Alles Gute, Titan!

Vom wilden Torhüter zum Management-Mann - eine Hommage an Oliver Kahn zum 50. Geburtstag

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Hat einen verantwortungsvollen Posten in Aussicht: Oliver Kahn soll beim FC Bayern auf Karl-Heinz Rummenigge folgen.

Ein halbes Jahrhundert Oliver Kahn. Ein halbes Jahrhundert der Titan. Zu seinem Ehrentag feiern wir die Legende des FC Bayern mit einer Hommage.

München - Die lebende Legende wird 50! Oliver Rolf Kahn, der Titan, feiert am Samstag Geburtstag. Und das als - im positivsten Sinne - altersmilder Mann, der kurz vor einer Management-Karriere beim FC Bayern steht. Wer hätte das gedacht?

Oliver Kahn hat eine bemerkenswerte Wandlung hinter sich. Zu seiner aktiven Zeit polarisierte er wie kein Zweiter. Der Torwart musste seine Strafräume regelmäßig von Bananen befreien. Die gegnerischen Fans imitierten den Bayern-Keeper als Affen. Keine Frage - das ist daneben. Aber Kahn hatte zeitweise auch um eine Sonderbehandlung gebettelt.

Kahn ließ in Dortmund „das wilde Tier“ los

Unvergessen ist ein Auftritt in Dortmund. Im April 1999 lag der FCB schnell 0:2 zurück, bei Kahn brannten mehrere Sicherungen durch. Erst knabberte er am Hals von Heiko Herrlich, dann flog er mit einem Kung-Fu-Sprung knapp an Stephane Chapuisat vorbei. Kahn meinte: „Das war der Höhepunkt meiner Aggressionen, die sich je in mir entladen haben. Ich ließ das wilde Tier los.“

Der heute 50-Jährige war damals eben der Inbegriff des Leitwolfs, ein absolutes Mentalitätsmonster. Legendär ist seine Kollegen-Kritik mit den Worten „Eier, wir brauchen Eier“. Selbst mit den irrwitzigen Aktionen in Dortmund rüttelte er sein Team wach - Bayern holte ein 2:2, die Meisterschaft war so gut wie perfekt.

Schlimme Szene: Bei einem Spiel in Freiburg wird Oliver Kahn von einem aus dem Zuschauerraum geworfenen Golfball an der Schläfe getroffen.

Kahn wollte Andersson 2001 den Ball wegnehmen

Im Mai 2001 dann stieg Kahn zur Münchner Legende auf. Am letzten Bundesligaspieltag lag der Rekordmeister in Hamburg zurück, hätte mit einer Pleite Schalke zum Meister gemacht. Aber in der dritten Minute der Nachspielzeit gab’s einen indirekten Freistoß für die Bayern - und Kahn, vollgepumpt mit Adrenalin, wollte selbst schießen. Stefan Effenberg schickte seinen Keeper weg, der stiftete etwas Unruhe im Hamburger Strafraum und verzog sich schließlich. Der Rest ist Geschichte! Patrik Andersson traf, Kahn jubelte mit der Eckfahne und schrie später mit der Schale in der Hand: „Da ist das Ding!“

Das nächste Ding folgte im Champions-League-Finale gegen den FC Valencia. Kahn, immer ein Keeper mit Weltklasse-Reflexen, parierte im Elfmeterschießen gleich drei Versuche der Spanier. Marcel Reif krächzte: „Kahn! Die Bayern!“

Kahn feiert größten Nationalmannschaftserfolg als Ersatzmann

Der Henkelpott sollte der größte Titel in der Karriere des gebürtigen Karlsruhers bleiben. Denn in der Nationalmannschaft blieb Kahn unvollendet - trotz 86 Länderspielen und überragenden Leistungen. 1996 wurde er als Ersatzmann Europameister. Sechs Jahre später dann der ganz große Wurf im DFB-Team. Bei der WM in Japan und Südkorea brachte Kahn sein Team quasi im Alleingang ins Finale, noch heute ist er in Asien ein Superstar - damals entstand auch der Spitzname Titan. Tragisch: Ausgerechnet im Endspiel gegen Brasilien (0:2) patzte Kahn vor dem ersten Gegentor. Übel nahm ihm das wahrlich keiner.

Niederlage in seinem größten Spiel: Das WM-Finale 2002 geht gegen Brasilien mit 0:2 verloren.

Trotzdem folgte ein weiterer Rückschlag. Jürgen Klinsmann entschied sich vor der Heim-WM 2006 für Jens Lehmann, Kahn lernte eine wichtige Lektion - die Rolle als Nummer zwei. Gut möglich, dass er damals eine gewisse Milde lernte. Als Studierter, Unternehmer und meinungsstarker TV-Experte hat Kahn sich für einen Posten beim FCB in Position gebracht - er soll 2022 Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge beerben. Frei nach dem Motto: „Weiter, immer weiter.“ Alles Gute, Titan!

Oliver Kahn wird mittlerweile zu vielen Themen rund um den Sport um seine Meinung gebeten. So empfahl er den deutschen Klubs auch, sich auf eine Veränderung einzustellen. Philipp Lahm hält seinen ehemaligen Teamkollegen für eine gute Wahl als Bayern-Boss.

Jonas Austermann

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