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Durchbruch der „echten Neun“ beim FC Bayern: Stellte Nagelsmann wochenlang falsch auf?

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Von: Patrick Mayer, Michelle Brey

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Julian Nagelsmann musste in den vergangenen Wochen einiges an Kritik einstecken.
Julian Nagelsmann musste in den vergangenen Wochen einiges an Kritik einstecken. © Tom Weller/dpa

Gegen den SC Freiburg läuft es für den FC Bayern wieder rund, weil Julian Nagelsmann umstellt und mit Eric Maxim Choupo-Moting einen Stoßstürmer bringt. Ein Fingerzeig für den Münchner Trainer?

München – Ein 5:0 gegen den SC Freiburg und der FC Bayern ist raus aus der Krise? Durch den Erfolg am Sonntag (16. Oktober) hat der deutsche Rekordmeister die Breisgauer überholt und steht hinter Union Berlin auf dem zweiten Platz der Fußball-Bundesliga. Dabei war die Kritik zuletzt groß, über die Arbeit von Trainer Julian Nagelsmann wurde nach zwischenzeitlich nur vier Siegen aus zwölf Bundesliga-Spielen (saisonübergreifend) eifrig diskutiert.

Doch: Selbst der jüngste Sieg wirft Fragen auf. Denn: Wesentlich spielentscheidend war ein klassischer „Neuner“, ein Stoßstürmer und damit ein Spielertyp, auf den sie an der Säbener Straße in München zuvor hinreichend verzichtet hatten. Während Ex-Goalgetter Robert Lewandowski auch für den FC Barcelona munter Tore schießt.

FC Bayern gegen Freiburg: Sadio Mané nach links – Julian Nagelsmann stellt erfolgreich im Sturm um

Stellte Nagelsmann im Sturm etwa wochenlang falsch auf? Gegen die Badener spielte Eric Maxim Choupo-Moting erstmals von Beginn an in der Spitze, Sadio Mané rückte stattdessen in einem 4-3-3 nach Linksaußen. Der 30-jährige Senegalese war davor in sieben von neun Bundesliga-Spielen Mittelstürmer, wobei ihm nur drei Treffer gelangen. Was Lewandowski gut und gerne mal in einer Partie liefert.

Der linke Flügel gilt dagegen als Manés Lieblingsposition, über die der gerade mal 1,74 Meter große, dafür geschmeidige Angreifer seine schnellen Sprints aus der Tiefe ansetzen kann. Der wuchtige Choupo-Moting (1,91 Meter) bewies dagegen prompt mit dem Rücken zum Tor seine Qualitäten als „Wandspieler“ (Nagelsmann) und als „Sohlenspieler“ (Serge Gnabry), der in der Box auch mal auf den Ball draufsteht.

Im Video: DFB-Pokal: FC Bayern ohne Manuel Neuer – Thomas Müller wieder dabei

DAZN-Experte Sandro Wagner sah nach der Machtdemonstration gegen die Südbadener sogar regelrecht erleichterte Münchner Spieler, die sich demnach darüber freuen, dass sie mit „Choupo“ wieder einen „Zielspieler“ im Strafraum haben. Bester Beleg zur Analyse: Nach 53 Minuten legte Choupo-Moting in der Box per Doppelpass clever für Leroy Sané ab, der Sturmtank aus Hamburg-Altona band einzig in dieser Szene zwei Gegenspieler. Während der 33-Jährige bei seinem 2:0 (33.) Verteidiger Matthias Ginter einfach zur Seite schob, konnte Mané hinter ihm nach Belieben hinter die Kette kreuzen, anstatt an dieser zu parken.

Er kam vor der Saison mit dem Druck vom FC Liverpool an die Isar, Lewandowski ersetzen zu müssen. Dabei war er in England nie ein typischer Strafraumstürmer. Dass ein echter „Neuner“ fehle, monierte zuletzt Ehrenpräsident Uli Hoeneß im BR-Fernsehen. Es war einer dieser nachdrücklichen Hinweise vom Tegernsee, wie sie der 70-jährige Vereinspatron bis heute praktiziert.

Eines ist ganz sicher, dass ich glaube, dass uns schon ein Neuner fehlt“

Uli Hoeneß im „Sonntags Stammtisch“, BR-Fernsehen
Torschütze: Eric Maxim Choupo-Moting für den FC Bayern gegen den SC Freiburg.
Torschütze: Eric Maxim Choupo-Moting (li.) für den FC Bayern gegen den SC Freiburg. © IMAGO / MIS

FC Bayern München: Choupo-Moting glänzt gegen Freiburg – Neuner-Problem vom Tisch?

Bleibt nach dem hohen Sieg gegen Freiburg die Frage: Hätte Nagelsmann nicht früher auf den letzten verbliebenen Stoßstürmer im FCB-Kader setzen müssen? So hatte der 35-jährige Oberbayer „Choupo“ vor der Partie gegen den Sportclub selbst bezeichnet.

So war es wohl auch ein wenig den personellen Umständen geschuldet, dass der frühere PSG-Stürmer am zehnten Spieltag überraschend in der Startelf stand. Thomas Müller war aufgrund muskulärer Probleme nicht im Kader, in der Königsklasse bei Viktoria Pilsen (4:2) hatte Müller noch auf der Neuner-Position gespielt. Jamal Musiala wurde nach Corona-Infektion per Bankplatz geschont, Kingsley Coman fehlte in der Münchner Allianz Arena wegen einer Gelb-Rot-Sperre. Leroy Sané rückte deshalb hinter die Spitze, Gnabry kam über rechts. Und vorne war ein Platz frei.

Von einer „Benchmark“ – ergo einer Messlatte – sprach Sportvorstand Hasan Salihamidzic im Anschluss. „Daran müssen wir uns jetzt messen lassen“, sagte der Bosnier. Auf was „Brazzo“ anspielte? Ob es immer einen Stoßstürmer braucht? Und Mané, für den er eine Sockelablöse von 32 Millionen Euro nach Liverpool überwies, stattdessen auf Linksaußen? „Choupo war immer anspielbar. Es war vorne eine Wand da. Er hat ein gutes Spiel gemacht, weiter so“, meinte er zumindest.

Eric Maxim Choupo-Moting: Ein Tor in der Bundesliga und in der Champions League

Auch Nagelsmann lobte. Choupo-Moting war „der Zielspieler, der medial bei uns oft vermisst wird“, sagte er mit einem Seitenhieb zur seit Wochen schwelenden Stürmer-Debatte: „Er hat es sehr gut gemacht. Sein Tor war herausragend, dazu zwei gute Vorlagen. Er ist ein guter Wandspieler gewesen. Er kann richtig gut Fußball spielen. Wir sind froh, dass wir ihn haben als zentrale Neun.“

FC Bayern in Augsburg: Julian Nagelsmann gibt Eric Maxim Choupo-Moting Startelf-Garantie

Auf der Pressekonferenz zum DFB-Pokal-Spiel der Bayern in Augsburg (Mittwoch, 20.45 Uhr) erteilte er Choupo-Moting sogar eine Startelf-Garantie: „Fußballerisch ist er einfach herausragend. Er hat eine gute Technik, einen guten Körper. Er ist einer der besten Tänzer, habe ich mal gehört. Das sieht man auf dem Feld: Er ist sehr groß, hat eine gute körperliche Wucht, hat aber trotzdem eine sehr große Finesse mit dem Ball am Fuß. Er kann sich einfach gut bewegen, hat ein sehr gutes Freilaufverhalten und einen sehr guten Abschluss. (...) Er trainiert die letzten Wochen sehr fleißig, hat gegen Freiburg ein Weltklasse-Spiel gemacht und wird auch morgen beginnen.“ DAZN-Experte und Ex-Stürmer Wagner war sich schon davor sicher: „Choupo wird weiter spielen!“ (pm/mbr)

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