Hochrisikospiel in Griechenland

Vor Olympiakos-Wahnsinn: Bayern-Fans cool

München - Das wird ein heißer Abend! Der FC Bayern soll morgen bei seinem Champions-League-Debüt in Piräus von einem wahren Hexenkessel weichgekocht werden, die griechischen Anhänger gelten als absolut heißblütig.

Im Stadion werden die mitgereisten Anhänger des FCB mit großer Sicherheit Pyrotechnik, Choreografien und emotionale Fangesänge erleben. Problematischer dürfte sein, was sich hinter den Kulissen abspielt: Die UEFA hat die Begegnung als Hochrisikospiel eingestuft.

Konkret heißt das zunächst einmal, dass die örtlichen Behörden und der Verein darauf hinweisen, dass den Gästefans „aus Sicherheitsgründen“ von einer direkten Anreise zum Karaiskakis-Stadion vor den Toren Athens „ausdrücklich abgeraten wird“. Sie sollen unter Polizeischutz per kostenlosem Busschuttle von der Sammelstelle am Panathinaiko-Stadion in Athen ins Stadion gelangen.

Doch das ist nur die Vorgehensweise unmittelbar vor dem Spiel. Am Spieltag selbst werden die Fans der Roten ihre Rituale auch nicht ganz so zelebrieren können, wie sie es in anderen europäischen Städten machen. Aus Kreisen der ­Ultraszene heißt es, man wolle den Griechen mit Respekt begegnen. Ein groß angelegter Treffpunkt schon zur Mittagszeit mit Fangesängen und rotem Fahnenmeer, wie zum Beispiel vergangene Saison im Zentrum von Rom, ist nicht geplant. Zudem wird es keinen Fanmarsch mit Pyrotechnik in Richtung Stadion geben. Darüber hinaus sieht man die Bezeichnung „Hochrisikospiel“ aber gelassen.

Auch bei den gemäßigten Fans gibt es keinerlei Befürchtungen, dass etwas aus dem Ruder laufen könnte. Hansi Gehrlein, Vorsitzender des Fanklubs „Die 13 Höslwanger“ und stets beim FCB-Auswärtstross dabei, erklärt auf tz-Nachfrage: „Es ändert sich nicht allzu viel für uns. Es gibt eben eine höhere Polizeipräsenz, man kann sich nicht so frei bewegen. Aber das kennen wir von so mancher Tour.“

Besonders im Gedächtnis geblieben ist ihm dabei die Reise nach Neapel im Oktober 2011. Damals ging es auch sehr hitzig zu, die italienischen Fans bereiteten dem FCB einen besonderen Empfang. Schon in der Nacht vor dem Spiel gab es laute Hupkonzerte vor dem Mannschaftshotel, am Spieltag selbst galt es, ein Aufeinandertreffen der Fanlager zu verhindern.

Das Georgios-­Karaiskakis-­Stadion von Piräus hat schon häufiger gebrannt.

Für Piräus erwartet Gehrlein ähnliches. „Nach solchen Warnungen halten sich viele lieber bedeckt, verzichten zum Beispiel auf ihr Trikot, wenn sie in der Stadt unterwegs sind. Wieder andere bleiben aber auch dabei.“ Es geht darum, nicht groß zu provozieren. Spezielle Informationen, zum Beispiel aus dem Fanlager des BVB, der vor vier Jahren dort spielte, holte man aber nicht ein. Und überhaupt, so Gehrlein, freue man sich auf die Reise. „Das ist endlich mal was anderes. Zuletzt ging es ja doch häufiger nach Manchester oder Moskau, nun eben Piräus. Wir sind gespannt auf die Fans, das Stadion. Das ist ja für die meisten von uns neu.“

Die Probleme von Piräus & Co.

Ähnlich wie in der Bundesliga hat der Spielbetrieb in Griechenland gerade erst begonnen. Die Super League hat derzeit drei Spieltage hinter sich, es ist also noch nicht allzu viel passiert. Immerhin, könnte man meinen, wird überhaupt gespielt – vergangene Saison hatte es schließlich sogar einen Aussetzer gegeben. Der Grund: Fanausschreitungen!

Mittendrin in dieser unschönen Geschichte des griechischen Fußballs steckte auch der morgige Gegner des FC Bayern. Im März dieses Jahres war es beim Spiel von Olympiakos gegen Panathinaikos Athen zu schweren Krawallen gekommen. Die Fanlager der beiden großen griechischen Vereine sind verfeindet, beim Spiel eskalierte die Rivalität. Wieder einmal wurde deutlich, dass es ein großes Hooligan-Problem in Athen und bei Piräus gibt. Als Folge zog der griechische Vizeminister für Sport eine drastische Konsequenz, er unterbrach die Meisterschaft.

Danach wurde zunächst ohne Fans gespielt. Man stelle sich ein derartiges Szenario für die Bundesliga vor. Und es kam noch schlimmer!

Direkt nach dieser Eskalation musste auch das folgende Pokalspiel zwischen Piräus und einem anderen Athener Verein, AEK, abgebrochen werden. Nach einem späten Tor für Olympiakos, das wohl zum Erreichen der nächsten Runde geführt hätte, stürmten etwa 30 Anhänger von AEK den Platz – noch während die Piräus-Spieler den Treffer bejubelten. Spieler und Schiedsrichter mussten in die Kabine flüchten.

Diese Vorkommnisse sind allerdings keine Ausnahme. Im Jahr davor musste die Polizei mit Pfefferspray gegen Randalierer vorgehen, die wiederum beim Spiel gegen Panathinaikos störten. Immer wieder landen Feuerwerkskörper und andere Gegenstände auf dem Rasen.

mic, sw

Rubriklistenbild: © Imago

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