterschaft wegen seiner Menschenrechtsverletzungen massiv in der Kritik.

„Schade“: Fans des FC Bayern München reagieren auf Hoeneß-Ausraster

Auch bei einigen Fans des FC Bayern München stieß die Reaktion von Hoeneß auf Unverständnis. Die Diskussionen bei der Jahreshauptversammlungen seien zwar „thematisch hart“, jedoch „sehr fair“ gewesen, twitterte Club Nr. 12, eine Fan-Vereinigung des FCB. Es sei „schade, dass der Ehrenpräsident dann so agiert...“, hieß es weiter. Die Fan-Vereinigung fand Zustimmung. So schrieb ein FCB-Anhänger, Hoeneß sei „nicht mehr tragbar“. Andere schlugen sich hingegen auf die Hoeneß-Seite. Michael Ott nerve mit seiner Katar-Kritik, schrieb ein Fan. Ein anderer kommentierte, Hoeneß habe „vollumfänglich recht“.

Nicht zuletzt beurteilte auch das Fachmagazin Kicker Hoeneß Reaktion in einem Artikel. Peinlich sei nicht der Auftritt von Michael Ott gewesen, hieß es in einem Kommentar. „Peinlich war stattdessen Hoeneß, der einerseits unnötigerweise schimpfte“, schrieb der Kicker. Ott dann gar nicht erst die Möglichkeit einer Antwort zu geben, sei aber „vor allem peinlich“ gewesen. Hoeneß hatte im Anschluss an seine Worte die Jahreshauptversammlung – die bereits auf das Ende zuging – nämlich verlassen.

„Trug einen bösen Dolch im Gewand“: Journalist kritisiert Hoeneß nach FCB-Hauptversammlung

Die getätigten Worte hätte Hoeneß „auf einer Bühne und argumentativ ausführend so sagen und sich anschließend auch der Kritik stellen können“, sagte SZ-Journalist Philipp Schneider im Podcast „Und nun zum Sport“.

Der Kontext und Zusammenhang des Satzes seien allerdings das Problem gewesen. „Das hätte Uli Hoeneß, glaube ich, früher so nicht gemacht. Dass er sozusagen am Ende der Veranstaltung im nicht-öffentlichen Teil, so beim Hinausgehen diesem Ober-Katar-Kritiker Michael Ott das zuraunt. Der trug da wirklich nochmal so einen bösen Dolch im Gewand, der Uli Hoeneß“, fuhr Schneider fort. Was früher eine große Stärke von Hoeneß – nicht nur als Sportler, sondern auch als Funktionär – gewesen sei, verliere er so langsam: „das richtige Timing“, wertete Schneider im Podcast.

Ob Hoeneß noch einmal im Nachhinein auf sein Statement eingehen wird, bleibt indes zunächst offen. Das Thema Katar dürfte aber besonders mit dem Näherrücken der WM im Wüstenstaat weiterhin für großen Gesprächsbedarf sorgen – auch beim FC Bayern München. (mbr)

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