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Obacht, FC Bayern – ist die Tabellenführung verflucht?

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Von: Niklas Kirk

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Die aktuelle Spannung im Titelrennen geht vermeintlich auf die Bürde der Tabellenführung zurück. Doch ist der FC Bayern als Spitzenreiter besonders anfällig?

München – Als Fan des FC Bayern konnte man sich in dieser Saison zumindest in einer Hinsicht auf den BVB verlassen. Wenn die Schwarz-Gelben die Gunst der Stunde nutzten, um am Rekordmeister vorbeizuziehen, gaben sie die Tabellenführung postwendend wieder ab. Einmal im direkten Duell mit dem FCB am 26. Spieltag durch eine 2:4-Niederlage aus Sicht der Dortmunder, als auch letzte Woche beim Remis gegen den VfL Bochum, womit die Borussen beide Spiele als Tabellenführer nicht gewinnen konnte.

Fußball-Bundesliga nach dem 30. Spieltag
1. FC Bayern München81:33 62 Punkte
2. Borussia Dortmund67:40 61 Punkte
3. 1. FC Union Berlin44:31 56 Punkte
4. SC Freiburg46:37 56 Punkte

Ist die Tabellenführung verflucht? Union, Freiburg und BVB mit nur kurzen Phasen an der Spitze

Ein Warnruf an den FC Bayern, dass Tabellenführer diese Saison besonders anfällig für Pleiten sind und sich öfter als sonst die Klinke in die Hand geben? Auch den SC Freiburg ereilte das gleiche Schicksal, als er am 6. Spieltag als amtierender Spitzenreiter „patzte“ und gegen Gladbach über ein 0:0 nicht hinauskam. Danach kehrten die Breisgauer nicht mehr auf Platz 1 zurück. Während der sechs Spieltage andauernden Regentschaft von Union Berlin gab es für die Ost-Berliner vier Siege und zwei Niederlagen. Eine 0:5-Niederlage gegen Leverkusen holte die Köpenicker auf den Boden der Tatsachen zurück und begrub vermutlich auch deren nie ernsthaft gehegten Meisterschaftsambitionen.

Ein Blick auf die Statistiken der letzten Jahre vermindert jedoch den Eindruck, dass es an der Ligaspitze zu ungewöhnlich vielen Wachablösungen kommt und Tabellenführer schneller wieder verdrängt werden – zumindest im Vergleich zur nahen Vergangenheit. Wie auch in dieser Saison gab es während der Spielzeiten 2019/20 und 2020/21 vier verschiedene Klubs, die von der Ligaspitze grüßten. Als 2019/2020 der BVB, Borussia Mönchengladbach und Leipzig die Tabellenspitze jeweils innehatten, verbrachten die Bayern lediglich 16 Spieltage an der Ligaspitze, um diese ab dem 20. Spieltag nicht mehr zu verlassen und am Ende mit 82 Zählern und 13 Punkten Vorsprung vor dem BVB Meister zu werden. In der aktuellen Saison standen die Münchener bereits 20 Mal an der Spitze.

Tor Thomas MUELLER (MÜLLER,Bayern Muenchen) zum 2-0 gegen Torwart Gregor KOBEL (Borussia Dortmund) Torjubel,Jubel,Freude
Aktuell oben auf: Thomas Müller und der FC Bayern © IMAGO/ Frank Hoermann / Sven Simon

Der FC Bayern vorm Saisonendspurt – auch in vergangenen Spielzeiten wurde die Tabellenspitze aufgeteilt

In der Saison 2020/21 verlor das Team des FCB zweimal (in dieser Spielzeit bisher dreimal) die Tabellenführung, gab diese jedoch ab dem 13. Spieltag nicht mehr ab. In der Saison, in der die Bayern somit 28 Spieltage lang Spitzenreiter waren und abermals mit 13 Punkten Abstand vor Leipzig den Titel gewannen, durften RB, Bayer Leverkusen und die TSG Hoffenheim mit jeweils drei, zwei und einem Spieltag nur sehr kurze Ausflüge auf Platz 1 genießen und waren somit weniger imstande, die Tabellenführung zu verteidigen. Eine abermalige Bürde also.

Im Gegensatz zu diesen zwei zahlenmäßig souveränen Titeln, steht die letzte Saison 2021/2022, als der FCB ab dem 5. Spieltag ganze 30 weitere Runden Tabellenführer blieb, jedoch mit „nur“ 8 Punkten Vorsprung den Titel vor dem BVB holte. Die anderen beiden „Verlegenheitstabellenführer“ der Saison aus Stuttgart (1. Spieltag) und Wolfsburg (3. Spieltag) beendeten dagegen die Spielzeit auf Platz 15 und 12. In den letzten fünf Spielzeiten bekleideten die Bayern im Schnitt an 22 Spieltagen die Tabellenspitze. Somit sind sie auch in dieser Spielzeit mit 20 Spieltagen im gewöhnlichen Rahmen.

Fluch der Tabellenführung? Lange Phasen steigern Wahrscheinlichkeit für Punktverluste als Tabellenführer

Doch patzte das Team von Thomas Tuchel in dieser Saison tatsächlich öfter als sonst, gerade wenn sie an der Spitze standen? Seit der Saison 2017/18 verlor der FC Bayern jeweils vier Spiele in einer Ligasaison, bzw. fünfmal in der Saison 2021/22, was somit einen negativen Ausreißer markiert. Mit aktuell vier Niederlagen auf dem Konto scheint auch hier nichts ungewöhnlich zu sein.

Die fünf Spiele der Saison 2021/22 gingen tatsächlich allesamt als Tabellenführer verloren. In den anderen Spielzeiten schwankt die Statistik zwischen einer (2018/2019 und 2019/2020), drei (2017/2018) und vier (2019/2020) Niederlagen als Tabellenführer. Auf den ersten Blick ergeben sich daraus hohe Quoten, diese werden jedoch dadurch relativiert, dass mit steigender Anzahl von Spielen an der Tabellenspitze, von denen der FC Bayern einige innehatte, auch die Wahrscheinlichkeit steigt, in dieser Phase Punkte zu lassen.

Der FC Bayern vorm Saisonendspurt – Leistungszahlen ähneln denen der letzten Jahre

Ein weiterer Wert, der gegen eine Katastrophensaison spricht, bezieht sich auf die gesammelten Punkte. In den letzten fünf Spielzeiten holten die Mannschaften des FC Bayern im Schnitt 79,8 Zähler. Ein Wert der, mit möglichen 74 Punkten zum Ende dieser Saison, zumindest nicht dramatisch unterschritten wird.

Ob es in dieser Saison also wiedermal so spannend wird wie 2018/19, als der Vorsprung zum damaligen und heutigen Rivalen Borussia Dortmund nur zwei Punkte betrug, liegt somit im Wesentlichen auch an den Verfolgern. Denn zumindest den FC Bayern überkam in dieser Saison kein ungewöhnliches Lampenfieber als Spitzenreiter. (nki)

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